26.06.2009 · Christian Heidel ist nach dem Weggang von Jürgen Klopp der bekannteste Mann des Vereins. Beim Redaktionsbesuch bei der F.A.Z. erklärt er den neuen Trainer Andersen und sagt, wie sich der Aufsteiger behaupten kann.
Mainz 05 ist nach zwei Jahren in der Zweitklassigkeit in die Bundesliga zurückgekehrt - und taucht nun erstmals ohne die Galionsfigur Jürgen Klopp im Oberhaus auf. Umso wichtiger ist nun die Rolle des Managers Christian Heidel, der seit 18 Jahren in der wohl ungewöhnlichsten Führungsriege eines deutschen Fußballklubs mitwirkt. Seit Heidels Wahl in den Vorstand sind die gleichen handelnden Personen am Ruder des Klubs, alle kommen sie zudem aus Mainz.
Im FAZ.NET-Interview Spricht Heidel über Mainz 05 ohne Klopp, über die Perspektiven eines kleinen Vereins und fordert ein „Draufgehen wie die Stiere“ von seinen Spielern.
Täuscht der Eindruck, dass Sie das neue Gesicht von Mainz 05 sind, seit Jürgen Klopp nicht mehr da ist?
Das ist sicher nicht so. Auch wenn man davon ausgehen könnte, wenn man es allein daran bemisst, wie oft einer in der Öffentlichkeit präsent ist. Kloppo war in seiner Zeit hier das Gesicht des Vereins, seitdem bin ich etwas mehr in den Blickpunkt gerückt. Intern hat sich meine Rolle aber nicht geändert. Mainz 05 kann nicht über eine Person definiert werden.
Klopp wirkte bisweilen wie ein Alleinherrscher. War er das auch?
Das ist ein Riesentrugschluss aus der Ära Klopp. Es war nie so, dass er die Richtlinien intern bestimmt hätte. Jürgen war Trainer, Entertainer und hatte eine einzigartige Außendarstellung – aber er war nie alleine Mainz 05. Ich hatte auch zu keiner Zeit die Bedenken vieler 05-Sympathisanten, die den Verein vor dem Zusammenbruch gesehen haben, als Jürgen uns verlassen hat.
Er wurde also falsch gesehen?
Viele dachten, dass Kloppo hier morgens aufschließt, den Kaffee kocht, mit den Spielern redet, trainiert, beim ZDF nebenbei ein bisschen Fernsehen macht und anschließend nach Hause geht. Das war aber nie der Fall.
Mit dem neuen Trainer Jörn Andersen ist die Beziehung noch lange nicht so eng wie zu Klopp, hat er deshalb auch weniger Einfluss, bei der Verpflichtung neuer Spieler etwa?
Nein, wir haben immer als Verein gedacht. Die Zusammenstellung der Mannschaft ist Teamwork. Auch mit Jürgen war unsere Regelung: Wenn einer von uns beiden Zweifel hatte, haben wir den Transfer gelassen. Das ist mit Jörn Andersen genauso. Wir haben auch nie gesagt, dass Kloppo machen kann, was er will – und in jedem Fall Trainer bleiben wird. Ich habe ihm immer gesagt: Solange ich nicht den Eindruck habe, dass ein anderer die Probleme innerhalb der Mannschaft besser lösen kann als du, wirst du Trainer bleiben. Dieser Zeitpunkt war nie gekommen, auch wenn wir siebenmal hintereinander verloren oder neunmal nicht gewonnen haben. Ich bin kein Prophet, aber mit Jörn Andersen kann das natürlich ähnlich laufen.
Ist mit Jürgen Klopp auch das Besondere an Mainz 05 verschwunden?
Ich würde es nicht so sehen. Mainz 05 wird jetzt nicht mehr nur mit dem Kopf von Jürgen Klopp verbunden, sondern als Verein an sich erkannt. In einer aktuellen Studie stehen wir bei den Sympathiewerten vor vielen Traditionsvereinen, obwohl wir zwei Jahre in der zweiten Liga gespielt haben. Mainz ist auch ohne Klopp ein sehr beliebter Klub in Deutschland.
Hat der Verein noch ein Alleinstellungsmerkmal?
Es gibt keinen anderen Profiverein in Deutschland, der auf diese Kontinuität zurückblicken kann wie wir. Im Endeffekt sind alle entscheidenden Leute bei uns seit fast 20 Jahren im Verein. Und fast die komplette Führungsetage – Präsident, Manager, Finanzvorstand, Vizepräsident – kommt aus Mainz. Wo gibt es so was sonst noch?
Nur der Trainer ist Norweger. Gibt es keinen Mainzer, der gut genug wäre?
Ich hätte sicher nichts dagegen, auch irgendwann mal einen Mainzer zum Trainer zu machen – wenn denn einer da wäre, bei dem ich das Gefühl hätte, es funktioniert. Aber wenn man in der Bundesliga mitmischt, sucht man inzwischen bundesweit, eigentlich sogar weltweit.
Stimmt es, dass das Verhältnis zwischen Andersen und der Mannschaft in der Vergangenheit nicht immer gut war?
Diese Probleme habe ich nie gesehen. Jörn hat als Trainer natürlich einen anderen Ansatz als Kloppo, aber das haben wir damals auch gewollt. Wir wollten keine Kopie von Jürgen, weil wir das Original schon da hatten. Jürgen hat Einzelgespräche ohne Ende geführt, war ein Supermotivator und hatte auch in schlechten Zeiten große Autorität. Jörn ist wesentlich distanzierter – und das fand ich gut. Man darf nicht vergessen: Wir hatten einen herausragenden Erfolg in der abgelaufenen Saison.
Tritt man Andersen zu nah, wenn man ihn als sperrig bezeichnet?
Sperrig? Nein, vielleicht ist er nicht so kommunikativ. Aber er ist auch nicht der kühle Norweger, für den ihn viele halten. Er hat auf eine andere Art und Weise versucht, sich nach dem Weggang der Ikone Klopp hier zu positionieren. Aber er ist wahrlich keiner, der zum Lachen in den Keller geht.
Die A-Jugend Ihres Vereins steht im Endspiel um die deutsche Meisterschaft. Besteht über diesen Jahrgang die Chance, wieder mehr Mainzer in die Mannschaft zu integrieren?
Das ist eine Riesenchance für den Verein. Dieser Erfolg der A-Jugend ist für mich fast gleichzusetzen mit dem Bundesligaaufstieg der Profis. Vor zehn Jahren hat unsere A-Jugend noch auf einem staubigen Hartplatz gespielt, und wenn es gegen Kaiserslautern ging, war die alleinige Frage, ob wir fünf oder zehn Tore eingeschenkt bekommen. Es wäre natürlich fatal, wenn wir die Jungs aus diesem tollen Jahrgang alle gehen lassen würden.
Wird Mainz 05 bei seinen Voraussetzungen so oder so ein Pendelverein zwischen erster und zweiter Liga bleiben?
Die wirtschaftlichen Unterschiede in der Bundesliga sind riesengroß, die Zahl der Vereine, die weit weg sind von uns, wird immer größer. Insofern muss alles super laufen, um mehrere Jahre in der Bundesliga zu bleiben. Das wird das Problem bleiben von Vereinen wie Mainz, Freiburg, vielleicht auch Bochum. Wir wollen Mainz zu einem der 24 Topklubs in Deutschland machen – auch wenn das ein Pendeln zwischen erster und zweiter Liga beinhaltet. Das ist im Moment einfach die Realität.
Frustriert diese begrenzte Perspektive nicht?
Nein, es gibt wahrlich bitterere Dinge. Für uns ist es eine große Ehre, diese Rolle zu spielen. So spannend wäre es ja auch nicht, wie Hannover 96 zum Beispiel immer um Platz zehn herum zu pendeln. In den letzten Jahrzehnten haben die Leute hier immer Dramatik pur um Auf- und Abstiege erlebt. Für mich wäre es dann ein Problem, wenn man keine Weiterentwicklung sehen würde. 1991, als ich hier anfing, haben wir über 3.000 Zuschauer gejubelt und nie gewusst, wie wir am Saisonende die Lizenz bekommen sollen. Jetzt bauen wir ein neues Stadion, machen also einen Schritt voran. Die Wahrscheinlichkeit auf Profifußball erhöht sich dadurch.
Wie wird die sportliche Marschrichtung in der nächsten Saison aussehen?
In der zweiten Liga sind wir teilweise auf Mannschaften getroffen, die hinten nur ihr Bollwerk aufgebaut haben, weil sie um unsere spielerische Stärke wussten. Das wird jetzt nicht mehr der Fall sein. Ich glaube, in der Bundesliga tun wir uns leichter, da werden wir mehr Räume bekommen. Wir müssen den etablierten Bundesligisten weh tun wollen und brauchen wieder Spieler, die mehr über ihre Kampfkraft, Laufbereitschaft und den unbedingten Willen kommen. Wir müssen draufgehen wie die Stiere.
In letzter Zeit haben viele größere Vereine neue Manager gesucht. Wie schätzen Sie Ihren Stellenwert ein – und wissen Sie, ob Sie im Gespräch waren?
Ich hatte mehr als einmal die Möglichkeit, mir andere Dinge anzuhören. Ich habe mich dann aber entschieden, in Mainz zu bleiben. Viele Leute glauben, dass ich mit Mainz 05 verheiratet bin, was natürlich nicht ganz abwegig ist. 17 Jahre bei einem Klub ist sicherlich nicht alltäglich. Ich kenne hier jeden, es macht mir großen Spaß, aber ich will trotzdem nicht völlig ausschließen, dass ich auch mal was anderes mache. Bei Kloppo war es ja am Ende ähnlich. Dieser Zeitpunkt ist aber noch lange nicht gekommen. Zumal ich natürlich auch weiß, dass ich die Rolle, die ich hier habe, nirgendwo anders bekommen werde.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 21 | 32 | 46 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 21 | 35 | 44 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 21 | 22 | 43 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 21 | -1 | 33 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 21 | 0 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
Hamburger SV | 21 | -8 | 26 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 21 | -2 | 25 | ![]() |
| 12. | ![]() |
1. FC Köln | 21 | -12 | 24 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 21 | -6 | 23 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 21 | -12 | 22 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 21 | -11 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 21 | -11 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 21 | -14 | 18 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 21 | -20 | 17 | ![]() |