Home
http://www.faz.net/-gtn-13f9i
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Im Gespräch: Manuel Neuer „Ich habe keine großen Schwächen“

10.08.2009 ·  Torwart Manuel Neuer über sein Schalker Gesicht, Felix Magaths Ausstrahlung, das Angebot der Bayern und den Kampf gegen die Rivalen bei der Nationalelf.

Artikel Bilder (7) Lesermeinungen (1)

Torwart Manuel Neuer über sein Schalker Gesicht, Felix Magaths Ausstrahlung, das Amgebot der Bayern und den Kampf gegen die Rivalen bei der Nationalelf.

Sie sind innerhalb von zwei Jahren vom Jugend- zum Führungsspieler mit Ambitionen Richtung Nationalelf avanciert, und das bei Schalke 04. Ihre Schultern müssen schon rot und blau angelaufen sein, weil viele Menschen daraufklopfen. Wie schwer ist so ein Aufstieg zu verkraften?

Es ging wirklich alles sehr schnell für mich. Aber als Spieler darf man über so etwas nicht groß nachdenken. Natürlich gibt es viele Schulterklopfer, aber die brauche ich nicht. Ich weiß, auf wen ich zählen kann, in der Familie und im Freundeskreis, ich hab mich ja nicht verändert. Ich kann meine Leistung nach den Spielen kritisch beurteilen, auch wenn sie mal nicht so berauschend war, dann habe ich kein Problem damit, offen darüber zu reden. Ich brauche keine Schlagzeilen wie „Neuer ist der Superheld“.

Trainer Felix Magath hat gesagt, Manuel Neuer sei das Gesicht des FC Schalke. Empfinden Sie so einen Ritterschlag als motivierend, oder wirkt er auch belastend?

Ich sehe das nicht als Belastung. Es ehrt mich, wenn der Trainer so etwas sagt. Aber man muss natürlich auch sehen, dass ich noch nie ein anderes Gesicht hatte als das Schalker, ich habe mit vier Jahren bei diesem Klub angefangen und seitdem nur für Schalke gespielt. Insofern passt das schon irgendwie.

Spätestens seit Ihrem Auftritt bei der U-21-Europameisterschaft gelten Sie auch für die A-Nationalmannschaft als Kandidat. Wie sehen Sie Ihre Chancen?

Die Situation ist noch offen. Das Trainerteam hat sich auf vier mögliche Torhüter festgelegt. In dieser Saison werden die Karten neu gemischt. Die Leute brauchen keine Angst zu haben, es wird so oder so ein guter Mann im Tor stehen.

Was halten Sie davon, dass Bundestrainer Löw für das Länderspiel gegen Aserbaidschan den Routiniers Enke und Wiese den Vorzug vor den jungen Torhütern Adler und Neuer gegeben hat?

Ich hätte mir natürlich gewünscht, dabei zu sein. Jetzt muss ich zusehen, dass ich in der Liga meine Leistung bringe und mich für weitere Maßnahmen empfehlen kann.

Sehen Sie eine Vorentscheidung?

Nein, ich denke, es ist noch nichts entschieden. Von den beiden Nominierten wird auch nur einer spielen können. Die Saison ist lang, und ich hoffe, dass ich meine Chance nutzen kann.

Kann ein Nationaltorwart sich seiner Sache noch so sicher sein wie früher, als die Position auf Jahre hinaus festgeschrieben war?

Nein. Der Fußball ist ja sehr schnelllebig geworden. Heutzutage scheut sich ein Trainer nicht mehr so, auch mal den Torwart zu wechseln. Das haben wir ja auch in der Nationalmannschaft schon gesehen. Es kann noch viel passieren. Aber es ist natürlich von Vorteil, wenn es irgendwann eine klare Nummer eins gibt, damit man sich für ein Turnier einspielen kann.

Lange war der Stammplatz im deutschen Tor eine Art Erbhof. Erst wenn die Nummer eins abgetreten ist, kam der Nächste zum Zug. War das falsch?

Was heißt falsch? Letztlich hängt es doch davon ab, welcher Torwart der bessere ist, da ist das Alter ganz egal. Auch ein Siebzehnjähriger kann der bessere sein. Ich hatte ja auch keine Bundesliga-Erfahrung, als ich mit neunzehn Frank Rost abgelöst habe. Das ist auch eine Frage, wie viel Mut der Trainer hat. Mirko Slomka hat diesen Mut in meinem Falle aufgebracht.

Was zeichnet eine moderne Nummer eins in Deutschland aus?

Sie muss natürlich Ausstrahlung besitzen. Aber inzwischen gehören zum Rundum-Paket eines Torwarts auch andere Dinge wie etwa die Fähigkeit, rauszukommen und mitzuspielen. Und man muss auch eine gewisse Statur haben. Insofern glaube ich, dass ich keine großen Schwächen habe, ich bin für meine 23 Jahre schon ein relativ kompletter Torwart. Mein Vorteil im Vergleich zu anderen könnte darin liegen, dass ich das Spiel sehr schnell mache und auch mit dem Ball am Fuß keine Probleme habe.

Derzeit findet ein ausführliches Torhüter-Casting statt, bei dem jeder Fehler öffentlich erörtert wird. Wie erhöht das den Druck?

Dieser Druck lastet auf jedem Spieler, der in der Nationalelf dabei sein will, gerade wenn ein großes Turnier ansteht. Wir müssen an jedem Spieltag mit Druck leben. Aber das macht mir nichts aus, ich mach' das ja schon achtzehn Jahre. Schon in der Jugend bei Schalke wollten die kleineren Vereine immer gegen uns gewinnen. Jetzt in der Bundesliga ist das natürlich noch mal was ganz anderes. Man sieht ja, dass ich nicht nervös bin, ob ich zu Hause vor 60.000 oder in Barcelona vor 90.000 Zuschauern spiele. Ich denke nicht an die Nationalmannschaft, wenn ich für Schalke spiele.

Es ist also für einen Torhüter nicht schwieriger als für Profis auf anderen Positionen?

Einen Unterschied gibt es schon. Als Torwart bist du der letzte Mann. Da ist der psychische Druck größer, damit muss man umgehen. Ich konzentriere mich auf das Spiel, egal, was drum herum passiert, ob da ein Flitzer auf den Platz rennt oder nicht.

Oliver Kahn hat immer polarisiert und provoziert, auch um sich selbst anzuspornen. Sie dagegen wirken immer ruhig.

Ob gegnerische Fans oder Spieler mich provozieren, damit befasse ich mich nicht. Wenn ich in der Kabine noch genug Zeit habe, blättere ich zum Beispiel in der Stadionzeitschrift, am liebsten im "Schalker Kreisel", da erfährt man ja auch einiges über den Gegner.

Interessiert Sie die Leistung Ihrer Rivalen - schauen Sie, wie haben Adler, Enke oder Wiese in ihren Vereinen gespielt?

Ich lege keinen besonderen Wert darauf, die anderen Torleute zu beobachten. Für mich steht meine eigene Leistung im Mittelpunkt.

Es gibt ja Torwart-Rivalen, die nicht mehr miteinander reden und sich so noch mehr auf den Zweikampf fokussieren wollen.

Ich bin auch nicht lieb und nett, das wissen die meisten Kollegen. Aber ich möchte vor allem mit meiner Leistung überzeugen. Ich mag keine linken Tricks und bevorzuge, mit meinen Kollegen zu reden. Warum sollte das normal Menschliche auf der Strecke bleiben?

Wären Ihre Chancen, in der Nationalelf zu spielen, größer, wenn Sie das Angebot des FC Bayern hätten annehmen können?

Ich hatte ja nicht viel Zeit, darüber nachzudenken. Ich war auf der Asien-Reise der Nationalmannschaft und danach bei der U-21-Europameisterschaft. Bei der EM hat man ja gesehen, dass man sich auf andere Dinge konzentrieren kann und muss. Mir ist vor allem wichtig, dass ich in Schalke einen Trainer habe, der voll hinter mir steht.

Wie beurteilen Sie den Einstand von Felix Magath als Trainer in Schalke?

Für die meisten Spieler ist das eine große Umstellung. Hier herrscht ein anderer Zug. Das war auch notwendig für unseren Verein.

Was heißt das?

Da sind jetzt klare Ansagen. Unser Trainer hat eine besondere Ausstrahlung, die einem großen Respekt einflößt. Er hat viel erreicht, und jeder Spieler weiß hier, dem kannst du nichts erzählen. Der hat als Trainer alles richtig gemacht.

Wie nehmen Sie Magaths Umbauarbeiten auch außerhalb der Mannschaft wahr?

Einige Leute hier haben sich ziemlich gewundert. Damit wir keine Probleme bekommen, sollte sich jetzt jeder hier anpassen.

Das Gespräch führten Michael Ashelm und Richard Leipold.

Quelle: F.A.S.
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche
Ergebnisse, Tabellen und Statistik