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Kommentar Kurzatmigkeit als Überlebensprinzip

01.02.2007 ·  Zurück in die Zukunft: Ottmar Hitzfeld ist wieder bei den Bayern, Felix Magath kehrt wohl heim zum Hamburger SV - wo bleiben eigentlich Dragoslav Stepanovic und Jörg Berger? Ein Kommentar von Roland Zorn.

Von Roland Zorn
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Zurück in die Zukunft: Ottmar Hitzfeld ist wieder bei den Bayern, Felix Magath kehrt wahrscheinlich heim zum Hamburger SV. Doch soll das in diesen Jobhoppertagen unter gestandenen Fußballtrainern wirklich alles gewesen sein?

Wäre es nicht an der Zeit, dass sich Dragoslav Stepanovic oder Jörg Berger für ihre dritte Rettermission bei Eintracht Frankfurt warmliefen, und wo bleibt eigentlich Huub Stevens? Einer wie er, der schon einmal Meister der Herzen beim FC Schalke 04 war, stünde – nichts gegen Mirko Slomka – dem Traditionsklub gerade jetzt gut zu Gesicht, da die Meisterschale aufs Neue zum Greifen nah scheint.

Retrochic auf der Trainerbank

Wenn schon die Bundesliga mit Retrochic auf den Trainerbänken wirbt, warum sollte sich nicht auch der Deutsche Fußball-Bund Gedanken machen und das Comeback von Bundestrainer Berti Vogts vorbereiten? Hat schon in Nigeria unterschrieben? Das macht doch nichts in modernen Zeiten wie diesen. Soll sich doch der alte „Tribünenadler“ und Vielflieger seine Zeit zwischen Afrika und Deutschland entsprechend aufteilen. Doppelt trainiert hält bestimmt besser.

Während Ottmar Hitzfeld sein Traineramt beim FC Bayern antritt, soll sein Vorgänger Felix Magath als neuer HSV-Coach im Gespräch sein.

Spielt die Bundesliga in dieser Woche, da im fliegenden Wechsel binnen eines Tages drei Trainer gehen mussten, verrückt? Zumindest beherrscht in einer englischen Woche mit drei Spieltagen und in einer Phase, da Trends sich verfestigen und Entscheidungen heranreifen, ein außergewöhnlicher Aktionismus, viel Nervosität und wenig Phantasie die Szene.

Glücksfall Werder

Der Profifußball hat die Kurzatmigkeit als Überlebensprinzip entdeckt und legt sich auch so fest: Halbjahresverträge wie bei Jürgen Röber und Ottmar Hitzfeld haben Konjunktur, von Spiel zu Spiel darf der Gladbacher Jungcoach Jos Luhukay um eine Festanstellung als Cheftrainer kämpfen. Sind Männer wie Thomas Schaaf etwa schon Relikte aus der guten alten Zeit?

Seit 1999 führt der frühere Werder-Profi als legitimer Nachfolger des Langzeittrainers Otto Rehhagel die Bremer von Erfolg zu Erfolg. Werder wird wegen Schaaf und des ähnlich lange dem Verein verhafteten Sportdirektors Klaus Allofs überall beneidet. Unaufgeregtheit im Stil, konzeptionelles Denken bei der Arbeit, Kontinuität im Handeln und Menschlichkeit im Umgang miteinander: wo gibt’s denn so was?

Talentreservoir überschaubar bis ausgeschöpft

Nur bei der Nummer eins der Bundesliga, wo das Leistungsprinzip seit langem mit wirksamen Programmen und kluger Personalpolitik unterlegt ist. Ein einzigartiger Glücksfall? Sicher, solange an anderen Liga-Standorten immer wieder verzweifelt nach Trainern gefahndet wird in einer Landschaft, in der es augenscheinlich kaum Neues zu entdecken gibt.

In Köln läuft derzeit der jüngste Trainerlehrgang, an dessen Ende allen Kandidaten wie selbstverständlich die Bundesligalizenz zuteil wird. Wer dann wohin geht, ist immer wieder ein Fall für geduldige Spurensucher. Zurzeit jedenfalls scheint das erstligataugliche Talentreservoir überschaubar bis ausgeschöpft. Eine Notlage, die den Stepanovics oder Bergers dieser Fußballwelt frischen Mut machen sollte.

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