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Auktion der TV-Rechte : Der spannende Poker um die Bundesliga

Ein teures Gut: Wer die Bundesliga übertragen will, muss tief in die Tasche greifen. Bild: Picture-Alliance

Die Fußball-Bundesliga will den lukrativsten Vertrag ihrer Geschichte abschließen. Bei der Auktion der TV-Rechte verliert Sky die Exklusivität. Für den Fan wird sich einiges ändern.

          Die Stunde der Wahrheit naht für die deutschen Fußballklubs. Nun wird sich zeigen, welche Wertsteigerungen das Unterhaltungsprodukt Bundesliga erzielt. Seit Anfang der vergangenen Woche läuft die Auktion um die Medienrechte für die vier Spielzeiten von 2017/2018 bis 2020/2021. Es soll der lukrativste Vertrag der Bundesligageschichte werden. Schon jetzt steht fest, dass sich für den Konsumenten einiges ändert. Das Angebot mit Bundesliga-Fußball wird bunter: Der Bezahlsender Sky büßt durch eine Kartellamtsvorgabe seine Dominanz in den Liveübertragungen ein, und möglicherweise verliert die ARD ihre „Sportschau“. RTL drängt mächtig in den Fußballmarkt.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          An diesem Donnerstag, wenn die 36 Profiklubs zur Vollversammlung in Frankfurt zusammenkommen, soll das Ergebnis der derzeit hinter verschlossenen Türen laufenden Versteigerung feststehen. Aussagen des Geschäftsführers der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, sind so zu interpretieren, dass zukünftig für jede Saison zwischen 900 Millionen bis 1,3 Milliarden Euro eingenommen werden sollten. Aktuell erlöst die Bundesliga DFL national durchschnittlich für jede Spielzeit 628 Millionen Euro.

          Der Bezahlsender Sky setzt alles daran, auch zukünftig alle Spiele und alle Tore live und in voller Länge zu senden - auf Kabel, über Satellit oder im Internet, auf dem Fernseher daheim oder auf dem Smartphone unterwegs. Für dieses Fußball-immer-und-überall-Paket zahlt Sky an die Klubs der ersten und zweiten Liga schon heute durchschnittlich 486 Millionen Euro in der Saison. Dieses Mal wird es wohl noch sehr viel teurer - und weniger exklusiv. Denn die DFL, auch das sieht der Seifert-Plan vor, will das Samstagabend-Spiel mit mehr Topbegegnungen attraktiver machen.

          Dieses Livepaket kann nun ebenfalls von einem frei empfangbaren Sender ersteigert werden. Hier kommt neben der ARD vor allem auch RTL ins Spiel. Die Bertelsmann-Gesellschaft sorgte vor fast drei Jahrzehnten für einen Aufschrei unter den Fußballfans, als die samstägliche Sportschau durch den RTL-Nachfolger „Anpfiff“ ersetzt wurde, als es auf einmal Werbeunterbrechungen gab und Ulli Potofski die Bundesliga-Zusammenfassungen im locker-launigen Plauderton moderierte.

          Früher war mehr Matter: Ulli Potofski moderiert die RTL-Fußballsendung „Anpfiff“ im Jahr 1990.

          Auch wenn es nicht gleich zur Renaissance von „Anpfiff“ kommen muss, ist das Interesse der Kölner ungebrochen. RTL-Chefin Anke Schäferkordt sagte schon vor Wochen, dass attraktive Sportrechte für sie in Frage kommen, wenngleich „nicht um jeden Preis“. Schließlich muss RTL die hohen Lizenzkosten über Werbezeiten im Programm refinanzieren. Erst vor ein paar Tagen sicherte sich Schäferkordt die Übertragungsrechte für die Qualifikationsspiele der Fußball-Nationalmannschaft bis zum Jahr 2022. Die ARD ging wieder leer aus, nachdem sie schon überraschend die zukünftigen Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele an Discovery (Eurosport) verlor.

          Gut möglich also, dass die Öffentlich-rechtlichen jetzt in ein Bietergefecht mit RTL einsteigen müssen, wenn sie Fußball live oder als Zusammenfassung in der ARD Sportschau und dem ZDF Sportstudio zeigen wollen. Beim Paket mit den Topspielen der Bundesliga gibt es einen Knackpunkt: Würde es von einem frei empfangbaren Sender wie zum Beispiel RTL ersteigert werden, müsste von der Liga eine neue Lösung her für das Angebot mit den Zusammenfassungen des Spieltages. Denn Topspiel und Sportschau finden zur selben Zeit statt. Dies würde jedoch die jeweiligen Rechtehalter in der Refinanzierung stark beeinträchtigen. Die Intendanten von ARD und ZDF haben die Avancen von RTL sehr genau registriert. Sie wissen, dass Fußball gut für die Quote ist. Dass gerade dem ZDF, von so manchem Kritiker als Senioren-Sender verhöhnt, die jungen Zuschauer zuletzt nicht in Scharen davongelaufen sind, verdanken die Mainzer Programmplaner allein dem Fußball.

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