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Jupp Heynckes Ferien auf dem Bauernhof

Real oder Rente - mehr Alternativen räumten viele Medien Jupp Heynckes nicht ein. Der 68 Jahre alte Fußball-Lehrer wählt eine andere Variante. Und hält sich das endgültige Ende seiner Karriere erst einmal offen.

© dpa Vergrößern Jupp Heynckes auf seiner Abschiedspressekonferenz in München

Jupp Heynckes hat es während der gesamten Saison verstanden, die Lage richtig einzuschätzen. Wie er die Mannschaft hinter sich scharte, ihre Konzentration hoch hielt und ihre gute Stimmung bewahrte, kann als psychologisches Meisterwerk angesehen werden. Zwanzig Premiumspieler, von denen nur elf erste Wahl sein können, über eine ganze Spielzeit hin auf ein Ziel einzuschwören, das soll ihm erst mal jemand nachmachen.

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Die Gelassenheit des Alters befähigte den 68 Jahre alten Fußball-Lehrer zu dieser Leistung, die Kunst, sich mit einer gewissen Distanz den Profis und der Aufgabe zu nähern, sich weder von Einflüsterungen noch anderen Einflüssen ablenken zu lassen. Diese Fähigkeiten haben Heynckes nicht verlassen, als es nach dem Abpfiff der Saison für ihn darum ging, eine Entscheidung über seine Zukunft zu treffen.

Real oder Rente

Real oder Rente! Mehr Alternativen räumten ihm viele Medien nicht ein. Heynckes wählte eine andere Variante, und wer nur ein paar Sekunden darüber nachdenkt, der spürt, wie richtig sie ist. Dass er erst mal Pause macht, ist seiner Erschöpfung nach den anstrengenden Monaten geschuldet, dass er sich offenlässt, wie lange sie währt, seinem Charakter.

Heynckes ist so altmodisch, dass es ihm unangenehm bis peinlich wäre, sein Wort zu brechen. So würde er es empfinden, wenn er wie viele andere vor ihm vom Rücktritt zurückträte. Wie er es selbst sagte:  Der Rheinländer hat es gar nicht nötig, sich darauf festzulegen, ob er für immer auf seinem Bauernhof bleibt (was auch gut möglich ist) oder ob er ins Fußballgeschäft zurückkehrt - und wann.

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Die nächsten Angebote werden ihm sicher bald ins Haus flattern. Das Triple hat eine Strahlkraft, die bestimmt noch ein, zwei Jahre wirken wird.  Und je nachdem, wie sehr die Offerte seinem Geschmack entspricht und wie er sich zu diesem Zeitpunkt fühlt, wird er sie ablehnen oder annehmen. Sosehr Heynckes am Dienstag auch betonte, wie sehr ihn diese Spielzeit mitgenommen hat, er fühlt, dass das Fußball-Feuer in ihm noch nicht erloschen ist.

Die Glut muss nur wieder richtig geschürt werden, wenn der Urlaub vorüber ist. Es kann gut sein, dass die Möglichkeit, ein Nationalteam zu betreuen, für Heynckes eine willkommene Form wäre, sich dem Pensionärsdasein zu nähern. Eine Möglichkeit, die früher für ihn keine war, weil sie ihm nicht ermöglicht, täglich auf dem Trainingsplatz zu arbeiten.

Aber im nächsten Jahr wird Heynckes 69, und er gibt zu, ab und an die Last zu spüren, die das Alter mit sich bringt. Die letzten Bayern-Trainer wurden alle Nationaltrainer: Ottmar Hitzfeld in der Schweiz, Jürgen Klinsmann in den Vereinigten Staaten und Louis van Gaal in den Niederlanden. Nach der WM 2014 in Brasilien werden viele Nationen einen Trainer suchen - Jupp Heynckes wird die Qual der Wahl haben.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 05.06.2013, 06:21 Uhr

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