Schalke gegen Bayern, das war an diesem Novembersonntag nicht die schlechteste Fußballunterhaltung. Vier Tore, dazu der erhebende Moment, in dem die Schalker Fans ihr Schweigegelübde beendeten und in das erste Crescendo ihrer Anfeuerungsrufe das 2:0 von Kobiaschwili fiel. Doch die Kommentare zum Bundesligagipfel waren noch interessanter als das Geschehen auf dem Spielfeld. Uli Hoeneß legte sich mit einer Gesichtsfarbe, die ein Fotolabor in Rotlicht tauchen könnte, mit einem Fernsehreporter an. Der hatte sich erdreistet, das 2:2 als einen Bayern-Erfolg in Frage zu stellen.
Bayrische Vornewegverteidigung
Warum drängten die Münchner nicht vehementer auf den Siegtreffer gegen wacklige Schalker? Ein Frevel mit Fragezeichen. Hoeneß ging der „Schmarrn auf den Sack“. Der Bayern-Manager ist berühmt für seine Vornewegverteidigung: Je dringlicher ein Problem, desto rigoroser wird es verneint, desto härter werden Fragesteller angegangen. Sympathiewerte sind ihm da einerlei. Nein, nein, diese Bayern-Mannschaft ist gut. Basta.
Eine Taktik hinter den Taten und Äußerungen von Mirko Slomka zu entdecken fällt schwerer. Der Schalker Trainer nahm vor dem Spitzenspiel seine Nummer 1, Frank Rost, aus dem Tor und ersetzte ihn durch das Talent Manuel Neuer. Aus sportlichen Gründen, wie Slomka versicherte. Aber auf Schalke haben die Wände Ohren und Münder.
Viel Mißtrauen
So wurde schon am Sonntag kolportiert, daß es eine Auseinandersetzung zwischen Slomka und Rost auf der Mannschaftssitzung anläßlich des Bayern-Spiels gegeben habe, nicht die erste in der Zusammenarbeit. Die Zurücksetzung wäre mithin eine disziplinarische Maßnahme. Der Schalker Trainer widerspricht dieser Darstellung. Aber wie überzeugend ist eine solche Behauptung von einem Fußball-Lehrer, der nach dem Schlußpfiff versicherte, mit der Leistung des Rost-Ersatzmannes Neuner sehr zufrieden gewesen zu sein? Dabei erleichterte der Zwanzigjährige durch eine zu kurze Faustabwehr den Bayern ein Tor, dabei sprang er in zwei Szenen am Ball vorbei und wirkte auch sonst unsicher.
Slomka wird auf Schalke von Mißtrauen umweht, weil er keinen großen Namen hat. Schnell war das Bild vom zu netten Herrn Slomka kreiert. Das war ungerecht, aber so langsam nimmt die Schnellzeichnung Konturen an. Slomkas hat seine Glaubwürdigkeit selbst untergraben. Wollte er Rost ein Zeichen setzen mit der Degradierung, warum schützte er in der Öffentlichkeit eine andere Begründung vor?
Der Kreditrahmen ist ausgeschöpft
Zumal er nach den Erfahrungen aus dem Kabinenstreit zwischen Asamoah und Altintop wissen mußte, daß die Wahrheit doch nach außen dringen könnte. Und selbst wenn er wirklich aus sportlichen Erwägungen Rost auf die Ersatzbank schickte, dann muß er die Entscheidung besser mit Argumenten unterlegen. „Rost macht keine gravierenden Fehler, ihm ist nur ein wenig das Glück abhanden gekommen.“ Deswegen nimmt kein Bundesligatrainer den erfahrensten Torwart aus dem Spiel, ausgerechnet gegen die Bayern, ausgerechnet, wenn die aufgebrachten Zuschauer aus Frust 19:04 Minuten lang die Unterstützung versagen. Man kann im Fußball ungestraft vieles erzählen – aber nicht alles. Slomkas ohnehin enger Kreditrahmen auf Schalke ist ausgeschöpft.