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Karl-Heinz Rummenigge im Gespräch „Der Wettbewerb wird immer erbarmungsloser“

07.05.2010 ·  Die Meisterschaft ist praktisch sicher. Nun wollen die Münchner auch den DFB-Pokal und die Champions League gewinnen. Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge spricht zuvor über die Aufrüstung in England, die Ungeduld in Spanien und das Ribéry-Gerücht

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Der erste Titel ist praktisch sicher; mit dem 3:1-Sieg gegen Bochum machte der FC Bayern die 22. deutsche Meisterschaft quasi perfekt. Doch noch warten zwei Endspiele auf die Münchner, am 15. Mai in Berlin gegen Bremen im DFB-Pokal und eine Woche später in Madrid gegen Inter Mailand in der Champions League. Nicht nur deswegen ist der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge sehr zufrieden.

Der FC Bayern könnte in dieser Saison drei Titel gewinnen. Der sportliche Erfolg hat jetzt schon überaus positive Auswirkungen auf die Finanzen. Freuen Sie sich als Vorstandsvorsitzender auf Ihren Bonus?

Wir fangen hier nicht an durchzudrehen. Wir haben jetzt erst mal die deutsche Meisterschaft sicher und werden dann hoffentlich die anderen Titel draufsetzen. Beim FC Bayern bekommt jeder Angestellte bis auf den Vorstand und die Mannschaft, mit der andere Vereinbarungen gelten, im Fall der deutschen Meisterschaft oder des Champions-League-Titels ein extra Monatsgehalt als Bonus. Das kommt bei unseren Mitarbeitern sehr gut an. Wir wollen damit das Mir-san-mir-Gefühl stärken.

Sie haben zuletzt einen Umsatz von rund 290 Millionen Euro gemacht und liegen damit auf Rang vier der europäischen Umsatzrangliste im Klubfußball. Gewönne der FC Bayern die Champions League, stünden unter dem Strich 60 Millionen Euro an Einnahmen aus diesem Wettbewerb plus die Einkünfte aus Bundesliga und DFB-Pokal. Wie wird Sie diese Saison voranbringen?

Ich kann jetzt schon sagen, dass der FC Bayern den größten Umsatz in seiner Vereinsgeschichte machen wird. Auch beim Gewinn werden wir ordentlich zulegen und damit zum 16. Mal in Folge ein Geschäftsjahr profitabel abschließen. Zudem wird unsere Stadiongesellschaft das erste Mal die schwarze Null schreiben.

In der Umsatzrangliste stehen Real Madrid (400 Millionen), der FC Barcelona (365) und Manchester United (327) vor Ihnen. Setzen Sie zum Überholmanöver an?

Wir könnten im Ranking aufsteigen, wenn wir verrückte Transfers im Einkauf und Verkauf tätigten, wie das zum Beispiel Real Madrid macht. Aber das ist nicht unser Ziel. Wir wollen diese Klubs nicht vom Umsatzthron stoßen. Unsere Steigerung soll auf realistische Weise durch Eintrittskarten, Sponsoring, Merchandising oder Erfolgsprämien in der Champions League zustande kommen. Unser Hauptziel bleibt, profitabel zu arbeiten. Das unterscheidet uns von den meisten Topklubs in Europa, die fast alle gnadenlos Geld verlieren. Es gibt nur noch einen anderen Spitzenklub in Europa, der profitabel arbeitet, aber zuletzt sportlich nicht so erfolgreich war - Arsenal London.

Könnte der FC Bayern seine finanzielle Power jetzt nicht noch mehr ausnutzen gegenüber der Konkurrenz, zumal sich das allgemeine wirtschaftliche Umfeld in Italien, Spanien oder England verschlechtert hat?

Aus meiner Sicht sind die Zeiten endgültig vorbei, in denen man wie früher Real Madrid, Ajax Amsterdam oder Bayern in den Siebzigern eine Ära aufbaut. Man muss heute als Spitzenklub jedes Jahr voll konzentriert spielen, um seine Ziele speziell international zu erreichen. Der Wettbewerb zwischen den besten Klubs wird immer erbarmungsloser. Wir dürfen jetzt nicht so arrogant sein und glauben, wir könnten große Dominanz aufbauen.

In den beiden internationalen Endspielen sind in dieser Saison alle vier großen europäischen Fußballmärkte mit Teams vertreten. Das gab es lange nicht mehr.

Das ist eine Momentaufnahme. Ich glaube, gerade die Engländer werden wieder extrem aufrüsten. Wir rechnen jetzt schon damit, dass Manchester City, wenn der Klub die Qualifikation für die Champions League erreichen sollte, unglaubliche Summen investieren wird auf dem Transfermarkt. Auch in Spanien wird es kein Einhalten geben. Ich kenne ja Real und Barcelona - dort gibt es keine Geduld.

Wie werden Sie aufrüsten?

Ich sehe bei unserer Mannschaft keinen großen Veränderungsbedarf. Wir werden unsere besten Spieler halten. Dazu haben wir in dieser Saison mit unseren jungen Spielern eine zweite Säule dazugewonnen. Gegen Lyon standen sechs Spieler auf dem Platz, die aus unserer Jugend stammen. Das ist ein gesunder Mix. Unser Trainer ist von den jungen Spielern überzeugt. Wir auch. Und die Fans sind glücklich, dass Spieler von Lahm oder Schweinsteiger bis zu Badstuber feste Größen sind. Ein Contento ist im Alter von fünf Jahren in unseren Verein eingetreten - toll. Wir brauchen die stabile Säule mit einem Robben, Ribéry oder van Bommel. Dazu kommen die Jungen, die in einer solchen Umgebung wachsen können.

Der konsequente Einsatz der jungen Bayern-Spieler kam erst mit Trainer van Gaal.

Ich kann mich an keinen Trainer bei uns erinnern, der das überhaupt in dieser Form gewagt hätte. Da hat van Gaal großen Mut bewiesen.

Werden Sie mit den neuen finanziellen Mitteln noch mal kräftig einsteigen im Bieten um Ribéry?

Es wird keine Sache der Finanzen sein, ob Franck bleibt. Er erkennt ganz speziell in diesen für ihn persönlich schweren Tagen, dass der FC Bayern nicht nur ein sportlich erfolgreicher Klub ist, sondern, und das ist entscheidend, welche Unterstützung er von uns erhält. Ein Arjen Robben ist zum FC Bayern gekommen, weil er ein stabiles Umfeld will. Sein Vater als sein engster Berater sagt, es sei die beste Entscheidung seines Lebens gewesen. Wir sind ein fairer und vertrauenswürdiger Partner.

Es gibt Leute, die sagen, Ribéry sei schon längst mit Real Madrid einig, und der FC Bayern habe eine erste Anzahlung in Form des Robben-Transfers aus Madrid erhalten. Stimmt das?

Das können Sie alles vergessen. Wir haben mit Real Madrid eine ganz normale Vereinbarung beim Kauf von Arjen Robben getroffen, in der Franck Ribéry überhaupt keine Rolle spielt.

Rafael van der Vaart bezeichnete die Bayern gerade als herausragenden Verein, man dürfe ihn aus München gerne anrufen. Kommt da der nächste Spieler aus Madrid?

Das ist ein schönes Lob für uns. Aber auf der Position von Rafael van der Vaart spielt demnächst Toni Kroos. Wichtig ist, mit dem Trainer eine gemeinsame Philosophie zu entwickeln - und die haben wir jetzt. Wir müssen unser Geld klug einsetzen und dürfen nicht Effekthascherei betreiben.

Für Mario Gomez haben Sie die ungeheuerliche Summe von mindestens 30 Millionen gezahlt. Während er auf der Bank sitzt, schießt ein Lucas Barrios bei Dortmund Tore. Er hat nur vier Millionen gekostet. Ärgert Sie das?

Die Frage ist, ob Barrios bei Bayern genauso gut spielen würde. Das Trikot des FC Bayern wiegt schwerer auf der Schulter eines Spielers als das jedes anderen Bundesligaklubs. Wir sind alle überzeugt, dass Mario über außergewöhnliche Talente verfügt. Er hat zehn Tore geschossen. Es ist für uns eine Herausforderung, den Spieler so zu unterstützen, dass er in die Erfolgsspur zurückfindet. Ich bin sicher, dass ihm das gelingen wird.

Mit Matthäus oder Effenberg hat der FC Bayern einst große Spieler zurückgeholt, die in München zu Weltklassespielern reiften. Ist das mit Nationalmannschaftskapitän Ballack vorstellbar, der bisher bei Chelsea noch keinen neuen Vertrag unterzeichnet hat?

Wir werden in dieser Richtung nicht aktiv werden. Wir sind auf dieser Position mit van Bommel, Schweinsteiger, Timoschtschuk und Alaba sehr stabil besetzt.

Das Gespräch führte Michael Ashelm.

Quelle: F.A.S.
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