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Kommentar : Fischers Pflicht gegen den Angriff über rechts

Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer. Bild: Wonge Bergmann

Mitglieder oder Sympathisanten der AfD attackieren Peter Fischer. Muss es dem Präsidenten eines Bundesligaklubs nicht erlaubt sein, jedem Anflug von Rassismus entgegenzutreten, ohne Hasstiraden zu ernten?

          Seit fast einer Woche attackieren Mitglieder oder Sympathisanten der AfD Peter Fischer, den Präsidenten des Fußball-Bundesligaklubs Eintracht Frankfurt. Weil er es gewagt hatte, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft in der AfD und in seinem Klub auszusprechen. Dass Fischer dies nur unter Alkoholeinfluss formuliert haben könne, wie ein Leser faktenfrei behauptet, dass er Stasi-Methoden (was ist an einer öffentlich geäußerten Meinung eine konspirative Spitzelei?) anwenden wolle und ein drittklassiger Proletarier sei (Fraktionsvorstand Alice Weidel), sind noch die harmlosesten Attacken.

          Weil Fischer im Hessischen Rundfunk nachlegte und dort erklärte, es werde keine „Nazis“ im Verein geben, solange er Präsident sei, haben ihn nun die Parteisprecher der hessischen AfD wegen Beleidigung, Verleumdung und übler Nachrede angezeigt. Fischer schweigt – bis zur Mitgliederversammlung Ende des Monats. Dann, das hatte er in der F.A.Z. angekündigt, will er noch mal Position beziehen: „Dass es sich mit unserer Satzung nicht verträgt, AfD zu wählen.“

          Beobachter der Frankfurter Eintracht hätten sich gewünscht, dass Fischer schon bei der Diskussion um einige Ultras der Frankfurter Fan-Szene so deutlich Haltung angenommen hätte. So fein und über jeden Zweifel erhaben sind ein (kleiner) Anteil der Anhänger leider nicht. Und auch in Frankfurt wird Fischer nicht einen von Experten erkannten Trend zu einer Unterwanderung der stimmgewaltigen Unterstützer durch Rechtsextreme vollständig stoppen können.

          Aber muss es dem ersten Mann eines bekannten Vereins nicht erlaubt sein, jedem Anflug von Rassismus entgegenzutreten, ohne Hasstiraden zu ernten? Ist er angesichts der unseligen Vorgeschichte auch in Frankfurt nicht sogar verpflichtet, sich mit breiter Brust hinzustellen und an das Selbstverständnis der Eintracht zu erinnern? Sein Verein, sagt Fischer, stehe für den Kampf gegen Antisemitismus und gegen Rassismus. Das müsse jedem bekannt sein, der sich mit dem Verein identifizieren wolle.

          Deshalb ist es interessant, dass die Sprecher der hessischen AfD ihren Parteigenossen empfehlen, einen Aufnahmeantrag zu stellen. Über die Zulassung darf laut Vereinsrecht das Präsidium entscheiden. Da aber niemand sein Parteibuch vorzeigen muss, kann die Eintracht-Führung – so von AfD-Sympathisanten kolportiert – gar nicht nach Gesinnung entscheiden. Insofern kann sich Fischers Bekenntnis nur an das Selbstverständnis der AfD-Mitglieder unter den Eintracht-Fans richten. Wie könnt ihr – wenn ihr doch aufrechte Demokraten seid – das Grundgesetz der Eintracht (Athleten aus 70 Nationen) in euer Herz schließen und gleichzeitig Mitglieder von Rang und Namen in eurer Partei dulden, die sich regelmäßig rassistisch äußern?

          Es vergeht kaum ein Tag ohne Beleg für menschenverachtende Parolen aus der AfD. Mit der Einschätzung des damaligen Partei-Vizes und heutigen Bundessprechers Gauland, die „Leute wollten einen Boateng nicht als Nachbarn haben“, fing es an. Und es hört wohl nicht mit der Nachricht vom Mittwoch auf: In einem Tweet des AfD-Bundestagsabgeordneten Maier wurde der Sohn von Boris Becker ein kleiner „Halbneger“ genannt. Wer Fischer angreift, sollte sich eingestehen, wessen Parteigänger er ist.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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