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Kommentar Stuttgarter Modellserie

05.11.2006 ·  Im Herbst gehen zu viele Bundesligatrainer daran, die Profis zu nötigen, quasi Winterreifen für unwegsames Terrain aufzuziehen. Da geht einiges an Laufruhe verloren. Der HSV ist ein Musterbeispiel dafür. Ein Kommentar von Hans-Joachim Leyenberg.

Von Hans-Joachim Leyenberg
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Nein, die Tagesaktualität ist Uwe Seeler nicht auf den Magen geschlagen. Dafür hat er zuviel erlebt in seinen gefühlten hundert Jahren am Ball. Nun wollen wir mal nicht übertreiben und einräumen, daß er am Sonntag morgen tatsächlich erst seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. Er tat das mit vielen Gästen, die ihm in irgendeiner Weise zugetan sind und damit automatisch auch dem Hamburger SV.

Selbstverständlich hätte der Jubilar die Girlanden, die man dem ewigen HSVer flocht, gern mit drei Pünktchen aus Wolfsburg geschmückt gesehen. Und natürlich war das tiefe Tal, durch welches das Hamburger Team nach dem Hoch im Vorjahr geht, ein Thema. Aber Seeler hat empfohlen, daß sich die Gäste ordentlich stärken und trotz des Tabellenstandes einer optimistischen Sicht der Dinge befleißigen. Also frei nach Udo Lindenberg: Keine Panik auf der Titanic. Nun ist die Krise des HSV kein Naturereignis, sondern hausgemacht. Man hat Eckpfeiler einer Elf, die im Vorjahr noch für Furore sorgte, ziehen lassen, ohne adäquates neues Personal zu verpflichten. Die Renovierung braucht ihre Zeit.

Phänomen im Ländle

Der HSV also ist vorerst abgetaucht in die Niederungen der Tabelle, während sich ein anderer Traditionsverein, der VfB Stuttgart, anschickt, die Rolle zu übernehmen, die der HSV in der Spielzeit 2005/06 so glänzend besetzte. Der Verein für Bewegungsspiele als strahlende Überraschungself. War da nicht was? Ach ja, nur mal zur Erinnerung: Trainer Armin Veh wurde als heißester Kandidat für den ersten Trainerrauswurf dieser Saison gehandelt. Jetzt sieht man ihn als den heitersten Übungsleiter, den die Liga zu bieten hat. Und nichts spricht für ein vorübergehendes Phänomen im Ländle.

Die Leute dort sind tüchtig und verstehen sich darauf, auch international erfolgreiche Modelle zusammenzubasteln. Warum sollte das nicht abermals auch im Fußball möglich sein, wie einst unter Christoph Daum oder Felix Magath? Veh haben sie quasi auf Bewährung werkeln lassen, und schon gibt es Leute, die vorgeben, es immer schon gewußt zu haben.

Fußball ist mehr als Kampf

Stuttgart ist wie Werder Bremen der Gegenentwurf zur Forderung nach der Rückkehr zum einfachen Fußball mit Kampf und Aggressivität als den entscheidenden Zutaten. Sie werden - ohne den Krampf zu erwähnen - immer dann in die Waagschale geworfen, wenn es nicht so läuft wie gewünscht, Trainern das Wasser bis zum Halse steht. Klaus Augenthaler (Wolfsburg) hat die Wurzeln des Kicks erfolgreich beschworen, auch Marcel Koller (Bochum). Dieter Hecking (Hannover) tat es im aktuellen Fall so erfolglos wie Thomas Doll.

Aber Fußball ist mehr. In die Manege Bundesliga kommt das Publikum vor allem, weil dort eben auch individuelle Klasse zu bewundern ist. Im Herbst aber gehen zu viele Trainer daran, die Profis zu nötigen, quasi Winterreifen für unwegsames Terrain aufzuziehen. Da geht einiges an Laufruhe verloren. Der HSV ist ein Musterbeispiel dafür.

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Jahrgang 1943, Sportredakteur.

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