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Dienstag, 14. Februar 2012
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Im Gespräch: Dortmunds Neven Subotic „Powerbar statt Kinderriegel - hört sich besser an“

02.09.2008 ·  Neven Subotic hat bei beiden Dortmunder Siegen in dieser Saison den entscheidenden Treffer erzielt - erstaunlich für einen Spieler, der vor kurzem noch in einem Park in Florida kickte. Im Gespräch mit FAZ.NET spricht er über Powerriegel und Dortmunder Euphorie.

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Neven Subotic ist die Entdeckung der ersten drei Spieltage. Der 19 Jahre alte Innenverteidiger hat nach seinem Wechsel von Mainz 05 zu Borussia Dortmund nicht nur auf Anhieb einen Stammplatz erobert, sondern auch maßgeblichen Anteil am starken Saisonstart der Borussen.

Subotic, der Trainer Jürgen Klopp aus Mainz folgte und fast fünf Millionen Euro Ablöse kostete, hat bei den beiden Dortmunder Siegen den entscheidenden Treffer erzielt. Eine erstaunliche Bilanz für einen Spieler, der vor vier Jahren noch in einem Park in Florida gekickt hat. Im Gespräch mit FAZ.NET spricht Subotic über Powerriegel, Dortmunder Euphorie und Überlegungen bezüglich einer Nationalmannschaft.

Herr Subotic, es ist Länderspielwoche. Haben Sie da als Nicht-Nationalspieler Zeit für ein Interview?

Ja, wir haben heute frei.

Das haben Sie sich mit dem guten Saisonstart verdient, oder?

Ja, ich denke schon. Wir haben sieben Punkte in drei Spielen. Darauf kann man aufbauen.

Sie sind der Shootingstar bei der Borussia und vielleicht sogar in der Bundesliga. Sie haben als Neuzugang gute Spiele in der Innenverteidigung abgeliefert und außerdem bei beiden Saisonsiegen die Siegtreffer erzielt. Geht es noch besser?

Es ist für mich bislang traumhaft gelaufen. Ich kann aber noch viel mehr, als ich bisher gezeigt habe.

Gemeinsam mit Ihrem ebenfalls 19 Jahre jungen Innenverteidigerkollegen Mats Hummels wurden sie von den Medien als „Kinderriegel“ getauft. War das etwas despektierlich?

Wir sind halt beide jung. Ich habe das nicht als Beleidigung empfunden. Jetzt wurden wir aber vom Kinderriegel zur Powerbar umbenannt - das hört sich besser an.

Powerriegel klingt nach Unbezwingbarkeit. Haben Sie Angst vor schwächeren Phasen in der Saison?

Mats und ich werden auch mal Fehler machen. Wichtig ist dann nur, dass wir daraus lernen. Es darf uns dann nicht interessieren, was die Zeitungen schreiben. Wenn ein junger Spieler Fehler macht, wird das in den Medien immer sofort auf die Jugend und das fehlende Alter geschoben. Bei einem alten Spieler ist es dann nur ein schlechter Tag. Wir Jungen müssen auch schlechte Tage haben dürfen, ohne dass an unserer Fähigkeit gezweifelt wird.

Man denkt aber nun mal gemeinhin, dass gerade Innenverteidiger Erfahrung und Routine brauchen. Da verwundert es schon, dass Jürgen Klopp zwei jungen Spielern vertraut. Worauf kommt es als Innenverteidiger an?

Auf gute Ausbildung. Du musst ganz exakt, vielleicht noch viel genauer als auf allen anderen Positionen wissen, wie Deine Laufwege funktionieren. Mats wurde bei Bayern München ausgebildet. Er weiß deshalb seit zwei, drei Jahren, wo er hin zulaufen hat. Ich habe das in Mainz gelernt und lerne immer noch jeden Tag aus meinen Fehlern. Mats macht das genauso.

Sind Sie ein Duo mit Zukunft?

Wir haben keine Abstimmungsprobleme, deshalb spiele ich extrem gerne neben Mats. Wie lange wir zusammen spielen, werden wir sehen. Mats Hummels ist von den Bayern nur ausgeliehen bis zum Saisonende. Deshalb will ich erst einmal dieses Jahr genießen. Aber es wäre wohl schön, wenn das so weiterginge.

Sie beide kommen natürlich auch so gut zurecht, weil Dortmund so gut wie seit Ewigkeiten nicht mehr in eine Saison gestartet ist. Herrscht Aufbruchstimmung durch den neuen Trainer Jürgen Klopp?

Ja, zum großen Teil liegt das an „Kloppo“. Die Leute haben ihn sofort in ihr Herz geschlossen. Er ist sehr gut aufgenommen worden.

War es auch für Sie die Grundlage, dass Ihr „Ziehvater“ Klopp gut zurechtkommt?

„Kloppo“ ist nicht mein Ziehvater, sondern mein Trainer, mit dem ich sehr gerne zusammenarbeite und bei dem ich sehr viel lernen kann. Ohne seinen Wechsel wäre ich sicher nicht hier, ich käme dann aber auch zurecht.

Was macht Dortmund für Sie besonders?

Alles ist größer als vorher in Mainz. Im Stadion ist es noch lauter, weil einfach vier Mal so viele Menschen reinpassen. Das Trainingsgelände ist umzäunt.

Ziemlich viel Veränderung auf einmal für einen Neunzehnjährigen …

Sicherlich. Aber mein Leben hat sich trotzdem nicht geändert.

Fühlen Sie sich manchmal noch im Traum. Vor vier Jahren haben Sie schließlich noch in Florida in einem Park gekickt, wohin sie mit ihren Eltern nach der Flucht vor dem Balkan-Krieg und einem mehrjährigen Aufenthalt in Deutschland geflohen sind ...

Wenn das jetzt in den Medien steht, hört sich das immer so an, als ob ich erst mit 16 angefangen hätte ernsthaft zu trainieren. Das stimmt so nicht: In den Staaten fehlt einfach die in Deutschland übliche Ligenstruktur. Deshalb bin ich nach ein paar Versuchen mit schlaff organisierten Soccer-Clubs lieber meinen eigenen Weg gegangen und habe eben in Parks jeden Tag gute Mitspieler gesucht. das hat mich geprägt.

Und eines Tage sind sie dort einem Co-Trainer der amerikanischen Junioren-Nationalmannschaft aufgefallen, der Ihnen über das Nachwuchsteam den Weg zum Profi geebnet hat. Da hatten Sie Glück, oder?

Sicher braucht man auch Glück. Aber ich hätte sonst einen anderen Weg gefunden, um Profi zu werden.

Wie viel Glück braucht Dortmund, um oben dran zu bleiben?

Es herrscht im Team eine richtige Aufbruchstimmung. Die Neuzugänge sind richtig gut in die Mannschaft gekommen, die älteren Spieler waren auch richtig geil auf die neue Saison. Niemand wollte mehr eine Saison erleben wie im vergangenen Jahr. Bei aller Euphorie rund um unsere Mannschaft müssen wir aber aufpassen, dass die Fans und das Umfeld nicht abheben.

Das kann aber schnell passieren, wenn Sie in zwei Wochen gegen Schalke gewinnen …

Das wird ein richtig heißes Spiel. Ich freue mich total darauf, weil es noch mal größer ist als die Derbys, die ich mit Mainz 05 gespielt habe. Das wird richtig geil. Beim ersten Derby will ich mich auch den Fans beweisen, weil es denen wichtiger ist als ein Sieg gegen Cottbus.

Sie wollen also wieder das Siegtor schießen?

Das will man wohl immer. Aber ich freue mich genauso, wenn wir ohne mein Tor gewinnen.

Diese Woche sind eine ganze Menge Ihrer Mannschaftskollegen bei Nationalmannschaften, Ihr Innenverteidigerkollege Mats Hummels bei der U21. Ist es nicht komisch, dass Sie in Dortmund sind?

Nein, das passt ganz gut. Ich muss eh Möbel kaufen.

Sie haben ja schon mal für Juniorenteams der Vereinigten Staaten gespielt, sie könnten aber auch für andere Verbände ran. Haben Sie trotz Ihres guten Starts in die Saison keine Einladung bekommen?

Ich bekomme immer wieder Einladungen.

Von welchen Verbänden?

Das verrate ich nicht.

Es sind aber mehrere Verbände, für die Sie spielen könnten?

Ja, ich hatte schon Briefe von verschiedenen Verbänden im Briefkasten.

Darf Ihnen auch der DFB Briefe schicken?

Dazu kann ich nichts sagen.

Für welchen Verband spielen Sie irgendwann einmal?

Das werden wir sehen. Vorläufig konzentriere ich mich auf meinen Verein.

Sie müssen sich erst mit 21 entscheiden, bei welchem Verband Sie eine Nationalmannschaftskarriere in Angriff nehmen wollen. Werden Sie diese Saison also noch gar kein Nationaltrikot überstreifen?

Ich will nicht ausschließen, dass ich mich schon dieses Jahr entscheide. Mehr will ich dazu aber nicht sagen.

Das Gespräch führte Daniel Meuren.

Quelle: FAZ.NET
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