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Bundesliga-Kommentar : Nagelsmann auf dem Weg

Julian Nagelsmann: „Der FC Bayern spielt in meinen Träumen schon eine etwas größere Rolle.“ Bild: dpa

Der Vertrag von Nagelsmann in Hoffenheim ist noch bis zum Sommer 2021 datiert. Doch nicht einmal Klub-Mäzen Dietmar Hopp rechnet damit, dass Nagelsmann im neuen Jahrzehnt noch in Hoffenheim arbeiten wird.

          Julian Nagelsmann ist ein intelligenter junger Mann. Einer, der in den 1980er Jahren geboren worden ist, dementsprechend der Generation Y angehört. Das wird englisch ausgesprochen – bedeutet also: why. Warum? Diese Leute wollen es buchstäblich wissen. Sie sind mit dem Internet groß geworden, drängen früh in Führungspositionen, wollen gestalten und verändern, aber nicht befehligen. Sie wollen ihr Umfeld mitreißen, es begeistern. Und bei alledem wollen sie auch wissen, wohin sie es selbst bringen können im Leben.

          Nagelsmann hat einiges zu bieten: Abstiegskampf und Klassenverbleib in Hoffenheim mit 28 Jahren; die Qualifikation für die Champions League mit 29; und nun – ein paar Wochen nach seinem 30. Geburtstag – sagte er dem Fernsehsender Eurosport: „Der FC Bayern spielt in meinen Träumen schon eine etwas größere Rolle. Ich habe viele Jahre in München gelebt, komme aus Landsberg am Lech. Meine Frau und mein Kind ziehen demnächst nach München.“

          So offen hat sich schon lange kein Trainer mehr über einen anderen Verein geäußert. Bisher war Nagelsmann beim Thema Bayern stets in Abwehrhaltung gegangen. Etwa, nachdem er im roten Mantel beim DFB-Pokalspiel zwischen den Münchnern und Borussia Dortmund im Stadion auftauchte. Nun aber lesen sich seine Sätze wie ein Bewerbungsschreiben.

          Und es wäre tatsächlich überraschend und ungewöhnlich, wenn sie Nagelsmann einfach so dahergeredet hätte. Er hat denselben Berater wie Jürgen Klopp, er hat dessen Ratschlag befolgt und ist in Hoffenheim geblieben, um dort zu lernen, wie der Fußball in europäischen Wettbewerben funktioniert. Aber auch Nagelsmann weiß ganz genau, dass die Verantwortlichen von Bayern München derzeit nicht zufrieden sind mit der Entwicklung der Mannschaft unter Trainer Carlo Ancelotti.

          Was Nagelsmann kann, wissen sie längst in München. Er hat es ihnen zweimal aus nächster Nähe vor Augen geführt. Im April dieses Jahres siegten die Hoffenheimer 1:0 gegen den Rekordmeister. Das Ergebnis sagte nichts aus über das Kräfteverhältnisse in diesem Spiel. Nagelsmann hatte die Schwächen der Bayern ganz genau analysiert, seine Spieler setzten den Plan im Detail um – und Ancelotti hatte auf der anderen Seite keine Lösung für das Problem. Etwas, das auch die Bayern-Verantwortlichen auf der Tribüne irritierte. Am vergangenen Wochenende bewies Nagelsmann, dass der Erfolg kein Zufall war – dieses Mal siegte 1899 Hoffenheim sogar 2:0.

          Bundesliga : Nagelsmann relativiert Bayern-Aussagen: „Kein aktueller Bezug“

          Der Vertrag von Nagelsmann in Hoffenheim ist noch bis zum Sommer 2021 datiert. Doch nicht einmal Klub-Mäzen Dietmar Hopp rechnet damit, dass Nagelsmann im neuen Jahrzehnt noch in Hoffenheim arbeiten wird. „So einen außergewöhnlichen Trainer in einem relativ kleinen Klub zu halten ist ausgeschlossen. Da mache ich mir keine Illusionen“, sagte Hopp erst vor ein paar Wochen in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die Vertragsdauer bestimmt – wenn nicht alles täuscht – lediglich die Höhe der Ablöse. Denn Trainer werden inzwischen gehandelt wie Spieler. Und Nagelsmann ist einer der Trümpfe auf diesem Markt. Das weiß er ganz genau.

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