Home
http://www.faz.net/-gtn-10eus
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Donnerstag, 09. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Im Gespräch: Uli Hoeneß „Wer mit Geld rumschmeißt, ist mir suspekt“

17.09.2008 ·  Bayern-Manager Uli Hoeneß verfolgt mit Argusaugen die Entwicklungen im europäischen Spitzenfußball. Im FAZ.NET-Gespräch erklärt er, weshalb Bayern München nicht zu den Favoriten für den Champions-League-Sieg zählt und welche Erwartungen er an die laufende Saison hat.

Artikel Bilder (7) Lesermeinungen (1)

Bayern-Manager Uli Hoeneß verfolgt mit Argusaugen die Entwicklungen im europäischen Spitzenfußball. Hoeneß hat vor allem Bedenken bezüglich des Engagements von steinreichen Investoren aus Russland und Saudi-Arabien.

Im FAZ.NET-Gespräch erklärt er, weshalb Bayern München nicht zu den Favoriten für den Champions-League-Sieg zählt und welche Erwartungen er an die laufende Saison hat.

Fühlen Sie sich nach einem Jahr der europäischen Wanderschaft an Schauplätze der Kategorie B nun in der Champions League endlich wieder zu Hause angekommen?

Natürlich freuen wir uns alle wahnsinnig, dass wir wieder in der Champions League spielen. Auf der anderen Seite hatten wir es in der vorigen Saison auch nicht verdient, dort mitzumischen. Das Leben ist gerecht, und die Strafe, nur am Uefa-Pokalwettbewerb teilnehmen zu können, war auch gerecht - wir hatten uns nun mal nicht qualifiziert für die Champions League. Dass wir mal nach Braga, mal nach Aberdeen mussten und am Bernabéu-Stadion vorbei nach Getafe fuhren, das war, glaube ich, auch eine ziemlich heilsame Geschichte. Ich hoffe, dass unsere Spieler diese Lektion gelernt haben.

Nun kommt als Erstes mit Steaua Bukarest ein Gegner auf die Bayern zu, der auch eher Uefa-Pokal- als Champions-League-Assoziationen weckt. Sehen Sie darin eine Gefahr?

Es wäre fatal, das auf die leichte Schulter zu nehmen, denn die Rumänen hatten international betrachtet stets gute Mannschaften. Die haben fast immer bei Weltmeisterschaften mitgespielt, haben bei der vergangenen Europameisterschaft eine ordentliche Rolle gespielt. Steaua hat, wenn auch vor Jahren, mal den Europapokal der Landesmeister gewonnen. Es wäre ein ganz großer Fehler, diese Mannschaft in die Kategorie "Europas zweite Klasse" einzustufen.

Wohin dann?

Ich glaube, der Nachteil unserer Gruppe ist, dass man schnell sagt, das ist ja alles machbar. Die drei Gegner, mit denen wir es zu tun bekommen, sind interessant und unangenehm. Olympique Lyon ist schon lange eine Supermannschaft; der AC Florenz gehört zur Spitzengruppe der Serie A, und italienische Gegner muss man immer ernst nehmen; Steaua Bukarest ist erste Sahne, mag die Mannschaft auch nicht zu den ersten zehn in Europa gehören. Die sind zwischen Platz zehn und zwanzig im europäischen Mittelfeld, und da kann jeder jeden schlagen.

Hat sich die Champions League innerhalb des einen Jahres, in dem der FC Bayern nicht dabei war, erheblich verändert?

Die alten Bekannten, speziell aus der Premier League, sind noch mal ein Stück stärker geworden. Auf die fünf, sechs großen Mannschaften - darunter Titelverteidiger Manchester United, der FC Chelsea, FC Liverpool, FC Barcelona - konzentriert sich das Beste, was es im Fußball an Spitzenqualität gibt. Die ersten zehn Mannschaften in Europa sind noch stärker geworden.

Ist es nicht eine ungesunde Verknappung des Wettbewerbs, wenn immer weniger Mannschaften um den höchsten europäischen Klubtitel mit Aussicht auf Erfolg mitspielen können?

Ich bin nicht der, der klagt. Das bringt uns nicht weiter. Wir müssen uns mit der Situation auseinandersetzen und sie auch akzeptieren. Sie ist, wie sie ist, und dient nicht dazu, nach Ausreden zu suchen. Wir müssen uns damit abfinden, basta. Es hat keinen Sinn, sich darüber während des Wettbewerbs viele Gedanken zu machen.

In welcher Rolle sehen Sie denn die Bayern in dieser Spielzeit?

Mitfavorit sind wir auf keinen Fall. Wir gehen da sehr gespannt rein, aber wir wollen zunächst mal die Vorrunde in aller Ruhe spielen, und dann sehen wir weiter. Schon die Gruppenspiele sind schwer genug. Es wäre der größte Fehler, jetzt schon von Viertel- oder gar Halbfinale zu faseln.

Lesen Sie Erfolg oder Misserfolg des FC Bayern in diesem Jahr am Abschneiden in der Champions League ab?

Der wichtigste Wettbewerb ist immer die nationale Meisterschaft. Sie führt über 34 Spieltage und ist irgendwo auch planbar. Da können auch Niederlagen immer wieder ausgeglichen werden. In der Champions League hängt es manchmal an einem Tor in einem Spiel. Sie zu planen ist schwieriger. Also ist die Meisterschaft das A und O.

Früher waren die Bayern immer bei den Mannschaften, denen zugetraut wurde, die Champions League zu gewinnen. Das ist seit ein paar Jahren nicht mehr der Fall, auch weil das große Geld doch anderswo als in der Bundesliga fließt. Jetzt kommt in Form der Herrscherfamilie von Abu Dhabi ein ganz neuer Player auf den Markt, der Manchester City aufkauft und zu einer großen Marke machen will. Beunruhigt Sie das?

Das muss man abwarten. Für meinen Geschmack wird da zu viel gequasselt. Leute, die so mit dem Geld rumschmeißen, sind mir suspekt. Erst mal sehen, ob sich das am Ende so darstellt, wie es derzeit propagiert wird.

Beim Blick auf diese Abu Dhabi United Group, angeführt von Sulaiman Al Fahim, mehren sich auch in Deutschland wieder die Stimmen, die eine Aufhebung der Investorenbeschränkungen für die Bundesliga - Stichwort fünfzig plus eins - fordern. Wie ist Ihre Haltung dazu?

Die sollen die Fünfzig-plus-eins-Regel ruhig abschaffen. Wenn der eine oder andere Verein denkt, damit glücklich zu werden, hätte ich damit kein Problem. Ich glaube aber nicht, dass der FC Bayern diese Situation ausnützen würde und selbst nach einem Investor Ausschau hielte. (siehe: Europas Fußball: Armes Deutschland)

Das Thema Wettbewerbsgleichheit steht nicht gerade wie ein Markenzeichen über dem Wettstreit in der Champions League. Ärgern Sie steuerliche Ungleichheiten in Europa und die damit verbundenen Segnungen für Einkommensmillionäre des Fußballs etwa in England?

Ich kann doch jetzt nicht nach Berlin zum Bundesfinanzminister fahren und darauf dringen, dass unsere Spieler nur 25 Prozent Steuern zahlen wie in England oder Spanien. Da würden wir durch den Kakao gezogen, und der kleine Mann, der bei Audi am Band arbeitet, würde verrückt werden. Ich fände es auch nicht gerecht und geradezu hirnverbrannt, in der heutigen Zeit, da es den Leuten nicht so gutgeht, Steuerprivilegien für Fußballspieler zu fordern.

Ist die eben noch vertretbare Balance im europäischen Spitzenfußball nicht längst gefährlich gekippt, wenn man die Superreichen wie den FC Chelsea sieht und dagegen ehemalige Spitzenvereine wie den FC Valencia oder Deportivo La Coruña hält, die mit Hunderten von Millionen Euro verschuldet sind?

Der Blick auf die verschuldeten Fußball-Großvereine von gestern dient mir auch als demonstrativer Beweis dafür, dass es die Vereine, die hohe Ambitionen, aber nicht die Abramowitschs dieser Welt haben, es im Vergleich zu Bayern München nicht schaffen, solide zu wirtschaften. Diese Vereine kommen ja nie mehr von ihren Schulden runter. Das ist so verfahren, dass solch ein Verein aus meiner Sicht eigentlich gar nicht mehr in der ersten Liga mitspielen dürfte.

Müsste die Europäische Fußball-Union deshalb nicht umso dringender ein abschreckendes Lizenzierungsverfahren für die Teilnahme an ihren Vereinswettbewerben einführen?

Daran hat doch bei den Leuten, die etwas zu sagen haben, niemand ein Interesse.

Der FC Bayern hat im vergangenen Jahr für seine Verhältnisse sehr viel Geld ausgegeben, um international renommierte Spieler wie Franck Ribéry oder Luca Toni nach München zu holen. In diesem Jahr wurde dagegen eher gespart. Können Sie sich Transfers in der Größenordnung von siebzig bis achtzig Millionen Euro nur ausnahmsweise leisten?

Die Leute beklagen sich alle, dass Lukas Podolski bei uns nicht spielt. Wenn wir jetzt noch einen vierten Stürmer für viel Geld verpflichtet hätten, hätten wir nicht nur die Diskussion um einen Stürmer, die schon nervig genug ist, sondern um zwei Angreifer. Da hätte ich jeden Tag Theater. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass eine eingespielte Mannschaft auch eine Macht ist. Wir haben letztes Jahr sechs oder sieben neue Spieler geholt, in diesem Jahr mit Tim Borowski einen deutschen Nationalspieler und dazu noch Massimo Oddo vom AC Mailand - jetzt sollen die mal zusammenwachsen. Wenn wir dann feststellen, dass es nicht ganz ausreicht, können wir im Winter oder im nächsten Jahr noch nachrüsten. Wir sind 2001 Champions-League-Sieger geworden mit einer individuell gar nicht so starken, aber bestens aufeinander abgestimmten, eingespielten Mannschaft. Auch das ist eine Qualität.

Werden Sie demnächst wieder einen solchen Kraftakt wie vor der vergangenen Spielzeit auf sich nehmen?

Das wollen und können wir nur ausnahmsweise. Jetzt freue ich mich erst einmal darauf, dass die Saison so richtig beginnt mit dem Samstag-Mittwoch-Samstag-Rhythmus. Unsere Verletzten, darunter Franck Ribéry, kommen allmählich zurück, und deshalb sind wir zuversichtlich, nicht euphorisch. Diese Zuversicht bezieht sich auch auf unseren Trainer Jürgen Klinsmann. Wenn er wie versprochen jeden Spieler ein Stück verbessern kann, werden wir am Ende eine gute Mannschaft haben.

Das Gespräch führte Roland Zorn.

Quelle: F.A.Z.
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Umfrage

Wer wird deutscher Meister?

19587 Stimmen wurden abgegeben.

27%
Im Zweifel gewinnt der Rekordmeister: Bayern München
46%
Der Jugendstil setzt sich durch: Borussia Dortmund
11%
Der Meister der Herzen ist endlich dran: FC Schalke 04
16%
Die Renaissance der Fohlenelf überrascht alle: Borussia Mönchengladbach
Die Umfrage ist geschlossen. Alle Umfragen
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   20  31   43 Verbesserung zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   20  33   41 Verschlechterung zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   20  21   41 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   20  19   40 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   20  -1   32 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   20  1   31 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   20  -2   30 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   20  -2   24 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   20  -11   24 Verbesserung zur Vorwoche
10.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   20  -12   24 Verschlechterung zur Vorwoche
11.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   20  -2   23 Verschlechterung zur Vorwoche
12.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   20  -9   23 Verschlechterung zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   20  -6   22 Verschlechterung zur Vorwoche
14.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   20  -12   21 Verschlechterung zur Vorwoche
15.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   20  -6   20 Gleichheit zur Vorwoche
16.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   20  -9   18 Gleichheit zur Vorwoche
17.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   20  -14   17 Gleichheit zur Vorwoche
18.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   20  -19   17 Gleichheit zur Vorwoche
Ergebnisse, Tabellen und Statistik