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Kommentar zur Vorrunde Lauter Lehmänner

20.12.2009 ·  Jens Lehmann hat die Hinrunde 2009 geprägt: Der Torwart steht wie kein Zweiter für Überraschungen und Kapriolen - das passt zu einem sportlichen Liga-Verlauf, der so unvorhersehbar, unterhaltsam und rätselhaft daherkam wie selten zuvor.

Von Michael Horeni
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Es war schon ein bisschen schade, dass dem Derby im Südwesten die personifizierte Spannung fehlte. Aus dem Duell des VfB Stuttgart mir 1899 Hoffenheim hätte noch viel mehr werden können, wenn Jens Lehmann nicht seine Sperre hätte absitzen müssen, weil er mal wieder jemandem aufs Füßchen gestiegen war. Der Torwart hätte vielleicht den ersten Stuttgarter Sieg seit drei Monaten in letzter Minute durch einen ganz besonderen Einsatz verhindert, er hätte mal kurz hinter der Bande verschwinden oder seinem Vorgesetzten nach dem Spiel ein paar gute Ratschläge erteilen können. Die Rote Karte am vergangenen Spieltag war somit das vorerst letzte sichtbare Zeichen für die Unberechenbarkeit eines Torwarts, der in dieser Hinrunde seinen ganz eigenen Reiz auch für die Freunde der Verhaltensforschung im Lehmann-Jahr der Bundesliga entfaltete.

Lehmann hat die Hinrunde 2009 bisher geprägt wie kein anderer Profi. Der 40 Jahre alte Torwart steht dabei wie kein anderer Spieler in dieser Saison für Überraschungen und Kapriolen – und all das passt zu einem sportlichen Verlauf, der so unvorhersehbar, wechselvoll, unterhaltsam und rätselhaft daherkam wie selten zuvor. Der VfB ist vom Lehmann-Jahr natürlich ganz besonders geprägt. Auch rein sportlich haben die Schwaben dem Publikum eine Spannbreite offeriert, die ihm erst den Atem und dann die Geduld raubte. Vom Tabellendritten zum Abstiegskandidaten – und gleichzeitig stark genug, um sich in der Champions League als Gegner von Titelverteidiger FC Barcelona zu qualifizieren und sich mit dem neuen Trainer Gross umgehend aus den tiefsten Regionen abzusetzen. Da war so viel Unberechenbarkeit im Spiel der Schwaben, dass man gut daran tat, auf die Auftritte des VfB im Jahr des neuen Wettskandals keinen Cent zu setzen.

Hertha: Vom Meisterkandidaten zum abgeschlagenen Tabellenletzten

Der Absturz von Hertha BSC hat nicht erst nach dem 2:5 in München historische Dimensionen angenommen. Vom Meisterkandidaten zum abgeschlagenen Tabellenletzten mit direktem Kurs in die zweite Liga – da wird mit dem Blick auf den VfB auch deutlich, wie fragil das sportliche Glück in der Bundesliga sein kann. Auch beim FC Bayern, der nun seit über 50 Spieltagen nicht mehr auf dem allerersten Platz stand, den er für sich wie selbstverständlich in Anspruch nimmt, konnte man sich in dieser Saison nie sicher sein, ob man nun glanzvolle Siege, mühsame Arbeitserfolge oder mal wieder eine große Enttäuschung vorgesetzt bekam.

Im Schatten all dieser Turbulenzen hatten es Solidität und Kontinuität schwer, die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zu erlangen. Erst nachdem nun endgültig der Winter und die Fußballpause über die Liga hereingebrochen sind, rücken die Aufbauleistungen und Stabilisierungserfolge von Jupp Heynckes und Felix Magath in den verdienten Mittelpunkt. Der Wintermeister aus Leverkusen und der Verfolger aus dem Pott haben bei ihren neuen Arbeitgebern in dieser Saison nicht immer mit Brillanz, aber mit beeindruckender Konstanz ein beachtliches Halbjahres-Meisterstück abgeliefert. Aber wenn die Lehmann-Saison auch 2010 hält, was sie bisher verspricht, stehen Heynckes und Magath die großen Überraschungen und entscheidenden Prüfungen noch bevor.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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