Carlos Prada kam als Zuschauer zum Zweitligaspiel zwischen Oberhausen und Osnabrück (siehe: 2. Bundesliga am Freitag: Rostock kommt nicht von der Stelle) und ging als Linienrichter. Als ein Schiedsrichterassistent im Spiel krank wurde, kam Prada zum unverhofften Einsatz. Die geliehenen Schuhe passten nicht, seine Sache machte er trotzdem gut.
Sie kamen am Freitagabend als Zuschauer zum Fußball-Zweitligaspiel Rot-Weiß Oberhausen gegen den VfL Osnabrück. Nach dem Seitenwechsel standen Sie plötzlich als Linienrichter auf dem Rasen. Was war passiert?
Einer der Assistenten konnte wegen Kreislaufproblemen nicht weitermachen. Dann kamen relativ schnell die ersten Durchsagen, es wurde nach einem Linienrichter gefahndet. Aber ich bin niemand, der sich in den Vordergrund drängen wollte. Also bin ich auf meinem Platz sitzen geblieben. Beim zweiten Aufruf aber wurde plötzlich mein Name genannt, ich sollte nach unten in den Innenraum kommen. Die wussten, dass ich im Stadion bin; ich hatte den Schiedsrichterbetreuer von Oberhausen vor dem Spiel getroffen.
Und wie ging es weiter?
In der Schiedsrichterkabine hat man mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, in diesem Spiel zu assistieren. „Natürlich“, habe ich geantwortet. Dann habe ich mich umgezogen, das Hemd von einem Kollegen bekommen, die Schuhe von einem anderen. Es gab eine kurze Absprache, und dann sind wir raus ins Stadion.
Passten Ihnen denn die Schuhe?
Nicht so richtig. Ich habe sehr kleine Füße. Aber wenn man die Schuhe fest genug schnürt, ist das kein Problem.
Dürfen Sie überhaupt in der zweiten Liga zum Einsatz kommen?
Eigentlich nicht. Ich dürfte als Assistent nur bis zur höchsten Verbandsebene tätig sein, bei uns ist das die Niederrheinliga. Ich habe aber auch schon in der Regionalliga in Braunschweig vor 17.000 Fans an der Linie gestanden. Momentan leite ich noch Spiele bis zur Bezirksliga. Einfach, um ein bisschen dabei zu sein. Trotzdem haben mich die Mannschaften am Freitagabend akzeptiert, das Spiel musste ja irgendwie weitergehen.
Das Spiel in Liga zwei ist wesentlich schneller als jenes in der Bezirksliga. War das ein Problem für Sie?
Ein Problem ist das nicht, aber eine große Herausforderung. An eine Szene erinnere ich mich. Über rechts lief ein Angriff der Oberhausener, der frisch eingewechselte Spieler war richtig schnell – da kam ich nicht hinterher. Da versucht man dann nur noch so nah wie möglich auf Ballhöhe zu sein. Am Ende war ich froh, keine entscheidenden Fehler begangen zu haben.
Sie bekommen für Ihren Einsatz nun sicher auch noch ein bisschen Geld, oder?
Das weiß ich nicht, ist mir aber auch egal.
Haben Sie denn ein Erinnerungsstück erhalten?
Es gab ein Handtuch von Rot-Weiß Oberhausen.
Und Sie haben Applaus bekommen, der Osnabrücker Spieler Thomas Reichenberger hat Sie sehr gelobt.
Das habe ich alles nicht mitbekommen. Aber es ging auch nicht um mich. Es ging darum, die Partie vernünftig zu Ende zu bringen. Und vor allem war es wichtig, dass es dem Kollegen schnell wieder besser ging.
Wie haben Sie in der Nacht danach geschlafen?
Relativ gut. Ich bin ein unaufgeregter Mensch.
Wie geht es weiter?
Heute stehe in der Bezirksliga in Wachtendonk auf dem Platz. Da freue ich mich sehr drauf. Die Bezirksliga ist meine Bundesliga.