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Im Gespräch: Robert Enke „Mein Platz ist nicht gefestigt“

02.09.2008 ·  Deutschland sucht den Super-Torwart: Vorerst ist Robert Enke der Nachfolger von Jens Lehmann als Nummer eins in der Nationalelf. Vor dem Abschiedsspiel von Oliver Kahn erzählt der Mann von Hannover 96, warum Kahn für ihn kein Vorbild war, von überbewerteten Rivalen und seinen Wechselabsichten.

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Deutschland sucht den Super-Torwart: Die Nummer eins im deutschen Fußballtor ist derzeit Robert Enke. Der Nachfolger von Jens Lehmann hat zwei Länderspiele absolviert. Der 31 Jahre alte Thüringer spielt seit 2004 bei Hannover 96.

Seine Profikarriere startete er bei seinem Heimatklub Carl Zeiss Jena, es folgten erfolgreiche Stationen in Mönchengladbach sowie Benfica Lissabon, aber auch unbefriedigende beim FC Barcelona, bei Fenerbahce Istanbul und CD Teneriffa. Vor dem Abschiedsspiel von Oliver Kahn erzählt der Mann von Hannover 96, warum Kahn für ihn kein Vorbild war, von überbewerteten Rivalen, unfairer Kritik und seinen Wechselabsichten.

War Oliver Kahn Ihr Vorbild?

Als ich in der Jugend war, habe ich zu anderen Torhütern aufgeschaut. Peter Schmeichel fand ich toll. Bodo Illgner. Damals war Oliver Kahn noch nicht so bekannt. Ich war nicht mit allem einverstanden, was er auf dem Platz gemacht hat. Da bin ich ein anderer Typ. Was mich in den letzten Jahren beeindruckt hat, war, dass er durch seine Einstellung zum Spiel maßgeblich an den Erfolgen der Bayern beteiligt war. Man muss ja immer vorsichtig sein, wenn man das von einem Torwart behauptet. Aber er hat die Mannschaft in den entscheidenden Momenten entscheidend gepusht.

Kahn macht am heutigen Dienstag sein Abschiedsspiel. Verbindet Sie etwas?

Wir sind beide Torhüter.

Er ist eine Person des öffentlichen Interesses.

Das will ich nicht beurteilen. Nach den erfolgreichen Jahren und der WM 2002 war er extrem im Fokus, dass auch Veränderungen im Privaten jeden interessiert haben und nicht leicht zu handhaben waren. In den letzten Jahren hat man gemerkt, dass er entspannt war. Da hat man einen anderen Oliver Kahn erlebt und eine Idee bekommen, wie er privat sein kann.

Nach Jens Lehmann sind Sie nun sein Nachfolger. Wie lebt es sich als deutsche Nummer eins?

Die Torhüterposition steht in Deutschland sehr im Fokus. Noch mehr gilt das seit dem Zweikampf Lehmann/Kahn. In Spanien ist es anders: Da füllt der Torhüter die Mannschaft auf. Wenn er einen Fehler macht, wird gewechselt. Deutschland ist ein Paradies für Torhüter. Hier ist der Torwart oft Publikumsliebling.

Nun stehen Sie in der Ahnenreihe.

Ahnen? Das ist mir zu viel. Es hat mich sehr gestört, als damals in der „Tagesschau“ die erste Meldung war, dass Lehmann die Nummer eins ist und am selben Tag - wie viele Menschen auch immer - auf der Welt ihr Leben verlieren. Zu dieser Zeit haben sich die Werte verschoben. Das darf nicht passieren. Natürlich bin ich ehrgeizig und möchte meinen Platz verteidigen, der ja nicht so gefestigt ist. Bei mir sind es die jungen Torhüter, die von unten drängeln. Aber bei allem Ehrgeiz darf man die Lockerheit nicht verlieren. Das gilt für die Spiele und auch für das Drumherum. Es wird ja jetzt jedes Wort von mir registriert. Das muss ich hinnehmen, aber ich kann es richtig einschätzen.

Wie ist das Verhältnis zu den Herausforderern?

Zu Manuel Neuer kann ich gar nichts sagen. Mit René Adler war ich sechs Wochen bei der EM - wir haben ein ganz normales Verhältnis. Wir sind nicht befreundet. Aber wir kommen sehr gut miteinander aus. Ich spiele, und solange ich das tue, will ich überzeugen. Dem Bundestrainer soll es schwergemacht werden, etwas zu verändern.

Hat Löw Sie angerufen und gesagt, dass Sie in Liechtenstein und Finnland spielen?

Ich habe es in der Zeitung gelesen. Es war abzusehen, wenn das Belgien-Spiel einigermaßen läuft, dass nichts geändert wird. Da muss der Bundestrainer mich nicht anrufen.

Haben Sie nicht beim Frühstück gedacht: Jetzt habe ich es geschafft?

Ich will jetzt nicht so cool tun. Aber ich kaufe mir so früh keine Zeitung. In der Kabine liegt eine - das ist ja auch so ein Thema.

Zeitungen?

Wenn ich die Boulevardmedien anschaue, scheinen die jungen Torhüter einen anderen Status zu haben als ich. Da wird nicht immer sachlich bewertet. Aber damit darf ich mich nicht zu viel beschäftigen. Sonst könnte ich mich schon mal ärgern. Leider bekommt ein Robert Enke in Hannover nicht die Wahrnehmung wie andere Spieler bei Schalke oder Bayern. Hinzu kommt, dass 90 bis 95 Prozent der Journalisten, die über dich berichten, kein spezielles Fachwissen zum Torwartspiel haben. Das ist, als würde ich über Maschinenbau reden oder über die Arbeit eines Bäckers. So etwas ist ärgerlich, weil sehr viele Leute es hören und denken: „Der ist Sportreporter, der muss es wissen.“

Brauchten Sie einen Vereinswechsel, um weiterzukommen?

Wenn du immer um die Ohren bekommst, dass du nicht international spielst, denkst du irgendwann schon darüber nach, ob ein Klubwechsel helfen kann. Es ist nun einmal so, dass ich bei sogenannten Experten einen Nachteil habe, weil ich bei 96 spiele. Bei mir wird hervorgehoben, dass ich keine Europapokalspiele habe, bei René Adler wird das vergessen. Aber dafür kann er nichts. Das werde ich wohl nur schwer ändern können. Ich habe Hannover einiges zu verdanken. Vielleicht bringe ich auch deshalb seit inzwischen vier Jahren gute Leistungen, weil ich mich hier so wohl fühle. Wie es nach der Saison weitergeht, wird man sehen.

Was sagen Ihnen denn die erfahrenen Kollegen wie Ballack oder Frings?

Ab und zu kommt mal ein Spruch: Willst du nicht mal wechseln . . .

Frage oder Aufforderung?

Frage. Ich bin ja keine 18 mehr. Aber auch ich habe meine Erfahrungen gesammelt. Ich habe lange im Ausland gespielt. Ich brauche keine Tipps. Ewald Lienen hatte ich zu verdanken, hierher nach Hannover gekommen zu sein.

Fühlen Sie sich als deutsche Nummer eins?

Oh nein. Man muss immer auf der Hut sein. Es ist doch nichts passiert - ich habe im ersten Spiel nach der EM gespielt. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn sich René Adler nicht verletzt hätte. Sicher bin ich mir in dem Geschäft seit vielen Jahren nicht mehr. Ich saß im März 2004 in der zweiten spanischen Liga auf der Bank in Teneriffa.

Kann man ohne Hausmacht die deutsche Nummer eins sein?

Das ist eine gute Frage. Es wird sich zeigen. Bei der sportlichen Leitung, die im Moment das Sagen hat, glaube ich das auf jeden Fall.

Sie wirken nicht so, als ginge die Welt unter, wenn es anders käme.

Es soll kein falscher Eindruck entstehen: Ich bin sehr ehrgeizig. Ich weiß, dass für mich die Chance da ist vorzulegen. Die Position ist vakant. Ich will meine Chance nutzen. Was die Vorstellungen des Bundestrainers bezüglich der weiteren Qualifikation und dann der Endrunde sind, wird sich zeigen.

Haben Sie zu Hause kein großes Plakat, auf das Sie Ihre Ziele schreiben, als Motivationshilfe?

Es gibt Typen, die das machen. Das ist auch okay. Mein großes Ziel war die EM 2004 in Portugal. Als es so weit war, habe ich aber mit Teneriffa in der spanischen Provinz zweite Liga gespielt. Ich weiß, was ich will, aber es bringt nichts, jetzt schon darüber nachzudenken, was in zwei Jahren in Südafrika passiert. Wichtig ist, was ich in Liechtenstein und Finnland mache.

Das Gespräch führte Frank Heike

Quelle: F.A.S.
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