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Köln gegen Mainz Absage nach Suizidversuch des Schiedsrichters

19.11.2011 ·  Das Bundesligaspiel zwischen Köln und Mainz ist abgesagt worden. Offenkundig hat der für die Partie eingeteilte Schiedsrichter Babak Rafati einen Suizidversuch unternommen. Der Vorfall geschah im Mainzer Mannschaftshotel. Rafati soll außer Lebensgefahr sein.

Von Uwe Martin und Alex Westhoff, Köln
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© dpa

Ratlosigkeit sprach auch aus dem Gesicht von Christian Heidel, als er das Kölner Stadion verließ. Er habe sich schon gedacht, sagte der Manager von Mainz 05, dass etwas nicht stimme, als er die Polizei- und Krankenwagen vor dem Hotel habe stehen sehen, in dem seine Mannschaft übernachtet hatte. Der Bundesligatross des FSV Mainz 05 und das Schiedsrichtergespann um Babak Rafati waren vor dem am Samstag angesetzten Spiel beim 1. FC Köln im selben Hotel im Stadtteil Deutz untergebracht.

Wie am Nachmittag, nachdem die Partie vierzig Minuten vor Anpfiff „aus wichtigen Gründen“ abgesagt worden war, bekannt wurde, hat Rafati am Vormittag in seinem Hotelzimmer einen Selbsttötungsversuch unternommen. Gegen 13.30 Uhr waren vor dem Hotel am Rhein ein Kranken- und ein Polizeiwagen vorgefahren. „Bei unserer Abfahrt haben wir gesehen, dass einer aus dem Schiedsrichtergespann fehlte“, sagte Heidel.

Wie das Lagezentrum der Polizeidirektion Hannover - der Schiedsrichter lebt in Hannover - unter Berufung auf Kölner Kollegen bestätigte, hat sich Rafati die Pulsadern aufgeschnitten. Er sei außer Lebensgefahr, hieß es von der Polizei-Landesleitstelle Nordrhein-Westfalen einige Stunden später.

Vereine einig

Über Hintergründe des Suizidversuchs wurde zunächst nichts bekannt. Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), sagte seinen Besuch des Frauen-Länderspiels in Wiesbaden ab und reiste umgehend nach Köln. Am frühen Abend gab Zwanziger eine Pressekonferenz zu den Vorfällen. „Das Wichtigste ist, dass Barak Rafatis Zustand stabil ist.“ Die drei Assistenten, die Rafati in dessen Badewanne aufgefunden hätten, würden seelsorgerisch betreut. Die Lebensgefährtin sei informiert worden und unterwegs nach Köln. Zu Motiven Rafatis könne man nichts sagen.

Der Kölner Geschäftsführer Claus Horstmann sagte, die Entscheidung zur Spielabsage sei von der Deutschen Fußball Liga (DFL) und vom DFB gefällt worden. „Die spielleitende Schiedsrichterstelle hatte versucht, noch ein Gespann zu organisieren, doch es war fraglich, ob das noch möglich war.“ Verantwortliche der beiden Bundesliga-Klubs, DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus und der Schiedsrichter-Berater Hellmut Krug waren in einem laut Heidel „dreiminütigen Gespräch“ übereingekommen, dass die Partie nicht an diesem Sonntag oder am Dienstag nachgeholt werden sollte. Dies wäre auch logistisch nicht machbar gewesen, so Heidel.

Fans erfuhren im Stadion keine Hintergründe

Die Mannschaftsbusse beider Mannschaften steckten schließlich im dichten Verkehr der abreisenden und anreisenden Fußballfans fest. Noch wenige Minuten vor Anpfiff strömten viele Menschen, die die Nachricht von der Absage noch nicht erreicht hatte, in Richtung Arena. Die Handynetze waren völlig überlastet. Die Mannschaften erhielten die Mitteilung, „dass es einen Unfall des Schiedsrichters gab“ (der Kölner Sportdirektor Volker Finke), um kurz nach 14 Uhr. „Es ist angemessen und richtig, dass wir nicht in Details herumstochern“, sagte Finke.

Die Cheftrainer Stale Solbakken (Köln) und Thomas Tuchel (Mainz) informierten kurz vor Beginn des vorgesehenen Aufwärmprogramms ihre Profis. Kein Spieler betrat an diesem Nachmittag den Rasen. Einige tausend Zuschauer, die sich schon in der Arena befanden, wurden vom Stadionsprecher unterrichtet, dass der Schiedsrichter die heutige Partie nicht leiten könne und das Spiel deshalb ausfallen müsse. Viele Besucher pfiffen.

Auf den Bildschirmen in und an der Arena erschien folgender Text: „Liebe Fans, aus wichtigen Gründen muss die heutige Partie leider abgesagt werden. Wir bitten um Verständnis.“ Die meisten Besucher - die Kölner rechneten nach Angaben eines Vereinssprechers mit 46.000 bis 48.000 Zuschauern - reagierten zunächst mit Unverständnis. Von Aggressionen bei der Abreise der Menge wurde nichts bekannt. Die Fernsehteams drehten Bilder der abmarschierenden Massen, Spekulationen über die Hintergründe des Suizidversuchs blühten. Schon vor der Anpfiffszeit 15.30 Uhr war das Stadion wieder menschenleer, nur in den Logen war noch Betrieb.

Schiedsrichter Rafati gehört nach Angaben des DFB seit 1997 zum DFB-Schiedsrichterkader und hat seit 2005 bereits 84 Bundesligaspiele sowie über hundert Zweitligaspiele geleitet. Seit 2008 stand der bei Spielern und Trainern oft umstrittene Rafati auch auf der Liste des Fußball-Weltverbandes, davon wird er aber für 2012 gestrichen. Der Schiedsrichter iranischer Abstammung debütierte am 6. August 2005, bei einer Partie Köln gegen Mainz (1:0).

Der Trainer von Hannover 96, Mirko Slomka, zeigte sich vor dem Spiel seiner Mannschaft in Wolfsburg geschockt von den Nachrichten aus Köln. Der Fußballlehrer sagte: „Ich kenne ihn sehr gut, er ist Hannoveraner. Die Nachricht hat mich sehr geschockt.“ Er sei geschockt, sagte auch der frühere Bundesliga-Referee und Schiedsrichterbeobachter Uwe Kemmling aus Burgwedel bei Hannover. „Ich muss mich erst mal sammeln, er war ja jahrelang in meinem Team.“

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