http://www.faz.net/-gtm-96n7a

Aubameyang-Kommentar : Schlecht für die gesamte Bundesliga

Pierre-Emerick Aubameyang kehrt der Bundesliga den Rücken. Bild: Reuters

Borussia Dortmund ist hinter dem FC Bayern die zweitstärkste Kraft, kann aber die besten Spieler nicht halten. Das ist nicht gut für die Bundesliga. Einen wie Aubameyang wird sie lange nicht mehr sehen.

          Nun ist er also weg. Na endlich, so lautet der populäre Reflex auf die schäbige Weise, mit der Pierre-Emerick Aubameyang seinen Abgang aus Dortmund erzwang. Neu ist sie nicht, die Methodik des Motivationsverlustes zwecks beruflicher Veränderung. Beim BVB sammelte man damit schon in den vergangenen Jahren bei Henrich Mchitarjan und Ousmane Dembélé ungute Erfahrungen, wenngleich Aubameyang die Unverfrorenheit der Arbeitsverweigerung auf eine neue Stufe hob.

          Doch die Forderungen, ein Arbeitgeber dürfe sich so etwas von einem königlich bezahlten Angestellten nicht bieten lassen, gehen an der Realität dieses winzigen und höchst speziellen Arbeitsmarktes vorbei. Verhindern ließe sich das nur, wenn alle Klubs an einem Strang zögen und sich weigerten, Spieler anzustellen, die auf unanständige Weise ihren Wechsel provozieren. In Wirklichkeit aber werden diese Spieler, die nötige Klasse vorausgesetzt, mit Kusshand genommen, nicht zuletzt, weil schmutzige Scheidungen oft Preise drücken.

          Das unschöne Ende der Arbeitsbeziehung macht jedoch eines nicht ungeschehen: dass Aubameyang für Dortmund und für die Bundesliga mehr als vier Jahre lang ein großer Gewinn war. Einen Tempo-Stürmer wie ihn hatte man hierzulande noch nicht gesehen, und auch seine Outfits und Ausflüge trugen zum Schauwert bei, zumindest so lange, wie er Lust hatte. Gleich in seinem ersten Spiel, 2013 in Augsburg, schoss der unbekannte Import aus Frankreich drei Tore – vom Flügel, denn im Zentrum spielte noch Robert Lewandowski, dessen Nachfolger und Rivale Aubameyang werden sollte. Ihr Kampf um die Torjägerkanone führte zu Trefferquoten wie seit den Zeiten von Gerd Müller und Jupp Heynckes nicht mehr.

          Bilderstrecke

          Dass das nun unter solchen Umständen endet, ist bedauerlich – noch bedauerlicher ist, dass es überhaupt endet. Welche individuellen Attraktionen hätte die Liga noch, dass sie Verluste wie die von Dembélé oder Aubameyang kompensieren könnte? Wie lange will das Publikum immer mehr eifrig verschiebende, fleißig pressende Kollektive sehen, denen individuell die Inspiration fehlt? Dabei bleibt dem Gros der Bundesliga natürlich nichts anderes übrig, als auf solch kollektive Tugenden zu bauen. Im Kampf um individuelle Klasse können deutsche Klubs bei den Preisen, die auf dem heißgelaufenen Markt schon für Mittelmaß bezahlt werden, längst nicht mehr mithalten.

          Neben den Bayern, die das aber seit Ribéry und Robben nicht mehr nötig hatten, hätten nur die Dortmunder mit den mehr als 200 Millionen Euro, die sie für Mchitarjan, Dembélé und Aubameyang bekamen, noch das finanzielle Potential, um international mitzubieten um jenen Typ Spieler, der die Leute von den Sitzen reißt. Die Frage ist, ob sie nach den letzten Erfahrungen noch Lust darauf haben. Finanziell sind sie Gewinner, sportlich Verlierer des Transfermarktes. Zu viele Abgänge von Stars haben die Botschaft ausgesandt, dass man sich im Team die Konkurrenz mit den Bayern nicht mehr zutraut. Die zweitstärkste Kraft der Bundesliga kann ihre Besten nicht mehr halten. Das ist schlecht für die ganze Liga. Einen wie Aubameyang wird sie lange nicht mehr sehen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Folgen:

          Weitere Themen

          So will die SPD punkten Video-Seite öffnen

          Landtagswahl in Bayern : So will die SPD punkten

          Ihre Partei liegt in Bayern zwar derzeit laut Umfragen nur auf Rang vier, unverändert bei 12 Prozent: Dennoch macht SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen am Montag in München deutlich, sie wolle dem CSU-Ministerpräsident Markus Söder im Oktober Paroli bieten.

          Das Tote Meer soll nicht sterben Video-Seite öffnen

          Salzsee in Nahost : Das Tote Meer soll nicht sterben

          Das Tote Meer, das an Israel und Jordanien grenzt, verliert durch wirtschaftliche Nutzung immer mehr Wasser. Israels Regierung erklärt, man wolle langfristig Profit- und Umweltinteressen versöhnen.

          Topmeldungen

          Russlands Außenminister Sergej Lawrow (links) schüttelt dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Dienstag in Ankara die Hand.

          Lawrow in Ankara : Russland tritt an Erdogans Seite

          Keine zwei Tage Finanzkrise in der Türkei hat es gedauert, bis der russische Außenminister in Ankara ankommt. Russland und Erdogan haben einen gemeinsamen Feind: Amerikas Präsidenten Donald Trump.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.