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Montag, 13. Februar 2012
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Im Gespräch: Ralf Rangnick „In der Leistungsdichte sind wir noch stärker“

07.07.2009 ·  Der Fußball-Lehrer über den Rückkehrer Vedad Ibisevic, über den Transfer von Demba Ba, Neueinkäufe und warum der Herbstmeister der vergangenen Saison auch in diesem Jahr wieder forsch spielen will.

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Der Fußball-Lehrer über den Rückkehrer Vedad Ibisevic, über den Transfer von Demba Ba, Neueinkäufe und warum der Herbstmeister der vergangenen Saison auch in diesem Jahr wieder forsch spielen will.

Der neue Spielplan hat Ihnen gleich die Bayern als Auftaktgegner beschert. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie davon erfahren haben?

Gut so.

Wie meinen Sie das?

Weil es immer besser ist, gegen die Spitzenmannschaften am Anfang zu spielen. Da ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie noch nicht in Topform sind. Ich spiele lieber im ersten Spiel zu Hause gegen die Bayern als in Mainz oder in Freiburg.

Es heißt immer, die zweite Saison in der Bundesliga ist die schwerste - gilt das auch für Hoffenheim?

Ich halte nicht so viel von solchen - beim Wetter würde man sagen: Bauernregeln. Wenn man so will, haben wir die zweite Saison ja schon in der vergangenen Rückrunde erlebt, als wir die andere Seite kennengelernt haben, wie es in der Bundesliga sein kann. Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft in der Leistungsdichte deutlich stärker ist als letztes Jahr. Ob sie deswegen auch besser abschneidet oder noch mehr Punkte holt, weiß ich nicht.

Sie haben bislang nach den Bayern das meiste Geld investiert, rund 15 Millionen Euro für Josip Simunic, den Argentinier Franco Zuculini und den Brasilianer Maicosuel. Braucht man so viel Geld, um eine bessere Saison spielen zu können?

Wir haben letztes Jahr relativ geringe bis gar keine Transferausgaben gehabt, wenn man von Andi Beck und Wellington absieht. Dass wir jetzt wieder mehr tun mussten, lag einfach daran, dass wir Spieler abgegeben haben. Und sollte in dieser Woche der Transfer von Demba Ba über die Bühne gehen, dann stehen wir wieder grob auf null.

Sie gehen also davon aus, dass er zum VfB Stuttgart wechselt?

Ich hoffe weiterhin, dass er bleibt, und ich sehe auch nach wie vor die Möglichkeit, dass er bleibt. Das Ganze hängt jetzt vor allem davon ab, wie die Entscheidung in Stuttgart ausfällt. Wie sich der VfB zum Heilungsverlauf der Narbe an seinem Bein stellt. Wir sind auf beide Fälle vorbereitet.

Die Entscheidung liegt also nur noch beim VfB?

Der Spieler hat einen Vertrag bei uns, deswegen ist es andersherum. Aber wenn der VfB das Ganze abschließen will, muss er in dieser Woche eine Entscheidung treffen.

Wird Vedad Ibisevic bis zum Saisonauftakt fit? Am Freitag beim 24:0-Sieg im Testspiel in Altendiez haben Sie ihn nicht eingesetzt.

Er hatte erst drei Trainingstage mit Ball hinter sich, da war das Risiko einfach noch zu groß. Aber er macht einen guten Eindruck, ich war überrascht, wie weit er schon ist. Das Toreschießen hat er nicht verlernt.

Was ist realistisch von ihm zu erwarten nach einem halben Jahr Verletzungspause?

Wir wünschen uns natürlich, dass er wieder der Alte wird. Wie schnell das gelingt, weiß man jetzt noch nicht. Er ist jedenfalls absolut positiv gepolt im Kopf und strotzt nach wie vor vor Selbstvertrauen. Psychisch mache ich mir da überhaupt keine Sorgen. Es hängt jetzt davon ab, ob er von Folgeverletzungen verschont bleibt.

In der vergangenen Saison ist einiges schiefgelaufen, nachdem sie Herbstmeister geworden waren. Was sind die Lehren aus der enttäuschenden Rückrunde?

Die wichtigste ist, dass wir gesehen haben, dass wir in der Breite die Ausfälle nicht verkraften konnten, deshalb haben wir die Mannschaft bewusst in der Leistungsdichte und -breite verstärkt. Darüber hinaus - und das haben wir der Mannschaft auch im Laufe der Rückrunde schon gesagt - kommt es einfach wieder darauf an, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Darauf, wie wir besser werden können, und nicht auf das ganze Drumherum.

Die Mannschaft hat es sich mit vielen Undiszipliniertheiten auch selbst schwergemacht. Haben Sie den Spielern noch einmal ins Gewissen geredet?

Nein. Ich bleibe dabei, dass wir keine Rambotruppe haben. In vielen Fällen haben wir mit noch mehr Engagement, Eifer und manchmal Übereifer versucht, das Ganze auf den richtigen Weg zu bringen, Luiz Gustavo ist ein Beispiel dafür. Carlos Eduardo ist ein eigener Fall. Er wird immer wieder attackiert, mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln. Er muss lernen, damit umzugehen, das heißt auch, sich in der einen oder anderen Situation noch früher vom Ball zu trennen.

Gab es in der Rückschau einen Grund für die vielen Verletzungen, oder war das einfach nur Pech?

Das hat sicher auch etwas mit unbedingt wollen zu tun, damit, auf Teufel komm raus die Spiele gewinnen zu wollen. Wir haben den einen oder anderen Zweikampf bestritten, in den andere Mannschaften gar nicht erst reingehen. Als Trainer ist es da schwer zu sagen: Haltet euch ein bisschen zurück.

Werden Sie weiter so offensiv und forsch spielen, oder muss die Mannschaft doch ökonomischer und abgeklärter zu Werke gehen?

Ich sehe keinen Grund, warum wir daran etwas ändern sollten. Wenn du bei so einer jungen Mannschaft plötzlich kommst und willst abgeklärter spielen und den Ball hinten zirkulieren lassen, dann regulieren wir uns zu Tode. Dann haben wir immer die Bremse drin.

Sie haben in Josip Simunic von Hertha BSC einen sehr erfahrenen Innenverteidiger geholt. Ist er für das Gefüge wichtiger als die anderen Zugänge?

Ich sehe das auch so. Die Innenverteidigung ist ja ein zentraler Bereich, in dem die Kommandos gegeben werden. Da ist es gut, wenn sich die anderen Spieler an jemandem orientieren können, wenn's mal bisschen stürmisch wird.

Viele sehen darin eine Abkehr von der Hoffenheimer Philosophie, auf junge, entwicklungsfähige Spieler zu setzen.

Von den sechs Neuen, die wir geholt haben, sind vier zwischen 18 und 22, seit Januar haben wir vier unserer erfahrensten Spieler abgegeben. Dass es da auch mal erlaubt sein muss, einen Spieler zu holen, der schon 31 ist oder 26 wie Christian Eichner, versteht sich von selber.

Von den beiden Fußballprojekten, über die Deutschland im vergangenen Jahr geredet hat, ist nur noch eines übrig geblieben - Ihres. Ist das ein gutes Gefühl?

Ich weiß nicht, ob die Bayern ein Fußball-Projekt waren, die sind nicht zu Unrecht Zweiter geworden und in der Champions League ins Viertelfinale gekommen. Wir versuchen, unseren eigenen Weg weiterzugehen und die nächste Entwicklungsstufe zu nehmen. Klar ist, dass wir die jetzige Mannschaft über die Saison hinaus nur zusammenhalten können, wenn wieder ein echter Entwicklungsschritt stattfindet. Es stecken einfach zu viele Spieler drin, die das Potential haben, auch bei internationalen Spitzenklubs zu spielen.

Hängt auch Ihre eigene Zukunft in Hoffenheim davon ab, ob der nächste Schritt gelingt?

Das ist doch bei allen so, die hier im Verein arbeiten. Unser Anspruch ist, dass wir uns weiterentwickeln. An etwas anderem sind wir gar nicht interessiert.

Das Gespräch führte Christian Kamp.

Quelle: F.A.Z.
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