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Im Gespräch: VfB-Sportdirektor Bobic „Ich bin nicht auf Krawall aus“

26.08.2010 ·  Der VfB Stuttgart hat einen anstrengenden Saisonauftakt. Am Sonntag verloren die Schwaben mit 0:2 in Mainz, am Donnerstagabend (20 Uhr) steht das Rückspiel in der Europa League gegen Bratislava an. Der neue Sportdirektor Fredi Bobic spricht davor im Interview über seine Ziele mit dem VfB.

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Fredi Bobic spielte sechs Jahre in der Jugend und von 1994 bis 1999 als Profi beim VfB Stuttgart und bildete mit Krassimir Balakov und Giovane Elber das berühmte „Magische Dreieck“. Noch immer hat der gebürtige Stuttgarter einen guten Ruf im Schwabenland und kehrte in diesem Sommer als neuer Sportdirektor zum VfB zurück - mit dem er am Donnerstagabend im Rückspiel der Europa-League-Qualifikation gegen Slovan Bratislava (20 Uhr/ live in Sport 1/Hinspiel 1:0 für Stuttgart) die Gruppenphase erreichen will. Der ehemalige Stürmer ersetzte den zu Schalke abgewanderten Horst Heldt.

Sie sind 38 Jahre alt und passen damit in den Trend der Bundesliga, immer jüngere Manager zu engagieren - wie erklären Sie sich das?

Die Trendwende hat ja schon in den vorigen Jahren begonnen, auch in der Trainerbranche hat eine vollkommen neue Generation auf die Bank gedrängt. Es gibt nun in der Bundesliga einen bunten und interessanten Mix, jüngere und ältere Manager. Am Ende zählt aber nicht das Alter, sondern der Erfolg.

Ihr Vorgänger Horst Heldt hatte einen Platz im VfB-Vorstand, Sie nicht. Woran liegt das?

Für mich war das nicht wichtig, ich habe nicht auf diesen Posten beharrt. Dass der VfB mir keinen angeboten hat, resultiert sicherlich auch aus der Enttäuschung über den Abgang von Horst Heldt. Dafür habe ich absolutes Verständnis. Ich denke ohnehin, dass dieser Sitz im Vorstand manchmal ein bisschen überbewertet wird.

Als Spieler waren Sie unbequem und mussten auch mal zum Rapport auf die Geschäftsstelle des VfB. Müssen Sie als Manager stromlinienförmiger sein?

Ab und zu muss man schon diplomatischer sein, das ist klar. Ich kann jetzt nicht mehr auftreten wie ein junger, wilder Fußballer und muss auch meine Wortwahl ändern. Das bedeutet aber nicht, dass meine Aussagen weichgespült sein müssen. Zu bestimmten Themen muss man intern und in der Öffentlichkeit eine klare Meinung vertreten - und den Weg werde ich weitergehen. Was jedoch nicht heißt, dass ich auf Krawall aus bin.

Ihr Einstieg in die Bundesliga wird schwer, die Mannschaft steckt im Umbruch, das Stadion wird umgebaut - die Erwartungshaltung der Fans aber ist nicht unbedingt geringer geworden.

Das ist richtig, manches ist derzeit bei uns eine Baustelle. Trotzdem freue ich mich auf die Saison, denn die einfachen Aufgaben kann jeder erledigen. Ich habe keine Angst und will aus den Möglichkeiten das Optimale herausholen.

Was kann das sein? Mario Gomez ist im vergangenen Jahr zu Bayern München gewechselt, Sami Khedira nun zu Real Madrid - der VfB scheint nur noch ein Ausbildungverein zu sein.

Das sehe ich anders. Diese Spieler sind zu ganz großen Klubs gegangen, die sehr zahlungskräftig sind und für jeden Spieler Strahlkraft besitzen. Diese Wechsel sind auch ein Kompliment für unsere gute Jugendarbeit. Das ist unsere Basis, daraus ziehen wir unsere Stärke. Aber wir sind eben noch nicht in der Lage, diese Leute zu halten, auch wenn der VfB sicher sehr gut aufgestellt ist. Anderen Bundesligavereinen geht es ähnlich.

Nun war Stuttgart aber noch 2007 deutscher Meister.

Ja, aber wir haben nicht den Anspruch, jedes Jahr deutscher Meister zu sein. So kann nur Bayern München denken. Wenn die den Titel einmal nicht holen, dann ist bei denen etwas schiefgelaufen. Dieser Verein hat in Bezug auf das Budget und die Qualität des Kaders einen viel zu großen Vorsprung vor dem Rest der Liga. Die Bayern geben stets den Takt vor.

Dahinter kämpfen zehn Vereine um die vier verbleibenden Plätze für das internationale Geschäft. Wie hart ist dieser Verdrängungswettbewerb?

Die Spitze wird immer breiter, es ist wahnsinnig, wie viele Teams angreifen wollen. Jeder kann jeden schlagen in der Bundesliga, niemand darf sich eine große Schwäche erlauben, sonst wird er gleich durchgereicht nach unten. Das ist brutal. Viele Teams haben sehr viel investiert in diesem Sommer, unsere Aufgabe wird deshalb nicht leichter. Ich hoffe jedoch, dass jeder Verein nur so viel investiert, dass er auch gesund bleibt, wenn die Ziele nicht erreicht werden. Wir geben nur so viel Geld aus, dass wir nicht plötzlich verschuldet sind und vor großen Problemen stehen.

Schwäbische Sparsamkeit also.

Das hat damit nichts zu tun, nur muss man auch wirtschaftlich denken. Ich weiß nicht, ob die Wirtschaftskrise schon beendet ist. Man redet zwar immer vom Aufschwung, aber die Zeiten sind noch immer schwer. Die Sponsoren werfen den Klubs das Geld nicht hinterher, deshalb muss man ganz genau aufpassen in dieser Phase. Wenn unser Stadion nächsten Sommer fertig ist, werden unsere wirtschaftlichen Voraussetzungen wieder besser sein.

Wie schwer ist es, die derzeitige wirtschaftliche Situation Trainer Christian Gross oder Stürmer Cacau zu erklären, die beide vehement Neuzugänge fordern?

Ich glaube nicht, dass Cacau vehement etwas gefordert hat. Er sagte nur, dass noch ein paar Spieler kommen sollten - und genau das sollte ein Führungsspieler auch sagen dürfen. Ich teile seine Meinung, aber die Frage ist: Was ist finanzierbar? Wir haben noch immer viele Nationalspieler im Kader, nur ist die Mannschaft eben relativ jung. Trotzdem glaube ich, dass Bundestrainer Jogi Löw begeistert davon ist, dass wir weiter auf den Nachwuchs setzen. Nun braucht man eben ein bisschen Geduld.

Was fehlt dem VfB, um sich stetig in der Liga-Spitze zu etablieren?

Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in den letzten zehn Jahren nur zweimal nicht international vertreten waren. Da kann man von Stabilität reden. Natürlich fallen auch die Höhen und Tiefen innerhalb einer Saison auf. Aber wir haben immer wieder den Weg nach oben gefunden - und das sollte auch anerkannt werden. Der VfB braucht sich vor keinem zu verstecken.

Zuletzt wurde Ihnen vorgeworfen, dass sie mit dem Spielerberater Jürgen Schwab, der auch einige Spieler des VfB vertritt, ein Sportgeschäft betreiben. Gibt es da einen Interessenkonflikt?

Nein. Wir haben das Geschäft 2003 gegründet, zu einer Zeit also, in der ich noch Spieler war. Es läuft sehr gut, wir haben viele Mitarbeiter und stehen auch in gewisser Verantwortung. Das Sportgeschäft hat nichts mit der Tätigkeit von Jürgen Schwab als Berater zu tun.

Aber nun sitzen Sie vielleicht bei Vertragsverhandlungen an einem Tisch.

Das wird wahrscheinlich so sein, und dass wir befreundet sind, das ist eben so. Auch mich hat er schon als Spielerberater vertreten. Nun wird bei Verhandlungen jeder für seine Interessen einstehen.

In Stuttgart sind Sie unter den Anhängern noch immer ein Held - hilft Ihnen das?

Der Vorschusslorbeer ist natürlich sehr groß. Ich trage jetzt eine große Verantwortung, war Fan des Vereins, bin als Jugendlicher permanent ins Stadion gegangen, habe hier gespielt und komme nun zurück. Ich hätte auch daheim in meinem Paradies bleiben und es mir einfach machen können. Das habe ich bewusst nicht gemacht, weil ich immer schon andere Wege gegangen bin. Natürlich versucht man, allen gerecht zu werden. Nur geht das nicht immer. Es wird immer Probleme geben und Diskussionen, denen man sich stellen muss. Wichtig ist nur, dass der VfB ein erfolgreicher Verein bleibt.

Das Gespräch führte Michael Wittershagen.

Quelle: F.A.S.
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