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Veröffentlicht: 04.01.2016, 12:12 Uhr

Horst Heldt als „lame duck“ Entenjagd nach Schalker Art

Lahm, aber reich: In wenigen Monaten soll Horst Heldt Schalke 04 verlassen. Vorher will er noch mindestens einen Transfererfolg liefern – muss zunächst aber die Angriffe zahlungskräftiger Konkurrenten aus England abwehren.

von Richard Leipold, Gelsenkirchen
© Picture-Alliance Welche Ziele verfolgt Horst Heldt noch mit Schalke 04?

Horst Heldt wird beim FC Schalke 04 in ein paar Monaten Geschichte sein. Der Aufsichtsrat beabsichtigt, den Vertrag mit dem Sportvorstand nicht zu verlängern. Dennoch hat Heldt den Auftrag, die Mannschaft in dieser Winterpause fit zu machen für die Zukunft. Von vielen als „Lame Duck“ eingeschätzt, ist er derzeit auf dem Transfermarkt unterwegs, einem Gebiet also, auf dem er in den vergangenen fünf Jahren mit mäßigem Erfolg gearbeitet hat. Seine Bilanz: getrübt durch Fehleinkäufe wie Kevin-Prince Boateng, Sidney Sam, Chinedu Obasi, Felipe Santana und Adam Szalai.

Dennoch hat der Aufsichtsrat dem Manager für dessen letzte Transferperiode „auf“ Schalke einen Etat von angeblich fünfzehn Millionen Euro bewilligt – nicht besonders viel gemessen an dem, was europäische Spitzenklubs auszugeben pflegen, aber doch ein hübsches Sümmchen für einen Bundesligaverein, der nicht an der Champions League teilnimmt. Trotz der weiterhin hohen Schuldenlast verfügt der Revierklub über diese Mittel, weil der Erlös für den Verkauf des Mittelfeldstars Julian Draxler (mehr als dreißig Millionen Euro) noch nicht investiert worden sind – und nun auch noch der englische Premier-League-Klub Manchester City angeblich 55 Millionen Euro für Stürmer Leroy Sané hinblättern will.

Schwieriger Start in Transferperiode

Auch wenn der Manager bald nicht mehr erwünscht ist im Klub, sieht er sich in der Verantwortung - und in der Position, im Einvernehmen mit dem Trainer frei über die Verwendung der fünfzehn Millionen Euro zu befinden. „Andre Breitenreiter und ich entscheiden, welche Spieler wir verpflichten. Es bedarf keiner großen Aktion, jemanden zu fragen, was wir mit diesem Budget machen“, sagt er. Trotz aller Freiheiten, die Heldt sich bis zum Ende seiner Dienstzeit ausbedungen haben mag, gestaltet sich der Start in die Transferperiode schwierig. Kurz vor dem Abflug ins Trainingslager nach Florida hatten die angestrebten Verpflichtungen das Versuchsstadium noch nicht verlassen.

Die Verpflichtung von, Renato Augusto, als Königstransfer geplant, ist geplatzt. „Der Transfer ist vom Tisch, seine Gehaltsforderungen waren nicht erfüllbar“, sagt Heldt. Der Brasilianer, zuletzt bei Corinthians in Sao Paulo beschäftigt, hatte zwischen 2008 und 2012 für Bayer Leverkusen gespielt und hätte der Offensive des FC Schalke vermutlich ohne Anlaufzeit Schwung verleihen können.

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Unabhängig von der Absage ist Heldt um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Er muss seinen aktuellen Arbeitsauftrag unter erschwerten Bedingungen ausführen, wie sie kaum ein Bundesligamanager bei einem derart ambitionierten Verein je vorgefunden hat. Zwar betont Heldt bei jeder Gelegenheit, dass der Aufsichtsrat ihn auch für den Rest der Saison mit umfassenden Kompetenzen ausgestattet und ihm darüber hinaus „volles Vertrauen“ zugesichert habe. Andererseits dürfte ein gewisser Autoritätsverlust innerhalb des Klubs, aber auch nach außen nicht von der Hand zu weisen sein.

Dabei spielen offenbar nicht nur der Abschwung aus der vergangenen Saison und die durchwachsenen Leistungen in der abgelaufenen Hinrunde eine Rolle. Zwischen Heldt und dem einflussreichen Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Clemens Tönnies, soll es zu einer Entfremdung gekommen sein, die nicht nur auf sportliche Enttäuschungen zurückzuführen ist.

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Auch das Verhältnis zu Trainer Breitenreiter erscheint nicht ganz unproblematisch, obwohl Heldt den Fußball-Lehrer im Sommer als neuen Trainer selbst ausgesucht hatte, wenn auch nicht als erste Wahl. Vom Absteiger SC Paderborn 07 abgeworben, zeigte sich Breitenreiter bei seinem neuen Arbeitgeber überaus selbstbewusst und machte auch öffentlich keinen Hehl daraus, wie unzufrieden er über den Verkauf Julian Draxlers war.

Nach schwächeren Spielen sparte der Trainer nicht mit Hinweisen darauf, dass die Mannschaft im Sommer „Qualität verloren“ habe. Letztlich aber hat Heldt in Draxler und Jefferson Farfan zwei Profis für insgesamt rund vierzig Millionen Euro abgegeben, die in der vergangenen Saison länger verletzt und danach oft formschwach waren. Nach der ersten Saisonhälfte hat Schalke ebenso viele Punkte wie vor einem Jahr um diese Zeit, steht mit 27 Zählern in der Tabelle sogar um einen Platz schlechter.

Bessere Stimmung am Schalker Markt

Dennoch ist die Stimmung am Schalker Markt besser als in den vergangenen Jahren, was sich etwa darin äußert, dass die Fans sogar einen selbstverständlichen Heimsieg wie gegen den Abstiegskandidaten Hannover 96 frenetisch feiern. Die zu Saisonbeginn entfachte und durch gute Ergebnisse befeuerte Aufbruchstimmung nutzt in erster Linie Breitenreiter; der Manager profitiert nicht davon. Dennoch würde ihm der eine oder andere Treffer auf seiner letzten Schalker Shopping-Tour gut zu Gesicht stehen, schon um sich für andere Arbeitgeber interessant zu machen. So wird Heldt versuchen, Breitenreiter einen Wunsch zu erfüllen, den der Trainer schon im Sommer geäußert hatte: die Verpflichtung des Schweizer Mittelfeldstrategen Gökhan Inler, derzeit meist Ersatzmann beim englischen Premier-Klub Leicester City.

Als Einkäufer schon stark beansprucht, will Heldt auf der Zielgeraden nicht noch einmal als Juwelenverkäufer in Erscheinung treten. Also erteilte er den Spekulationen über den möglichen Transfer des Talents Sané (Vertrag bis 2019) nach Manchester vorsorglich eine Absage. „Unabhängig davon, dass wir nicht verkaufen wollen und Leroy nicht wechseln will - so viel Geld hat selbst ManCity nicht.“ Behauptete Horst Heldt zumindest bevor die vermeintlichen 55 Millionen öffentlich wurden.

Quelle: F.A.Z.

 

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