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Hitzfeld träumt Leidenschaft, Leistung, Meisterschaft

01.02.2007 ·  Zum 30. Juni 2004 hatten sich die Bayern von Ottmar Hitzfeld getrennt. Doch das störte bei der zweiten Eheschließung nicht weiter. Ihm gehe es „um Stolz und Ehre“, so Hitzfeld, der sich vollständig erholt zeigte nach seiner Auszeit.

Von Wolf Dantonello, München
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Die Ereignisse überschlugen sich auch am Tag nach dem Trainerwechsel beim FC Bayern. Noch während Manager Uli Hoeneß den alten Bekannten Ottmar Hitzfeld vorstellte, wurde die Nachricht publik, dass der tags zuvor in München entlassene Felix Magath sich schon mit dem Hamburger SV einig sei. (Siehe auch: Trainer-Karussell: Magath zögert noch).

Für Hoeneß ein Anlass, den Entlassenen nochmals zu loben und dem HSV mit dieser Personalie den unabwendbaren Aufschwung vorauszusagen. Und überhaupt: „In den nächsten hundert Jahren werden sie von mir kein schlechtes Wort über Felix hören“, sagte Hoeneß, „und ich hoffe, dass auch die Mannschaft sich daran hält, dass keine schmutzige Wäsche gewaschen und die Zeit mit Felix Magath nur rosarot gesehen wird.“

„Wir sind alle Zocker“

Rosarot hätte an diesem Tag als Farbe gut ins Vereinswappen des FC Bayern gepasst, als Hoeneß die Ziele unter Ottmar Hitzfeld formulierte. „Es gibt ein Mindestziel: das ist der dritte Platz. Und es gibt ein Traumziel: die Meisterschaft“, so der Manager. Der neue aber bei den Bayern bestens bekannte Trainer sieht das ganz ähnlich: „Primär ist, dass wir uns nach unten absichern.“

Den Titelgewinn hält er trotz der acht Punkte Rückstand zu Bremen und Schalke für machbar, weil „bei der Drei-Punkte-Regelung schnell was passieren kann“. An der Ausgangslage, aufholen zu müssen, hat Hoeneß schon Gefallen gefunden: „Wir sind alle auch Zocker. Es ist eine reizvolle Aufgabe. Wir können den Turnaround schaffen, wie die Börsianer sagen würden.“

Es geht um „Stolz und Ehre“

Wie das doch noch gehen soll, hat Ottmar Hitzfeld am Donnerstag ein wenig erläutert. Im Vorfeld der Begegnung an diesem Freitag beim 1. FC Nürnberg will er viele Einzelgespräche. Als Beobachter glaubt er, in der Mannschaft „eine gewisse Verunsicherung“ bemerkt zu haben. „Und mir ist aufgefallen, dass die Spielfreude fehlte.“ Die will er nun, seine Sofortmaßnahme, umgehend vermitteln: „Leistung über Leidenschaft“, gibt Hitzfeld als Motto vor und sagt, dass es für ihn „immer um Stolz und Ehre“ geht.

Unterschrieben hat Hitzfeld bei den Bayern bis Saisonende. Hätte er nicht zugesagt, so Hoeneß, „wären wir in Nürnberg mit Felix Magath angetreten“. Nicht nötig aber, denn Hitzfelds Zusage erfolgte „innerhalb von drei Sekunden“ (Hoeneß). Hitzfeld war freilich auch vorbereitet auf diesen Anruf aus München, er kannte aus seinen sechs Bayern-Jahren die Befindlichkeiten und Verhaltensmuster der Führungskräfte.

Kein Plan über den 30. Juni 2007 hinaus

Dass er wieder Trainer sein wolle, das habe Hitzfeld im vergangenen Dezember gespürt, als Borussia Dortmund um ihn warb: „Da habe ich zwei Tage überlegt – davor hatte ich immer spontan abgesagt.“ Doch die Aufgabe in Dortmund, „vom neunten auf den fünften Platz zu kommen“, hätte ihn nicht so gepackt. Er wollte mehr. Der FC Bayern kann ihm auch die Champions League bieten. „Bessere sportliche Perspektiven“, sagt Hitzfeld.

Das klingt fast so, als wolle er sich wieder langfristig einrichten in München – doch dem ist nicht so. Der Meistertrainer sieht seine Aufgabe „auf vier, fünf Monate befristet. Ich gehe davon aus, dass der FC Bayern danach einen Nachfolger präsentieren wird“. Uli Hoeneß aber sagt, es gebe keine Planung über den 30. Juni 2007 hinaus. „Ich möchte nicht ausschließen, dass Ottmar Hitzfeld dann ein Kandidat sein wird. Wir wären doch bescheuert, einen anderen zu suchen, wenn Ottmar fünf Spiele am Stück gewinnt.“

Gut gegessen und Golf gespielt

Dass man sich zum 30. Juni 2004 von Hitzfeld schon einmal getrennt hat, dass somit auch ein belastete Vorgeschichte existiert, das beschwerte die beiden Parteien bei ihrer zweiten Eheschließung nicht weiter. Man habe das gut aufgearbeitet. „Ottmar war müde damals, er wollte eigentlich schon 2001 nach unserem Champions-League-Gewinn aufhören“, sagt Hoeneß.

Doch nach zweieinhalbjähriger Pause sei Hitzfeld wieder vollständig bei Kräften: „Er hat gut gegessen in der Schweiz, Golf gespielt. Er ist das blühende Leben. Er ist genauso unverbraucht wie 1998, als er bei uns sofort Erfolg hatte.“ So soll es beim Neustart 2007 wieder sein – muss es auch.

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