09.02.2010 · Jan Schindelmeiser ist neben Mäzen Hopp und Trainer Rangnick der dritte Kopf der TSG Hoffenheim. Der 46-Jährige arbeitet seit 2006 beim Bundesligaklub, seit 2009 als Manager und Geschäftsführer. Vor dem DFB-Pokalviertelfinale in Bremen am Abend spricht er über den Aufstieg und den Fall seines Klubs.
Jan Schindelmeiser ist neben Mäzen Hopp und Trainer Rangnick der dritte Kopf der TSG Hoffenheim. Der Sechsundvierzigjährige arbeitet seit 2006 beim Bundesligaklub, seit 2009 als Manager und Geschäftsführer. Im Interview spricht er über Aufstieg und vor allem Fall seines Klubs.
Als Aufsteiger war Hoffenheim 2009 der Überflieger der Bundesliga. Der Herbstmeister der vorigen Saison endete auf Platz sieben. Im Moment scheint der Klub im Bundesliga-Mittelmaß festzustecken. Wo ist der Klub wirklich zu verorten?
Wir bleiben unserer Linie treu, die hat uns stark gemacht. Dazu gehört auch, die aufkommende Kritik für die zuletzt unbefriedigenden Resultate auszuhalten. Die gegenwärtigen Schwierigkeiten haben damit zu tun, dass einige unserer Spieler im Januar beim Afrika-Cup waren, andere unserer im ersten Bundesligajahr besten Spieler lange verletzt waren und noch weit entfernt von ihrer besten Verfassung sind – körperlich wie mental. Das führt in der Summe dazu, dass wir derzeit deutlich weniger Substanz auf dem Platz haben als potentiell möglich. Der aktuelle Tabellenplatz spiegelt unsere zuletzt gezeigten Leistungen. Wenn uns jemand attestiert, dieser neunte Tabellenplatz sei Mittelmaß, habe ich damit kein Problem. Aber nur als Momentaufnahme.
In der Hoffenheimer Hochphase war der Hype um die Spieler groß. Sind dadurch falsche Begehrlichkeiten geweckt worden?
Tatsächlich haben einige Jungs, hier und da angesprochen von anderen Vereinen, auch ein anderes Bild von sich selbst bekommen. Ist doch nachvollziehbar. Darunter sind möglicherweise auch Anfragen gewesen, mit denen die anfragenden Vereine gar keine ernsthaften Absichten verbanden, einen unserer Spieler zu verpflichten. Manches diente also der Verunsicherung, was uns nicht wirklich überrascht hat. In solchen Phasen ist die Gefahr groß, den Fokus zu verlieren.
Ist das Zusammengehörigkeitsgefühl der Spieler nach dem Traumstart in das Abenteuer erste Liga inzwischen ramponiert?
Diese Geschlossenheit zu bewahren ist eine anspruchsvolle Aufgabe. In Phasen des Misserfolgs werden das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Nähe untereinander auf eine Bewährungsprobe gestellt. Es kann nicht immer so intensiv sein wie in der Hoch-Zeit unserer ersten Bundesliga-Saison. Ich sehe aber, dass unsere Spieler gerade gerade jetzt wieder enger zusammenrücken.
Die richtige Mitte zu finden scheint in diesem vielleicht doch etwas anderen Klub manchmal das Problem. Wie schwierig ist es, die Hoffenheimer Normalität beim Namen zu nennen, wenn drum herum das Außergewöhnliche erwartet wird?
Wir haben die Messlatte 2008 extrem hoch gelegt und eine Erwartungshaltung generiert, der gerecht zu werden äußerst anspruchsvoll ist. Unsere Idee vom Fußball kommt der Art und Weise sehr nahe, wie wir ihn im Jahr 2008 gespielt haben: aggressive, offensive Vorwärtsverteidigung, schnelles Spiel mit wenigen Ballkontakten, kompaktes Auftreten der gesamten Elf in der Vorwärts- und Rückwärtsbewegung. Das ist für uns eine Art Orientierung. Wir wissen natürlich, dass es gefährlich ist, diese Vergleiche in der Vergangenheit zu suchen.
Das heißt?
Wir müssen unsere Energien in die Gegenwart und Zukunft investieren. Und wir wollen uns verbessern. Meistens dann, wenn man glaubt, einen bestimmten Zugang zum erfolgreichen Spiel gefunden zu haben und meint, das hält fünf Jahre, wird die Gefahr größer, rechts und links überholt zu werden. Schließlich entwickeln sich die anderen Vereine auch weiter. Insofern hilft der Blick zurück nicht wirklich.
Haben Sie auch Fehler gemacht?
Ja, selbstverständlich. Natürlich hat auch bei uns nicht jeder Transfer die Mannschaft sofort weitergebracht. Die Geschichte um Prince Tagoe haben wir nicht gut geschrieben. Vielleicht haben wir auch nicht immer richtig transportiert, was uns wichtig ist. Entscheidend ist, dass wir Fehler nicht wiederholen.
Wie soll der Weg zurück zu alter Stärke aussehen?
Was wir brauchen, sind Tore und Siege. Auf dem Weg dorthin benötigen wir konsequentes Weiterarbeiten, kleine Erfolgserlebnisse im Zusammenspiel der Mannschaft, einfache Dinge, die uns voranbringen, den Mut zum Risiko wieder vergrößern und das Selbstvertrauen erhöhen.
Wie schwierig ist dieser Prozess für Trainer Ralf Rangnick, der ja schon einmal weiter war mit diesem Team?
Wir können in aller Ruhe weiterarbeiten. Ohne Ralf Rangnick wäre die Entwicklung der vergangenen dreieinhalb Jahre nicht möglich gewesen. Unsere Reihen sind fest geschlossen. Bei einer jungen Mannschaft besteht immer die Gefahr, dass sie größeren Schwankungen ausgesetzt ist. Insbesondere, wenn eine Reihe wichtiger Spieler nicht zur Verfügung stehen.
An diesem Dienstag findet ein besonders wichtiges Spiel statt. Mit einem Sieg bei Werder Bremen im DFB-Pokalviertelfinale können Sie die Tür zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb ein Stück weit aufstoßen.
Wir setzen unsere Spieler nicht unter Druck. Das internationale Geschäft steht für uns derzeit nicht im Fokus. Jetzt ist es eher kontraproduktiv, mit den Spielern darüber zu sprechen. Aber ein Erfolg in Bremen hätte sicher einen positiven Einfluss auf die folgenden Bundesligaspiele.
Viele glauben, dank der Millionen Ihres Mäzens Dietmar Hopp könne Hoffenheim sich mehr Investitionen als fast jeder andere deutsche Klub leisten.
Wir bewegen uns in einem vorher genau abgestimmten Rahmen, der so abgesteckt ist, dass wir Planungssicherheit haben. Unser Etat bewegt sich in der Mitte der Bundesliga. Wir sind aber auch ein Wirtschaftsunternehmen. Es ist unsere Aufgabe, den sportlichen und den wirtschaftlichen Teil in der Balance zu halten. Wir haben hier tolle Bedingungen und auch sehr viel investiert, etwa in das neue Sinsheimer Stadion oder in unser neues Trainingszentrum in Zuzenhausen. Es entspricht unserem Selbstverständnis, einen Teil dieser Investitionen zurückzuführen in Richtung Dietmar Hopp. Die Zusammenarbeit mit ihm ist überaus angenehm. Er schenkt uns ein unglaubliches Vertrauen und unterstützt uns, wo immer möglich.
Bleiben Sie auch in Zukunft Ihrem Jugendtrend treu?
Wir sind an einem Punkt, an dem wir uns fragen müssen, ob wir ein Ausbildungsverein auf hohem Niveau bleiben wollen. Weiterhin fast nur Achtzehn- bis Zweiundzwanzigjährige verpflichten und dennoch dem Druck ausgesetzt zu sein, kurzfristig einen internationalen Wettbewerb zu erreichen, ist ein fast unmöglicher Spagat. Wenn wir dann mal einen älteren Spieler wie den 32 Jahre alten Jo Simunic verpflichten, wird sogleich die Frage gestellt: Ist das jetzt ein Paradigmenwechsel? Das ist ein klein wenig unfair gegenüber unserer bisherigen Personalpolitik. Die ist auch nicht in Stein gemeißelt. Wir werden weiterhin versuchen, die passenden Talente zu finden und sie zu sehr guten Bundesligaspielern zu machen. Höhere kurzfristige Ansprüche hätten selbstredend Einfluss auf die Kaderplanung. Ich bin sicher, wir werden eine gute Balance finden.
Wie also soll die Zukunft aussehen?
Oberste Priorität hat die Sicherung des Standorts. Wir müssen uns zunächst in der Bundesliga etablieren. Schwierig genug, wie man sieht. Vieles ist an der Erwartungshaltung orientiert. Die ist auch bei uns relativ hoch. Wir möchten diese Erwartungen ungern enttäuschen. Wir lassen sie uns aber auch nicht von außen diktieren. Fußball ist ein relativer Wettbewerb. Es geht darum, etwas besser zu sein als die anderen. Als Beispiel könnte Schalke 04 genannt werden. Es ist beeindruckend, was dort gerade geschieht. Die Schalker spielen eigentlich einen ganz simplen, beinahe durchschaubaren Fußball – den aber fast perfekt.
Nehmen Sie sich den neuesten Schalker Weg zum Vorbild?
Nein. Wir haben unsere eigene Linie. Wir haben unsere eigenen Vorstellungen und setzen diese konsequent um. Am Ende aber ist auch bei uns der Erfolg das entscheidende Kriterium. Auch wir müssen deshalb unsere Position immer wieder überdenken. Manchmal hilft ein Blick in die Geschichte. So hat Napoleon vor jeder seiner Schlachten einen exakten Plan ausgearbeitet und war sich doch darüber im Klaren, dass im Verlauf vieles anders kommen würde. Wenn wir aber keinen Plan haben, werden wir zum Spielball der Einflüsse um uns herum.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 22 | 33 | 49 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 22 | 23 | 46 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bayern München | 22 | 35 | 45 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 22 | 1 | 36 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 22 | 3 | 34 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 22 | -2 | 26 | ![]() |
| 11. | ![]() |
Hamburger SV | 22 | -10 | 26 | ![]() |
| 12. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 22 | -11 | 25 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 22 | -6 | 24 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Köln | 22 | -13 | 24 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 22 | -12 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 22 | -12 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 22 | -17 | 18 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 22 | -20 | 18 | ![]() |