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Kommentar Wildwest in Westfalen

12.03.2007 ·  Die Dortmunder Borussen handeln flexibel wie sonst nur die wendigen Kölner. Sie verabschiedeten sich über Nacht vom Wunschkandiaten von Heesen und flirten anderweitig herum. Ein Kommentar von Roland Zorn.

Von Roland Zorn
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So stur sind die Westfalen gar nicht, wenn es darum geht, in Treue fest zu einmal gefassten Entschlüssen zu stehen. Borussia Dortmund zum Beispiel hat sich nicht lange gesträubt, am Montag den Rücktritt von Jürgen Röber als Interimscheftrainer anzunehmen. Wäre der Essener Fußballlehrer nicht so freundlich gewesen, von sich aus zu gehen, der BVB hätte Röber per Kündigung alles Gute für seinen weiteren Karriereweg gewünscht

Westfalen können entgegen landläufigen Vorurteilen sogar ausgesprochen phantasievoll sein, wenn es gilt, schwierige Situationen zu verbergen oder aufzulösen. Also bemühte sich die Geschäftsführung der börsennotierten Borussia wochenlang nach allerbesten Kräften, den für die neue Spielzeit ausgeguckten Wunschtrainer Thomas von Heesen am besten gar nicht mehr ins spekulative Spiel zu bringen. Der inzwischen von Arminia Bielefeld geschiedene Coach, ein vorsichtiger Fußballfachmann, wollte es so und die BVB-Vormänner auch - schon um Röbers Sisyphusarbeit nicht weiter zu stören.

Flexibel wie sonst nur die wendigen Kölner

Nun aber war der Blick auf die Tabelle aus der schwarz-gelben Optik derart unansehnlich geworden, dass es Zeit wurde, nach Bert van Marwijk dem zweiten Trainer in dieser Saison Lebewohl zu sagen. Röber also ging, aber von Heesen kommt nicht mehr. Der Westfale nämlich, speziell der Ostwestfale, kann doch stur sein. Von Heesen ist ein Ostwestfale, der rhetorisch weltläufig anmutet, als Trainer seine Qualitäten hat, aber seine eigenen Ziele manchmal panzerhaft unbeirrt verfolgt. Sich selbst am besten kennend, wollte dieser Meister der Hinhaltetaktik partout nicht nach dem Motto „Wo brennt's?“ als Feuerwehrmann ganz schnell auf die Bühne Bundesliga zurückkehren.

Also handelten die Dortmunder flexibel wie sonst nur die wendigen Kölner. Sie verabschiedeten sich über Nacht von Trainer „Tommy“ und begannen ihren Flirt mit „Dolly“, dem in Hamburg mittlerweile abgetakelten Trainerliebling Thomas Doll. Er also ist Dortmunds neuer Darling, nachdem er den HSV noch vor kurzem an den Rand des Abgrunds geführt hat. Käme Doll nicht, wäre der BVB auch nicht abgeneigt, die Variante „harter Hund“ auszuprobieren. Wer wie zuletzt vor sieben Jahren dicht davor steht, die zweite Liga genauer kennenzulernen, der schreckte nicht einmal vor einem Trainer-„Quälix“ wie Felix Magath, vor kurzem erst bei den Bayern gefeuert, zurück. Aber der will nicht.

Kommando zurück

Unterdessen rauchen die Köpfe der findigen Westfalen nicht nur in Dortmund, sondern auch in Bielefeld. Dort haben sie inzwischen erkannt, dass die „Harry“-Lösung auf der Cheftrainerposition nicht wie von selbst Heilung verspricht. Als von Heesen „tschüs“ gesagt hatte, wurde sein netter Assistent Frank Geideck flugs befördert. Nur: Der Weg der Arminia, kleine Betriebspanne, führte deswegen noch lange nicht aufwärts. Sie ist inzwischen Tabellen-Vorletzte. Jetzt also geht es um das Kommando zurück - nicht leicht für jene Ostwestfalen, die so gerne stur an ihrer Meinung festhalten.

Vielleicht aber wäre Geideck bereit, wieder ins Glied zurückzutreten und auf dem ihm vertrauteren Terrain als Co-Trainer weiterzumachen. Dann müsste nur noch der Platz des Cheftrainers neu besetzt werden. Kein Problem. Der Ostwestfale bleibt seiner Arminia treu - und damit wäre der Weg zurück nach vorn frei für das Comeback von Thomas von Heesen.

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