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Interview „Steck dir den Böller in die Unterhose“

07.04.2008 ·  Der Sicherheitschef des 1. FC Nürnberg Matthias Huber über Ultras, die Selbstreinigungskräfte der Fan-Szene und die Grenzen der Kontrollen - und warum szenekundige Polizeibeamte, die mit den Nürnberger Fans unterwegs waren, die Randale vom Samstag nicht verhindern konnten.

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Der Sicherheitschef des 1. FC Nürnberg Matthias Huber über Ultras, die Selbstreinigungskräfte der Fan-Szene und die Grenzen der Kontrollen - und warum szenekundige Polizeibeamte, die mit den Nürnberger Fans unterwegs waren, die Randale vom Samstag nicht verhindern konnten.

Sie standen mitten im Nürnberger Fan-Block - wie haben Sie die Vorfälle erlebt?

Wir hatten so etwas bislang nur in Einzelfällen bei Auswärtsspielen. Am Samstag war mir aber nach den ersten zwei, drei Krachern und der Unterbrechung durch den Schiedsrichter klar, dass sich das schwieriger entwickeln kann. Ich habe dann versucht, über den Fan-Beauftragten auf den Vorsänger der Ultra-Gruppierung Einfluss zu nehmen. Dann ging es weiter, es kamen dieser Bengalo und die längere Unterbrechung. Da war klar, dass es andere Ausmaße annehmen kann.

Warum ist das gerade in diesem Spiel so eskaliert?

Man muss wissen, dass die Ultra-Gruppierungen von Frankfurt und Nürnberg sich nicht so gut riechen können - was eigentlich ungewöhnlich ist für Ultras, die sonst ja in vielen Dingen konform gehen.

Wurden besondere Vorkehrungen getroffen?

Wir haben schon einen Überblick, wie viele Leute fahren und welche Fan-Gruppierungen Karten haben. In Frankfurt hatten wir eine Gruppe von fünf Ordnern dabei, wobei es da eher um die Unterstützung des Ordnungsdienstes von Eintracht Frankfurt geht. Außerdem waren zwei oder drei szenekundige Beamte der Nürnberger Polizei dabei, die die Ultras mit dem Zug, einem regulären Zug, begleitet haben. Die Ultra-Gruppierung wurde auch durch die Polizei Frankfurt gesondert zum Stadion geführt.

Lässt sich damit nicht verhindern, dass Feuerwerkskörper in dieser Zahl ins Stadion gebracht werden?

Man kann es schon machen. Die Frage ist, wie weit geht es. Wenn sie sehen, dass junge Fans, die sich in solchen Gruppierungen bewegen, im Rahmen der gruppendynamischen Prozesse dazu verdonnert werden, Kuriere für solche Sachen zu sein - nach dem Motto: Du musst dich hier hocharbeiten, also steck dir den Böller in die Unterhose -, dann wird das schwierig. Wenn Sie das verhindern wollen, heißt das massivste Sicherheitskontrollen, die weiter gehen, als man das von Flughäfen kennt. Es muss definitiv eine kombinierte Geschichte sein: genauere Personenkontrollen, genauso wichtig ist aber, auf die Fan-Gruppierungen einzuwirken und einen

Waren die Auseinandersetzungen innerhalb der Nürnberger Fans schon ein Teil dieser Selbstreinigung?

Nein, nein. Ich glaube, das war eher eine kleine Show von den Jungs. Die wissen schon, dass sie vor den Kameras stehen und gefilmt werden

Ihr Sportdirektor hat gesagt, die Ultras seien überhaupt keine Fans. Was zieht die ins Stadion?

Fakt ist, dass es sie überall gibt, Frankfurt zum Beispiel hat wohl die aktivste Ultra-Szene in Deutschland. Fakt ist aber auch, dass sie zum Teil inhomogen sind, auch was das Thema Gewalt betrifft. Natürlich grenzen die sich auch von den restlichen Fans ab - das erkennt man ja schon am Äußeren. Ob das richtige Fans sind? Zumindest haben sie an diesem Punkt bewiesen, dass sie sich über die Konsequenzen für "ihren" Klub nicht im Klaren sind.

Wie erklären Sie sich, dass es im entscheidenden Moment doch aufhörte? War die "Munition" alle?

Das glaube ich nicht. Es gab ja schon auf dem Weg zum Stadion massive Pyrotechnik. Ich glaube, dass letztlich die klaren und konsequenten Ansagen mit dem Androhen des Spielabbruchs bei dem einen oder anderen dazu geführt hat, dass er ein Einsehen hatte. Trotzdem hatte ich die Befürchtung, dass es dann erst recht probiert wird, um die Grenzen zu testen.

Drohen uns ähnliche Dinge in den nächsten Wochen?

Ich glaube nicht, dass wir an einem Punkt sind, wo wir permanent Spielunterbrechungen haben werden in der Bundesliga. Das Ereignis zeigt, dass wir permanent wach sein müssen - aber auch, wie schwierig es ist, so etwas zu verhindern. Wir müssen weiter sensibilisieren, und zwar in alle Richtungen. Bei jeder Uefa-Cup-Übertragung, die ich im Fernsehen sehe, werden die Bengaloträger, die ja gerade im Ausland noch viel verbreiteter sind, groß ins Bild gerückt. Warum müssen wir das zeigen mit tollen roten Bildern? Fakt ist einfach, dass das Zeug brandgefährlich ist - im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Fragen stellte Christian Kamp

Quelle: F.A.Z.
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