http://www.faz.net/-gtm-74oq6

Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ : DFL reagiert auf Proteste

Die Fans reagieren derzeit mit einem stillen Protest - angelehnt an das Datum der Mitgliederversammlung Bild: dpa

In der Debatte um das umstrittene Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ veröffentlicht die DFL die Anträge. In ersten Reaktionen stoßen aber auch die Veränderungen bei Fanorganisationen auf Ablehnung.

          Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat in der verfahrenen Lage um die Sicherheitsdebatte im deutschen Fußball die Anträge für ihr umstrittenes Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ im Internet veröffentlicht. Der Ligaverband wird über die 16 Anträge am 12. Dezember auf seiner Jahreshauptversammlung in Frankfurt abstimmen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Ziel dieser Anträge soll sein, dass die Möglichkeiten zur Täter-Ermittlung verbessert werden, damit Kollektivstrafen zukünftig reduziert werden, und dass vereinzelte sicherheitsrelevante Defizite verursachungsgerecht beseitigt sowie finanziert werden“, teilte die DFL mit. Der Verband erklärte zudem, Änderungen und Ergänzungen könnten noch während der Sitzung von den 36 Vereinen vorgenommen werden. Die Veröffentlichung solle „zu einer weiteren Versachlichung der Diskussion beitragen“ und für Transparenz sorgen.

          In ersten Reaktionen ist jedoch auch die Veränderung des Konzepts bei Fanorganisationen auf Ablehnung gestoßen. „Das ist alles zu schwammig und lässt noch zu viel Spielraum“, sagte Ben Praße als Sprecher von „Unsere Kurve“ gegenüber dpa. „Ich hoffe, dass die Vereine die Anträge ablehnen, dann hat man mehr Zeit. Das ist alles viel zu knapp.“

          Sogenannte Vollkontrollen an den Eingängen seien auch in der veränderten Fassung nicht kategorisch ausgeschlossen. Auch die mögliche Reduzierung des Kartenkontingents für Zuschauer des Gastvereins lehnen Fangruppierungen ab. Ein Sprecher der Fanorganisation „Pro Fans“ erklärte: „Dieses Sicherheitspapier ist ein Schritt in die falsche Richtung.“

          Beim Thema Pyrotechnik sind Fans und Verbände weit auseinander
          Beim Thema Pyrotechnik sind Fans und Verbände weit auseinander : Bild: dpa

          Die Veränderung des DFL-Konzepts und das gewählte Verfahren sind als Reaktion auf die scharfe Kritik und die teilweise vollständige Ablehnung des Konzepts durch die Vereine und einen großen Teil der sogenannten aktiven Fanszene im vergangenen Monat zu verstehen. In den Anträgen sind nun keine „statuarischen Vorgaben bezüglich Vollkontrollen“ oder „Ganzkörperkontrollen“ mehr vorgesehen.

          Die DFL weist zudem daraufhin, dass ein „Automatismus“, wonach Fangruppierungen in ihrer Gesamtheit bei „Fehlverhalten“ Einzelner bestraft werden, nicht geplant sei. In der neuen Fassung taucht auch die Formulierung auf, wonach sich der Ligaverband „konsequent“ für den Erhalt der Stehplätze als wichtigen Teil der Fankultur einsetze. Die DFL appelliert „ausdrücklich“ an „Politik, Polizei, aber auch Vertreter der organisierten Fans“ die Diskussion nicht ideologisch, sondern auf Basis der Fakten zu führen.

          Das bisherige Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ ist umstritten
          Das bisherige Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ ist umstritten : Bild: picture alliance / dpa

          An diesem Spieltag hatte eine Fan-Initiative aus Protest über das Konzept zu einem bundesweiten Stimmungsboykott in den Stadion für 12 Minuten und 12 Sekunden aufgerufen – als Symbol für den Tag, an dem die DFL das Papier „Sicheres Stadionerlebnis“ verabschieden will. Der stille, aber vielbeachtete Protest soll an den beiden Spieltagen vor der DFL-Entscheidung wiederholt werden, um die Bedeutung der Fankultur für den deutschen Fußball zu verdeutlichen.

          Verschiedene Innenminister haben mit dem Verbot von Stehplätzen und einer Kostenbeteiligung der Vereine für Polizeieinsätze gedroht, falls nicht entsprechende Maßnahmen verabschiedet würden. Am Montag treffen sich die Spitzen der Fußballverbände mit den Innenministern Schünemann und Jäger. Ligapräsident Rauball sagte, Stehplätze seien nicht verhandelbar. „Stehplätze gehören in Deutschland zur Fußball-Kultur.“

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Gedenken an die Opfer Video-Seite öffnen

          „Grenfell-Tower“ : Gedenken an die Opfer

          Ein halbes Jahr nach dem verheerenden Brand im Londoner „Grenfell Tower“ hat Großbritannien der 71 Todesopfer gedacht. Nach der Trauerfeier kam es zu stillen Protesten von Hinterbliebenen und Überlebenden.

          Erdogan: „Jerusalem ist Hauptstadt Palästinas“ Video-Seite öffnen

          Reaktion auf Trump : Erdogan: „Jerusalem ist Hauptstadt Palästinas“

          Auf einem islamischen Gipfel hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zur Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Palästinas aufgerufen. Die islamischen Staaten sind sich in dieser Frage allerdings uneinig. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprach Amerika jede Vermittlerrolle im Nahostkonflikt ab.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Erwin Huber im Gespräch : „Die CSU hat ein Trauma“

          Als Parteivorsitzender bildete Erwin Huber mit Günter Beckstein das erste CSU-Führungstandem. Im FAZ.NET-Interview verrät er, was er über das Duo Söder/Seehofer und über eine Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg denkt.

          Erderwärmung – eine Pause? : Auch 2017 war ein Hitzejahr

          Kein Rekord, eine kleine Pause sogar, aber der Trend bleibt: Die mittlere Erdtemperatur kratzt an den Rekordwerten. Deutschland jedoch ist abgehängt, und eine Kälteanomalie bleibt bis 2018.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.