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Kommentar zum HSV-Abstieg : Ihr bestimmt nicht, wie wir absteigen!

So weh es auch tut: Die meisten HSV-Fans steigen mit Würde ab. Bild: dpa

Die Bilder, mit denen sich der HSV aus der Bundesliga verabschiedet, sind hässlich: Böller, Raketen, Polizisten. Der Großteil der Fans pfeift auf die Chaoten. Das ist ein wichtiges Zeichen.

          Nun ist Realität, was zuletzt ein immer größerer Wunsch geworden war – zumindest bei den Kritikern des Hamburger Sportvereins. Der Klub, der seit 1963 stets der Fußball-Bundesliga angehört hat, steigt ab. Der letzte Dinosaurier, der schon so oft totgesagt wurde, ist ausgestorben. Nach drei Fast-Abstiegen in den vergangenen vier Jahren.

          Bundesliga

          Eine Überraschung ist das nicht, eher die logische Folge von Misswirtschaft und Planlosigkeit. All das war zuletzt nicht mehr zu kaschieren. Die Bilder, mit denen sich der HSV verabschiedet, sind hässlich: Böller, Raketen, Polizisten, behelmt, beritten. Jene, die dafür sorgten, stellten die Minderheit im Stadion. Der Großteil der Fans pfiff auf die Chaoten, rief: „Wir sind Hamburg – und ihr nicht.“ Es war ein wichtiges Zeichen an jene, die den Fußball zunehmend als Plattform für die Inszenierung ihrer selbst gebrauchen, die sich zu wichtig nehmen: Ihr bestimmt nicht, wie wir absteigen!

          Dabei hatte Trainer Christian Titz die Stimmung in den vergangenen Woche gedreht, die Hoffnung in die Stadt zurück gebracht. Aber auch er konnte in wenigen Wochen nicht kaschieren, was in vielen Jahren falsch gelaufen ist. Titz ist ein guter Trainer, deshalb vertraut ihm der HSV auch in der zweiten Liga. Ein Zauberer ist er nicht. Aber das Gesicht eines Neuanfangs.

          Die zurückliegende Spielzeit bleibt vor allem wegen des Klassenkampfes in Erinnerung. Wegen der Niederlagenserie des 1. FC Köln zu Beginn der Saison, der schier aussichtslosen Lage des HSV und der anschließenden Aufholjagd, wegen der Orientierungslosigkeit des VfL Wolfsburg. All das war nicht hochklassig – aber spannend, unterhaltsam, dramatisch. Jedes Mal in den vergangenen zehn Jahren wurde die Abstiegsfrage erst am letzten Spieltag geklärt, die Meisterschaft war da schon acht Mal entschieden.

          Bilderstrecke

          Nein, es war keine Saison wie im Rausch – und das gilt nicht nur für Hamburg. Was den meisten Fans in der Bundesliga geboten worden ist, bedeutete eher das Gegenteil: Die Spieltage dämmerten so dahin. Auch international haben sich die Bundesliga-Klubs in dieser Saison bis auf die Bayern blamiert. In der aktuellen Saisonwertung der Europäischen Fußball-Union liegt Deutschland deshalb nur auf Platz sechs – hinter Russland und knapp vor Österreich.

          Köln spielte noch im November gegen den FC Arsenal, Hamburg und Wolfsburg zählten noch vor wenigen Jahren zum elitären Kreis Fußball-Europas. Dass sie nun von Vereinen wie Mainz, Freiburg und Augsburg abgehängt werden, ist eine schallende Ohrfeige und kann nur eines zur Folge haben: einen radikalen Neuanfang. Köln und Hamburg haben den ersten Schritt unternommen. Beim „Effzeh“ schworen Spieler wie Torhüter Horn und Nationalspieler Hector trotz Abstiegs die Treue. Beim HSV steht Titz im Mittelpunkt der Planungen. Beides macht Hoffnung, wirklich.

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