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Veröffentlicht: 07.04.2014, 06:53 Uhr

Dietmar Hopp im Gespräch „Meisterträume? Dann müsste ich zum Psychiater“


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Wo sehen Sie Hoffenheim in Zukunft? Obwohl Ihre Mannschaft kaum attraktiver spielen könnte und im Schnitt pro Begegnung 4,5 Tore fallen, lässt die Stadionauslastung zu wünschen übrig. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Das ist das Trägheitsmoment. Inzwischen liegen wir nur noch bei 80 Prozent Auslastung. Das ist ziemlich abgebröckelt. Ich bin sicher, dass viele wieder zurückkommen werden, wenn wir so attraktiv weiterspielen - es ist natürlich ein großer Wunsch von mir. Aber ich werde mich nicht zu einem Tabellenplatz äußern. Vielleicht halten wir ja in dieser Saison den neunten Platz.

Die Zeit der großen Investitionen ist vorüber. Trägt sich die TSG nun? Oder schießen Sie jedes Jahr zu?

Mein Ziel ist es, dass die TSG so schnell wie möglich auf eigenen Füßen steht. Das ist nicht so schnell gegangen, wie ich es erhofft habe. Ich werde bald 74 und will meinem Sohn nichts hinterlassen, was hoch defizitär ist. Der ist auch fußballbegeistert, aber wahrscheinlich nicht so verrückt wie ich. Das muss hier solide sein. Ich kann sagen, dass sich der Verein spätestens im Jahr 2017 oder 2018, wenn das Financial Fairplay voll greift, selbst unterhalten kann. Die Fernsehgelder steigen ja, auch ein guter Trainer macht verdammt viel aus. Und was denken Sie, was wir für stille Reserven haben mit den Topleuten, die in unseren Reihen spielen? Ein Firmino, ein Volland, auch Süle, der einen sehr sympathischen Einkaufspreis gehabt hat.

Gisdol und Rosen © dpa Vergrößern Trainer Markus Gisdol und Sportchef Alexander Rosen (rechts) haben den Erfolg zurückgebracht

Süle kommt aus dem eigenen Nachwuchs, Hoffenheim schreibt sich auf die Fahne, eigene Spieler hochzuholen. Aber richtig umgesetzt wurde es in den vergangenen Jahren nicht.

Das ist es ja, was ich sage. Wir brauchen pro Saison 1,5 Spieler im Durchschnitt, die zu den Profis stoßen. Das sind mal zwei, mal keiner, mal drei. Jetzt denke ich, dass es so kommen wird, wie ich mir das seit langem vorstelle und wünsche. Gisdol ist der erste Trainer, der sagt, jetzt vertraue ich den besten Jungs und schicke sie einfach mal ins Feuer Bundesliga.

Wollen Sie mit Hoffenheim nochmal in die Champions League? Oder vielleicht deutscher Meister werden?

Wenn ich das sagte, müsste ich sofort zum Psychiater, denn als deutscher Meister müssten wir die Bayern, den BVB, Schalke 04 und andere Größen hinter uns lassen. Es wäre absolut töricht, darüber nachzudenken, dass bei uns so etwas je möglich wäre.

Sie wollen also eher irgendwo zwischen Platz vier und Platz 14 landen und im Normalfall Platz acht, neun, zehn belegen, wenn wir Sie richtig verstehen?

Das wäre doch toll für die Region. Und wir haben ja noch andere Ziele. Hoffenheim ist das Versuchsfeld für moderne Trainingsmethoden. Wo ich auch künftig Geld mit Freude ausgeben werde, ist im Bereich der Jugend. Wir haben zum Beispiel wie Dortmund einen Footbonauten angeschafft (High-Tech-Trainingsgerät, das auf dem Grundprinzip einer Tennis-Ballwurfmaschine beruht), was sehr wertvoll für die Jugendarbeit ist. Dies lassen wir wissenschaftlich begleiten, da wird sich wohl auch SAP beteiligen. Ich lege großen Wert darauf, dass wir ein innovativer Klub sind - wir hätten auch gerne die Torlinientechnik gehabt.

Es gibt seit längerem eine Debatte, in der Traditionsvereine sich über Hoffenheim, Wolfsburg und Leverkusen beschweren, die gar keine richtigen Fußballklubs wären? Ärgert Sie das noch, oder lässt Sie das kalt?

Ach Gott. Ich bin verwundert, dass Klubs in der Liga so über andere sprechen. Wir sind doch Partner. Aber ich ertrage es.

Sie hätten also keine Schwierigkeiten damit, wenn RB Leipzig aufsteigen würde?

Ich freue mich, weil dadurch sicher auch der Fokus in eine andere Richtung gelenkt wird. Trotzdem finde ich es nicht angebracht, Hoffenheim mit RB Leipzig zu vergleichen. Red Bull sieht den Fußball als reines Marketing-Instrument an. Ich komme aus Hoffenheim, habe nie andere Klubs außerhalb der Region unterstützt, und mir liegt vor allem die Jugend der Region am Herzen. Die TSG war in der Aufbauphase ein Projekt, das seinen Anfang in massiver Jugendförderung genommen hat. Das Projekt war mit dem Bundeligaaufstieg beendet - jetzt sind wir ein Bundesligaverein wie jeder andere auch.

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Das Gespräch führten Michael Ashelm und Peter Heß.

Quelle: F.A.S.

 

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