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Kommentar Die Liga bebt

01.02.2007 ·  Mit dem Wechsel von Magath zu Hitzfeld bewiesen die Bayern wieder einmal, dass sie notfalls auch blitzschnell handeln können, wenn der stete Spitzenanspruch bedroht ist. Die Mannschaft muss sich runderneuern - aber mit einem Trainer von gestern? Ein Kommentar von Roland Zorn.

Von Roland Zorn
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Nach dem Abend der nervenden Unentschieden folgte der Tag äußerster Entschiedenheit. Nicht bei den Profis von Borussia Mönchengladbach und des FC Bayern München, die mit wackligen Knien und zittrigem Selbstbewusstsein in die Rückrunde der Bundesliga gestartet sind. Autonome Zeichen und glasharte Beschlüsse wurden auf der Ebene der Bosse in den beiden einst gleichauf führenden deutschen Fußballklubs getroffen. Am Mittwoch ging zuerst von sich aus Jupp Heynckes als Trainer seines zuletzt chronisch erfolglosen Heimatklubs Borussia Mönchengladbach, ehe ein paar Stunden später dessen Kollege Felix Magath beim deutschen Meister Bayern München entlassen war.

So spektakulär wie bei diesen Trennungsgeschichten ging es im selten spannungsarmen Verhältnis zwischen den Klubs und ihren Fußball-Lehrern lange nicht zu. Wieder einmal bewiesen die Bayern, dass sie notfalls auch blitzschnell handeln können, wenn der stete Spitzenanspruch ihres Vereins bedroht ist. Magath, der 2004 kam und gleich zweimal nacheinander nationaler Doublegewinner mit den Münchnern wurde, stand zuletzt hilflos einer Mannschaft vor, in der sich buchstäblich nichts mehr bewegte. Die Bayern im Winter 2007 verkörpern nur noch die blasse Erinnerung an einen Rekord- und Serienmeister mit international hohen Ansprüchen.

Es war an der Zeit zu gehen

Die immer schon distanzierte Arbeitsbeziehung zwischen den Stars und dem seiner Sache auch persönlich selten sicheren Magath hatte sich nach zwei Jahren des wechselseitigen Respekts abgenutzt. Es war, darüber konnte auch ein angeblich optimales Trainingslager in der Winterpause nicht hinwegtäuschen, an der Zeit, zu gehen. Nun soll, ein deutliches Zeichen für das ausgedünnte Reservoir an Qualität und Talent auf dem deutschen Trainermarkt, Magaths Vorgänger Ottmar Hitzfeld beim weit abgeschlagenen Tabellenvierten zu retten versuchen, was in dieser jetzt schon verkorkst anmutenden Saison noch zu retten ist: Wenigstens die Qualifikation für die Champions League.

Die Bayern-Mannschaft, daran herrschte schon länger kein Zweifel, muss sich für die Zukunft personell runderneuern – mit dem an das nervenaufreibende Dasein als Fußball-Lehrherr seit 2004 gar nicht mehr gewöhnten Trainer von gestern samt seinem alten Assistenten? Eine auf den ersten Blick bizarre Ausgangslage, die die Notsituation beim Titelverteidiger und noch immer chancenreichen Champions-League-Achtelfinalisten exemplarisch spiegelt.

Trainer verzweifelt gesucht

Heynckes’ freiwilliger Abschied von seiner Borussia und damit auch von seinem Trainerjob war eher abzusehen als die abrupte Trennung der Bayern von Magath. Hier kam ein traditionsbewusster Gentleman, dessen Denken und Handeln sich an den Werten seiner aktiven Zeit orientierte, nicht mehr mit den Verhältnissen von heute zurecht. Frustriert gab der zuletzt oft übellaunige Heynckes, noch dazu in der Verantwortung für eine lange sportliche Negativserie, bei den abstiegsbedrohten Gladbachern auf.

Sein vorläufiger Nachfolger ist sein Assistent, der vielversprechende Holländer Jos Luhukay. Dass die Bayern ihren alten Cheftrainer noch einmal becircen mussten und auch die Gladbacher mangels Auswahl kaum eine andere Wahl als Luhukay haben, zeigt, wo es klemmt in der Bundesliga: Trainer verzweifelt gesucht. Magath wird schon deshalb eine neue Chance woanders bekommen, Heynckes verzichtet gern auf eine weitere Gelegenheit, persönliche Ligaerfahrungen zu sammeln. Noch einer weniger: Sein Name ist nicht einmal mehr auf einer Ersatzkandidatenliste zu finden.

Quelle: F.A.Z. vom 1. Februar 2007
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