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HSV Zum Rapport bestellt

14.07.2009 ·  Die HSV-Führung trat zum Didi-Gipfel an. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung mussten sich Vorstandsboss Hoffmann und Aufsichtsratschef Becker heftige Kritik anhören. Der Abschied von Dietmar Beiersdorfer erregt noch die Gemüter der Fans.

Von Frank Heike, Hamburg
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Worum es ging, beschrieb der Vorsitzende der Fanvereinigung „Supporters“ ganz unbescheiden: „Wir haben den Aufsichtsrat zum Rapport bestellt.“ Es klang hochtrabend, was Ralf Bednarek am Montagabend sagte. Doch letztlich war es so. 1963 Mitglieder kamen ins Hamburger Kongresszentrum; die Veranstaltung begann 25 Minuten später als geplant – mit einem solchen Andrang hatte keiner gerechnet. Sie sehnten sich nach Aufklärung in einer Sache, die den HSV zum Pausenclown der fußballfreien Zeit gemacht hatte: die undurchsichtige Trennung von Sportchef Dietmar Beiersdorfer (siehe: Hamburger SV: Die Pausenclowns der Fußball-Bundesliga).

Bei keinem anderen Klub der Fußball-Bundesliga greifen die Fans so munter in die Vereinsführung ein wie beim basisdemokratischen HSV. So wurde dieses Mal eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, die ursprünglich noch schlicht „Informationsveranstaltung“ geheißen hatte. Der „Didi-Gipfel“ dauerte fast vier Stunden. Mit Kritik wurde an diesem turbulenten Abend nicht gespart: Könnten sich die Fans die Führung ihres Klubs neu zusammenstellen, aus der aktuellen Mannschaft wäre wohl keiner mehr dabei.

Rücktrittsforderungen gegen Aufsichtsratschef

Die Mehrheit der Anhänger war mit der Arbeit des ehemaligen Sportchefs zufrieden gewesen (vor allem mit dem Transferüberschuss); umso überraschender kam für sie sein Ende nach Streitigkeiten mit Vorstandschef Bernd Hoffmann um Kompetenzen und die Ausrichtung vor drei Wochen. Ende Juni hatten sich die Aufsichtsräte mit neun zu drei Stimmen gegen eine Weiterbeschäftigung Beiersdorfers entschieden. (siehe: Beiersdorfer verlässt den HSV: Rückzug der Integrationsfigur: ) Im Mittelpunkt der Kritik stand deshalb der Chef des Kontrollgremiums, Horst Becker. Ihm wurde schlechtes Krisenmanagement und ungeschickte Öffentlichkeitsarbeit vorgeworfen. Becker versicherte, dass Beiersdorfer nicht zum Weitermachen zu überreden gewesen sei: „Dietmar wollte bereits aufhören, als er das Gespräch mit mir suchte. Ich habe ihn gefragt: Gibt es eine Chance, dich zu halten? Er sagte nein.“

Becker versuchte es mit Offenheit, skizzierte die Tage bis zur Trennung von Beiersdorfer, trotzdem forderten einige Fans seinen Rücktritt. Dem kam er nicht nach: „Meine elf Kollegen stehen hinter mir“, sagte Becker. Beiersdorfer, zurzeit mit seiner Frau im Türkei-Urlaub, hatte vor allem geklagt, dass Hoffmann in seine Belange eingreife, indem er etwa Jugendarbeit und Scouting kritisiere. Allerdings hatte Beiersdorfer zuletzt auch amtsmüde und ausgebrannt gewirkt, so dass man das Gefühl nicht loswurde, ihm könnte es an Energie für ein achtes Jahr beim HSV gefehlt haben.

Transfers zur Beschwichtigung

Der Vorstandschef musste sich um kurz nach halb zehn einige „Hoffmann raus!“-Rufe gefallen lassen. Doch in solch brenzligen Situationen zeigt er meist seine Fähigkeiten. Hoffmann antwortete ausführlich, er entschuldigte sich für einige Äußerungen (er hatte die Scoutingabteilung Geldvernichtungsmaschine genannt) und stellte sich als jemand dar, der jeden Tag dazulernen wolle: „Ich bin ein emotionaler Mensch. Das alles geht nicht spurlos an mir vorbei.“ Manchmal neigt er im Übereifer zum Nachtreten. Dieses Mal beließ er es bei einer Andeutung: „Dietmar Beiersdorfer hat es in sieben Jahren der Zusammenarbeit nicht geschafft, mir einmal persönlich zu sagen, was ihm nicht passt.“ Verglichen mit der Kritik an den Räten, verlief der Abend für den kämpferisch auftretenden Vereinsboss glimpflich.

Hoffmann hatte die Wogen in den Tagen vor der Versammlung mit einigen interessanten Einkäufen geglättet: Zé Roberto von den Bayern als Überraschung, Robert Tesche aus Bielefeld als Potentialkandidat und Elia Eljero von Twente Enschede als umworbenes Talent. Mit dem Torschützenkönig der jüngsten U21-EM, dem Schweden Marcus Berg, ist sich der HSV einig; es geht noch um die Ablösesumme für den abgebenden Klub, den FC Groningen. Kommen soll noch mindestens ein Verteidiger – im Gespräch ist der Schweizer Nationalspieler Philippe Senderos, zuletzt vom FC Arsenal an den AC Mailand ausgeliehen.

Nachfolger mit Stallgeruch?

Am Montag ging es noch um die Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit, um die Verwerfungen, die der HSV mit den Abgängen der zentralen Figuren Jol und Beiersdorfer hinter sich hat. Ab sofort soll es wieder um Gegenwart und Zukunft gehen. Aus dem Trainingslager in Längenfeld gibt es nur lobende Worte zum akribischen Arbeiter Bruno Labbadia, und der neue Chefcoach soll sich auch bald wieder auf seine wichtigste Aufgabe konzentrieren können.

Denn der HSV will unbedingt mit einem neuen Sportchef in die Saison gehen. Dabei könnte es eine interne Lösung geben, sollte der derzeitige Klub-Manager Bernd Wehmeyer zum Sportchef aufsteigen. Ein anderes Modell wäre, den ehemaligen HSV-Profi Nico-Jan Hoogma zu verpflichten. Beide haben „Stallgeruch“ – ein großer Vorteil in den Augen der „Supporters“.

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