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Kommentar Trau einem über 40?

Jens Lehmann ist für Deutschland gut genug, für Arsenal nicht mehr: Diese Erkenntnis gehört zu Beginn des EM-Jahres 2008 zur Fußballwirklichkeit. Doch sollte er nach Dortmund zurückkehren, wird das nicht alle freuen.

© AP Vergrößern Die Personalie Lehmann ist das heißeste Thema im Transfer-Spekulationstheater

Kommt er, oder kommt er nicht? Bei der Dortmunder Borussia warten sie auch nach Weihnachten noch auf die Bescherung. Jens Lehmann könnte, wenn die Anzeichen nicht trügen, schon bald wieder dort landen, von wo er im Jahr 2003 nach England aufgebrochen ist. Inzwischen aber ist die Blütezeit des 38 Jahre alten deutschen Nationaltorwarts beim FC Arsenal vorbei; Trainer Arsène Wenger vertraut dem acht Jahre jüngeren Manuel Almunia. Und der Spanier gibt zu Lehmanns Leidwesen bisher keinerlei Anlass zu der Annahme, dass der Torhüterwechsel beim Spitzenklub der Premier League sportlich nicht gerechtfertigt sei.

Für Deutschland gut genug, für Arsenal nicht mehr: Diese Erkenntnis gehört zu Beginn des EM-Jahres 2008 zur Fußballwirklichkeit, deren stilprägende Akzente international von den besten Vereinen – Arsenal, FC Barcelona, Manchester United, Real Madrid – und nicht von den Nationalmannschaften gesetzt werden.

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Eher Rivalen als Kollegen

Ob sich in Dortmund indes alle freuen, wenn Lehmann für ein halbes Jahr (oder länger) heimkehrt, ist die Frage. Der BVB steckt in einer schwierigen Lage. Roman Weidenfeller, bisher auch in krisenhaften Tagen die erklärte Nummer eins der Borussia, fällt nach einer Schulteroperation bis Ende März aus; Marc Ziegler, bisher die überaus verlässliche und loyale Nummer zwei im Dortmunder Tor, sackte bei Lehmanns Verpflichtung auf die Position drei in der vereinsinternen Hierarchie und dürfte sich dann tatsächlich wie ein Schlussmann vorkommen. Wenn Weidenfeller wieder gesund ist, könnte der Kampf um den ersten und einzigen Platz im Borussen-Tor brisant werden: Der frühere und der jetzige Platzhirsch begegneten sich zu gemeinsamen Zeiten eher als Rivalen denn als Kollegen.

Falls Lehmann in Dortmund die Spielpraxis bekäme, die er mit dem Ziel Europameisterschaft vor Augen braucht, wäre für Bundestrainer Joachim Löw viel gewonnen – vorausgesetzt, Lehmann bestätigt seinen in Deutschland noch immer sehr guten Ruf als exzellenter Keeper. Für die Borussia könnten sich perspektivisch andere Fragen stellen: Hielte Weidenfeller, den für ihn eingetrübten Verhältnissen gehorchend, still, bliebe auch Ziegler gewohnt ruhig, und was wäre zum Saisonende, falls Lehmann Appetit auf weitere Jahre im Fußballtor verspürte? Trau einem über 40?

Die Personalie Lehmann ist jedenfalls das derzeit am heißesten diskutierte Thema im Transfer-Spekulationstheater. Bis Ende Januar wird sich noch so mancher Wunsch nach Schnäppchen oder teuren Akquisitionen erfüllen lassen, dann fällt aufs Neue der Vorhang im Winterwechselspiel, und es kann endlich wieder, ob mit oder ohne Lehmann, real um Punkte und Tore in der Bundesliga gekämpft werden.

Quelle: F.A.Z.

 
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