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Sonntag, 12. Februar 2012
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Karl-Heinz Rummenigge Schiller statt Pfeiffer-Klärle - das wär's gewesen!

10.01.2010 ·  Karl-Heinz Rummenigge stimmte zum Präsidenten-Ruhestand Franz Beckenbauers eine Ode an. Die war aber womöglich gar nicht schlecht erfunden, sondern gleich schlecht geklaut. In jedem Fall hätte es Rummenigge einfacher haben können.

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Er hat es gut gemeint, der Karl-Heinz Rummenigge, als er Franz Beckenbauer in den Präsidenten-Ruhestand verabschieden wollte. Dass die Ode, die der Vorstandsvorsitzende bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München anstimmte, aber schlecht gemacht war, daran besteht kein Zweifel.

Aber hat Rummenigge die Verse („Ich danke Dir, danke Dir ganz toll. Weiß gar nicht, was ich alles sagen soll“) gar geklaut? Jedenfalls muss er sich nun mit der hessischen Auftragsdichterin Anette Pfeiffer-Klärle herumschlagen, die behauptet, der Fußballpoet habe die Zeilen von ihrer Internetseite abgekupfert. Sie hat deshalb eine Klage wegen Urheberrechtsverletzung eingereicht und Schadenersatz gefordert.

Ob schlecht geklaut oder schlecht erfunden, muss nun das Gericht entscheiden. In jedem Fall hätte es Rummenigge einfacher haben können, wenn er seine alten Schulbücher durchforstet hätte und die Verse großer deutscher Dichter für bayerische Belange umgemodelt hätte. Mit Goethes „Prometheus“ hätte er beginnen können:

„Bedecke Deinen Himmel, Franz, mit Wolkendunst“

Ach nee, so eine Götteranklage wäre als Loblied unpassend gewesen, zudem wäre ein grauer Himmel der Lichtgestalt Beckenbauer nicht gerecht geworden. Wohlauf zum nächsten Versuch à la Goethe, dem „Heideröslein“:Sah der Franz die Bayern steh'n,

Die Bayern auf der Wies'n,
war'n so jung und morgenschön,

Sah's mit vielen Freuden.

Klingt besser, reimt sich aber nicht gut. Und wie hätte es weitergehen sollen? Dass der Franz die Bayern gebrochen haben soll wie der Knabe das Röslein, ist nicht nur rufschädigend, sondern falsch. Goethe sei Dank gibt's noch andere Schulbuchklassiker, zum Beispiel den „Erlkönig“, den Rummenigge zu Ehren Beckenbauers locker in „Erlkaiser“ hätte umtiteln können:

„Wer arbeitet so spät bei Nacht und Wind?
Es ist der Franz mit seinem Kind.
Er hat den Klub wohl in dem Arm,
er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.“

Das ist erste Sahne! Auf die Metapher, den Münchner Klub als Beckenbauers Kind zu bezeichnen, hätte Rummenigge stolz sein können. Doch hätte wohl selbst der Amateurpoet gemerkt, dass es den Versen an jenem Pathos mangelte, das dem Anlass gemäß war. Also weg von Goethe, hin zu Schiller!

Seid umschlungen, Millionen!
Diesem Kuss der ganzen Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
Muß ein lieber Kaiser wohnen.
Wem der große Wurf gelungen,
Eines Präsidenten Freund zu sein;
Wer 'nen tollen Franz errungen,
Mische seinen Jubel ein!

Das wär's gewesen! Und Scherereien hätte der Schiller, anders als Frau Pfeiffer-Klärle, auch keine machen können, weil er längst tot ist.

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