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Bayern-Kommentar : Ancelottis Aus ist das kleinere Übel

Da geht es raus: Karl-Heinz Rummenigge (rechts) weist Carlo Ancelotti den Weg. Bild: AFP

Carlo Ancelotti agierte in Personalführung und Taktik in Paris in einer Weise, als lasse er es auf eine Entlassung geradezu ankommen. Der störrische Alt-Trainer brachte zu viele Spieler gegen sich auf. Ein Kommentar.

          War es der Abend, an dem das Neue das Alte abhängte? Genauer gesagt: das neue Geld das alte Geld? Durch die gewaltigen Summen, die Paris St-Germain zuletzt aus dem Säckel der arabischen Eigentümer in Spieler wie Neymar und Mbappé stecken durfte, bekommt der 3:0-Sieg über Bayern München, den ältesten Hüter finanzieller Solidität in Europas Spitzenfußball, eine Bedeutung über das sportliche Ergebnis hinaus – nicht nur, weil er das Ende des Trainers Carlo Ancelotti in München bedeutete. PSG darf sich nun als der neue Herausforderer des Triumvirats fühlen, das die letzten fünf Titel der Champions League gewonnen hat. Dem FC Barcelona hat man Neymar geraubt, den „Königlichen“ von Real Madrid Mbappé weggeschnappt – und nun den Bayern, kein Gegner mehr auf dem Transfermarkt, aber immer noch auf dem Spielfeld, sportlich Grenzen aufgezeigt.

          Wie Neymar und Mbappé zigmal links und rechts an den Bayern vorbeijagten, wirkte wie ein Sinnbild für deren Abgehängt-Werden auf der Jagd nach der Weltklasse von morgen. Für die Aufgabe, die Ausnahmekönner zu finden, die ihnen in den kommenden Jahren die Champions League gewinnen können, so wie es 2013 Robben und Ribéry taten, schienen an dem Abend, als Robben und Ribéry erstmals in einem solch wichtigen Spiel trotz Fitness keine Rolle mehr spielten, alle Antworten auf der falschen, der anderen Seite zu spielen.

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          Die kurzfristige Antwort auf dieses mittelfristige Problem ist immer die Trainerfrage. Und tatsächlich agierte Ancelotti in Personalführung und Taktik in Paris in einer Weise, als lasse er es auf eine Entlassung geradezu ankommen. Eine große innere Unabhängigkeit hat dem Italiener schon bei anderen schwierigen Engagements wie bei Real oder Chelsea die nötige Gelassenheit im Umgang mit den Erwartungen der Klub-Bosse verliehen.

          Dass er, nach einer sehr konservativen und am Ende wegen mangelnder Innovation kritisierten Amtsführung im ersten Münchner Jahr, zuletzt ständig mit Aufstellungen und in Paris auch mit taktischen Experimenten überraschte, ohne Rücksicht auf die Empfindlichkeiten wichtiger Spieler – diese neue Mir-doch-egal-Mentalität hat vielleicht auch mit einem lukrativen Angebot zu tun, das ihm aus China vorliegen soll. Kein Wunder, dass schon am Tag nach dem Pariser Debakel die ersten Gerüchte über eine mögliche Trennung die Runde machten. Als sie sich nach wenigen Stunden bewahrheiteten, war das längst keine Überraschung mehr.

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          Zuvor hatte es als wahrscheinlichste Lösung gegolten, dass Ancelotti im Sommer gehen und dem sich für den Job warmlaufenden Julian Nagelsmann, dem in München herbeigesehnten Prototyp des jungen Innovators, den Stab übergeben sollte. Doch nun ist diese elegante Variante perdu, weil ein störrischer Alt-Trainer, der zu viele wichtige Spieler gegen sich aufbrachte, nicht ohne Folgeschäden zu halten gewesen wäre – und eine verfrühte Trennung, mit dem Problem, in der laufenden Saison eine erstklassige Nachfolgelösung zu finden, dann doch als das kleinere Übel erschien.

          Zumal dieses Problem geschrumpft ist, seit es unter Trainerstars in Mode ist, nach einem Engagement erst einmal eine lange Pause zu machen und so offen für gute neue Jobs zu sein – so wie es Guardiola, Klopp und auch Ancelotti taten. Und wie es Thomas Tuchel tut, in der aktuellen Warteschleife der Mann auf der Pole Position. Jedenfalls solange, bis am richtigen Ort das Startsignal aufleuchtet.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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          Quelle: F.A.Z.

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