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Heynckes bei Bayern : Jupp bleibt Jupp

  • -Aktualisiert am

Diffus: Warum verlässt Heynckes Leverkusen? Bild: dpa

Trainer Heynckes hat nie Trends gesetzt. Dennoch hält er sich seit mehr als drei Jahrzehnten im Geschäft. Nun geht er wieder zu den Bayern, die er an diesem Sonntag mit Leverkusen ein letztes Mal ärgern will.

          Das Berufsbild des Bundesligatrainers hat sich gewandelt. Die Anforderungen sind viel breiter gefächert als vor zehn oder zwanzig Jahren. Vielen gilt der Cheftrainer inzwischen als die wichtigste Figur im Verein. Der moderne Typus dieser Berufsgruppe ist nicht mehr bloß ein Fußball-Lehrer, der am Rand des Rasenplatzes sitzt, steht oder springt und Kommandos gibt. Wenn die Struktur des Klubs es verträgt und der Erfolg es rechtfertigt, darf der Trainer sogar den Alleinherrscher geben. Mehr in Mode sind jedoch Strategen, die einen klaren Spiel-Plan besitzen und sich in eine flache Führungshierarchie einpassen. Der Trainer von heute sieht sich als Entertainer gefordert, dem ein Millionenpublikum zu Füßen liegt; als PR-Schaffender, der die Sponsoren motiviert; als telegener Rhetoriker, der die Medien in seinen Bann zieht. Jupp Heynckes ist all das nicht; seine Stärken als Selbstdarsteller sind überschaubar. Dennoch hält er sich seit mehr als drei Jahrzehnten in diesem Geschäft. Er verkörpert einen zeitlosen Trainer, der sich treu bleibt, unabhängig davon, was gerade in Mode ist. Als Typ hat Heynckes nie Trends gesetzt; andererseits war und ist er auch nicht von ihnen abhängig.

          Wenn Heynckes demnächst bei Bayer Leverkusen aufhört, geht er nicht in Pension, sondern in die Verlängerung, obwohl „die Rente schon beantragt und bewilligt ist“, wie er ein wenig kokett sagt. Heynckes wird 66 Jahre alt sein, wenn er am 1. Juli, zum insgesamt dritten Mal, seinen Dienst beim FC Bayern antritt – bei jenem Klub, der ihn vor zwei Jahren aus dem Vorruhestand geholt hatte, damit er die Mannschaft nach der Trennung von Klinsmann noch in die Champions League führte. Der Plan ging auf – und Heynckes trat ein paar Wochen später in Leverkusen an.

          Bevor er nun wieder nach München wechselt, hat er dort an diesem Sonntag noch einen wichtigen Auftritt in Diensten seines aktuellen Arbeitgebers. Mit einem Erfolg gegen Bayern München könnte Leverkusen den zweiten Platz festigen und sich sogar eine kleine Titelchance im Zweikampf mit Spitzenreiter Dortmund erhalten. Den FC Bayern würden verlorene Punkte besonders schmerzen. Fünf Runden vor Ultimo müssen die Münchner einen Rang gut machen, um als Dritter wenigstens noch das Startrecht für die Champions-League-Qualifikation zu erhalten.

          Heynckes bei den Bayern zum Ersten: Deutscher Meister 1989
          Heynckes bei den Bayern zum Ersten: Deutscher Meister 1989 : Bild: picture-alliance/ dpa

          Heynckes wollte immer nur eins: Perfekten Fußball lehren

          Die Frage nach einem möglichen Interessenkonflikt stellt sich nicht für Heynckes. „Der FC Bayern hätte den falschen Trainer verpflichtet, wenn ich jetzt an die Bayern denken würde“, sagt er. „Bayer 04 hat Priorität für mich wie schon die ganze Saison über.“ Man ist geneigt, ihm zu glauben. Glaubwürdigkeit gehört seit ehedem zu den hervorstechenden Eigenschaften dieses Mannes – neben Loyalität, Zuverlässigkeit, Anstand. Heynckes hat immer mehr Wert auf Etikette gelegt, als sich mit Etiketten zu schmücken. Harter Hund, Konzepttrainer, Fußballprofessor, Motivationskünstler, solche Typenbezeichnungen überlässt er gerne anderen. Heynckes wollte immer nur eins: Fußball lehren bis an die Grenze zur Perfektion. Sein oberstes Credo bestand darin, junge Spieler zu fördern, zu fordern und zu formen, lange bevor es in der Bundesliga flächendeckend Fußballinternate gab. Sein eigener Auftritt – neudeutsch heißt es: seine Performance – wirkte immer ein wenig altmodisch; mit den Medien zu arbeiten war und ist ihm kein großes Bedürfnis, auch wenn er ein wenig jovialer geworden ist.

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