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Hessenderby : Gericht kritisiert Darmstadt wegen Innenstadtverbots

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Frankfurter verboten: Darmstadt verschließt nicht nur Autos den Weg zum Spiel Bild: Helmut Fricke

Die Darmstädter Stadtverwaltung hält an ihrem Innenstadtverbot fest - trotz juristischer Bedenken. Das Verwaltungsgericht attestierte „rechtsstaatsfernes Verhalten“ der Verwaltung und gab Anträgen einzelner Fans Recht, die nun doch nach Darmstadt reisen dürfen.

          Mit einem juristischen Winkelzug hat die Stadt Darmstadt die ohnehin schon angespannte Atmosphäre vor dem Bundesliga-Hessenderby der „Lilien“ gegen Eintracht Frankfurt angeheizt. Obwohl das Verwaltungsgericht das umstrittene Innenstadtverbot gegen Eintracht-Fans aufgehoben hatte, hält die Stadt an der viel kritisierten Maßnahme fest.

          Mit Ausnahme von sechs Personen, die erfolgreich dagegen geklagt hatten, wird das Zentrum für Eintracht-Anhänger von Freitagabend (19.00 Uhr) bis Sonntagmorgen (07.00 Uhr) zur Sperrzone. Darmstadts Bürgermeister Rafael Reißer bezeichnete das Aufenthaltsverbot als „nach wie vor geeignet, den legitimen Zweck der Gefahrenabwehr zu erreichen“. Die Stadt werde nicht vor Gericht ziehen. Er sei sich sicher, dass die Polizei mit dem „nötigen Fingerspitzengefühl“ vorgehen werde. Zu erwarten seien „350 extrem gewaltbereite Fans“, sagte Reißer. „Die Polizei kennt da jeden einzelnen.“

          Gericht gibt Klagen

          Insgesamt hatten sieben Personen vor dem Verwaltungsgericht Einspruch gegen die Verfügung eingelegt, sechs davon bekamen Recht. Nur in diesen sechs namentlich bekannten Fällen gelte das Innenstadt-Verbot nicht mehr. Die Verfügung selbst sei keineswegs gekippt und gelte „in Bezug auf alle anderen potenziellen Adressaten“ weiterhin uneingeschränkt, meinte Reißer. Das Verwaltungsgericht Darmstadt hatte das Innenstadtverbot zuvor als mangelhaft begründet und als unverhältnismäßig eingestuft und daher im Sinne der Kläger entschieden. „Nicht jeder, der Fankleidung trage, könne ... dem Kreis potenzieller Straftäter zugerechnet werden“, heißt es in der am Freitag vorgelegten Begründung des am Vorabend ergangenen Urteils (Az: 3L642/16.DA).

          Entsprechend scharf fiel die Kritik des Verwaltungsgerichts am Festhalten des Verbots aus. „Das zeugt schon von einem gewissen rechtsstaatsfernen Verhalten“, sagte Gerichtssprecher Jürgen Gasper auf dpa-Anfrage. Das Gericht stelle sich nun darauf ein, dass weitere Fans der Frankfurter Eintracht gegen das Aufenthaltsverbot vorgehen werden. Entsprechende Ankündigungen gebe es bereits. Die Verantwortlichen der Eintracht waren unterdessen bemüht, die Wogen im Vorfeld der Partie zu glätten. Die Vereinsführung appellierte an die Fans, nicht nach Darmstadt zu reisen. „Wir wollen ein friedliches Derby. Unsere Aufforderung ist, Provokationen zu vermeiden“, sagte Vorstandsmitglied Axel Hellmann. „Wir haben kein Verständnis für jemanden, der gewaltbereit oder in einer aggressiven Absicht nach Darmstadt fährt.“

          Hellmann kritisierte zugleich die Stadt Darmstadt, durch diesen „Soloweg“ die Sicherheitslage verschärft zu haben. Die Situation ist gleich in doppelter Hinsicht angespannt, denn die Frankfurter Fans dürfen wegen der Ausschreitungen im Hinspiel nach einem Urteil des DFB-Sportgerichts nicht ins Stadion. „Wir haben versucht, über unsere Kanäle in jeder Hinsicht deeskalierend zu wirken. Aber das ist uns nicht einfacher gemacht worden“, sagte Hellmann. „Eine Stadt, die über viel Erfahrung mit diesen Dingen verfügt, wäre im Vorfeld auf alle zugekommen. Man hätte versuchen müssen, alle einzubinden, die Fachwissen haben.“

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