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Jupp Heynckes Schiffskapitän im Schwebezustand

 ·  Nie habe der FC Bayern attraktiver gespielt, sagt Trainer Jupp Heynckes im Trainingslager in Qatar. Und mehr denn je stellt sich die Frage, ob er seinen auslaufenden Vertrag verlängern wird.

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© dpa Vergrößern „Masterplan ist mir zu dramatisch. Das haben die jungen Trainer heute“: Jupp Heynckes

Es setzte Applaus, nachdem Jupp Heynckes am ersten Arbeitstag des FC Bayern im Jahr 2013 das Trainingslager in Doha mit einer kleinen Rede eröffnet hatte. Die Profis des FC Bayern hatten sich in einem Kreis um ihren unmittelbaren Vorgesetzten versammelt, um ihre Nasen wehte die sommerlich anmutende Luft des Wüstenemirats, und nur ein paar wenige Zaungäste waren Zeugen dieses idyllischen Moments - womöglich war das Klima niemals verschworener auf einem Trainingsplatz des FC Bayern als in diesem Moment. Und es war Heynckes’ Moment.

Sie sind zusammengewachsen, die Spieler des Rekordmeisters und der Trainerroutinier. Natürlich war der Erfolg der Hinrunde bei diesem Prozess ein nützlicher Beschleuniger. Dennoch ist bemerkenswert, wie nachhaltig sich die Spieler für den Verbleib ihres Coaches einsetzen, wenn sie nach dessen Zukunft gefragt werden. Die ist nämlich offen. Im Sommer endet das Arbeitsverhältnis, das eigentlich von Anfang an exakt bis zu jenem 30. Juni 2013 ausgerichtet war.

Als Heynckes unterschrieb, suchten die Bayern nach dem gescheiterten Experiment Jürgen Klinsmann und dem partout nicht lenkbaren Louis van Gaal einen Mann ihres Vertrauens, der den schlingernden Kahn mit ruhiger Hand wieder in ebenso ruhige Gewässer führen sollte. Beinahe hätte er den Klub, seine große Liebe, dabei schon letztes Jahr auf höchsten Wellen gesteuert. Nun sieht es so aus, als würde man mit einer Saison Verspätung das Versäumte nachholen. Das Schiff liegt auf Kurs - mehr denn je drängt sich deshalb die Frage auf, ob der Kapitän gehen soll.

Heynckes lächelt, wenn die Spekulationen um seine Zukunft zur Sprache kommen. Von seinen 67 Lebensjahren hat er über zwei Drittel im Profifußball zugebracht, er kennt die Branche und ihre Mechanismen. Besonders in München, wo sich ein chronisch aufgeregtes Umfeld nur schwer in Geduld üben kann und nach Antworten verlangt, wenn Fragen eigentlich Zeit hätten. „Habt noch etwas Geduld“, rief er den Reportern auch in Doha zu, offiziell hat er mit den Bossen ein Zeitfenster bis März vereinbart. Hinter den Kulissen geht man allerdings von einer früheren Entscheidung aus. Doch noch halten sich alle bedeckt.

Heynckes selbst hat in Qatar ein beachtliches Plädoyer in eigener Sache gehalten - zu welchem Zweck, ist bis auf weiteres offen. „Der FC Bayern hatte immer große Mannschaften und Erfolge“, sagte er, „aber wenn Sie diese Hinrunde anschauen, muss ich sagen: Noch nie in seiner Historie hat der FC Bayern so zeitgemäß, modern und attraktiv gespielt.“ Er sei nun seit eineinhalb Jahren in München, ein Trainer brauche Zeit, um seine Visionen zu verwirklichen: „Aber das ist jetzt der Stil, den ich spielen lassen will. Ich ernte die Früchte meiner Arbeit.“

Heynckes ist schon seit Anfang des Sommers bestrebt, sein Schaffen beizeiten in ein entsprechendes Licht zu rücken. Das ist sein gutes Recht, denn nach der Verpflichtung von Matthias Sammer für die Führungscrew richtete sich der Fokus stark auf den neuen Sportvorstand, obwohl Heynckes noch immer derjenige ist, der sportlich die Fäden zusammenhält. Sein Plädoyer in Doha wirkte wie das eines Mannes, der sagt: Ich könnte weitermachen, ich habe bewiesen, dass ich den Anforderungen gewachsen bin.

Ein Konjunktiv ist da aber ebenso erlaubt wie die Skepsis, dass er tatsächlich bleibt. Er verwies nämlich auch darauf, dass der „ungeheuer intensive Job an die Substanz geht“. Warum sollte dieser Mann weitermachen, wenn er im Sommer seinen ursprünglichen Auftrag, den FC Bayern auf einem hohen Niveau zu stabilisieren, sogar übererfüllt hat - und bei einer Vertragsverlängerung irgendwann zweifellos stürzen muss?

Kaffeesatzleser haben in diesen Tagen Hochkonjunktur rund um den FC Bayern. Auf die Frage, ob er glaube, seine Mannschaft belaste die Frage, ob sie vom Sommer an einen neuen Chef habe, sagte Heynckes: „Die Gefahr sehe ich nicht. Meine Arbeitsweise ändert sich ja nicht. Und die Spieler sind heutzutage so professionell, dass sie ein Schwebezustand nicht belastet.“ Egal, ob er nun bleibt oder geht - behält sein Team den eingeschlagenen Kurs, wird ihm im Sommer abermals applaudiert werden.

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