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2:3 gegen Hertha : Leipzig geht der Blick nach oben verloren

Zwei der drei Berliner Tore erzielt der ehemalige Leipziger Davie Selke. Bild: AFP

Die erste Heimniederlage in dieser Bundesliga-Saison, Platz fünf statt Rang zwei – Leipzig beendet die Hinrunde unzufrieden. Hertha BSC gewinnt bei den Sachsen mit 3:2 – trotz Unterzahl seit der achten Minute.

          Nach dem Schlusspfiff feierte sich RB Leipzig mit einer hübschen Lichtshow für das Jahr 2017. Aber am letzten Spieltag der Hinrunde hatte bei beim Aufsteiger des Jahres nicht mehr viel gefunkelt, im Gegenteil. Im 25. Pflichtspiel in dieser Saison gegen Hertha BSC traten die Leipziger Powerfußballer lange so auf, als hätte ihnen den Berliner schon in der ersten Minute den Stecker gezogen. Von der enormen Energie, dem hohen Tempo und der erstaunlichen Präzision im Umschaltschaltspiel, mit denen Leipzig in diesem Jahr die Bundesliga aufgemischt hatten, war nicht mehr viel zu sehen. Die Leipziger verloren vollkommen überraschend, aber keineswegs unverdient mit 2:3, obwohl die Hertha nach einem Platzverweis gegen Torunarigha schon von der achten Minute an in Unterzahl spielen musste.

          Bundesliga
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Aber nach dem Führungstreffer des ehemaligen Leipzigers Selke (5. Minute) bauten Kalou mit einem Kopfball (31.) und wiederum Selke (51.) die Führung der kampf-, lauf- und willensstarken Berliner jeweils nach Standardsituationen sogar noch weiter aus. Orbans Treffer (68.) gab Leipzig zwar noch etwas Hoffnung, aber das 2:3 von Halstenberg in der Nachspielzeit kam zu spät (90.+2) – und so konnte Leipzig trotz leidenschaftlichen Kampfs den Sturz von Platz zwei auf fünf in der Winterpause nicht mehr verhindern. „Wir waren heute nicht gut“, sagte Trainer Hasenhüttl. „Wir haben die Berliner zum Toreschießen eingeladen.“

          Von Beginn an war zu spüren, wie Leipzig die neue Doppel- und Dreifachbelastung dieser Saison in den Knochen steckte. Am Willen fehlte es der jungen Mannschaft nie, wohl aber an Kraft, Konzentration und an Präzision. Selke wiederum, der sich in Leipzig nicht hatte durchsetzen könne, traf schon nach fünf Minuten mit einem schönen und plazierten Schuss nach kluger Vorarbeit von Esswein zur frühen Führung. Doch der Vorsprung der Berliner schien schon zwei Minuten später wieder dahin, als Torunarigha den Leipziger Nationalspieler Werner im Laufduell kurz vor dem Strafraum zu Fall brachte.

          Die Rote Karte war eine harte Entscheidung. Aber das Überzahlspiel, dass die Leipziger in dieser und der vergangenen Saison, als sie noch bei Kräften waren, entschlossen zu nutzen verstanden, verpuffte zunächst weitgehend. Leipzig sorgte für Druck, aber erst in der Schlussphase der ersten Halbzeit wurde daraus Dominanz. Da stand es nach einem schönen Kopfball von Kalou schon 0:2. Demme hatte Pech, als er mit seinem Schuss in der 37. Minute nur den Pfosten traf, ansonsten aber fehlte den Leipzigern in den entscheidenden Momenten in der ersten Halbzeit die nötige Frische und Durchschlagskraft.

          Davie Selke trifft zum 0:3.

          Die erste große Chance unmittelbar nach dem Wechsel besaß wiederum die Hertha. Nach einem Konter über Selke, wehrte Gulacsi den Ball gerade noch ab. Maier hätte den Ball nur noch ins Tor schieben müssen, doch er rutschte aus. Den Eckstoß, der sich daraus entwickelte, nutzte wiederum Selke zum sensationell anmutenden 0:3 (51.). In der 64. Minute hätte Selke bei einem Konter beinahe auf 0:4 erhöht, traf aber nur den Pfosten. Orban glückte in der 68. Minute für die stets bemühten Leipziger dann der verdiente Treffer zum 1:3. RB rannte mit letzter Kraft an, aber war selten zwingend. Halstenberg traf in der Nachspielzeit nur noch zum 2:3, brach sich dabei aber im Fallen die rechte Mittelhand dreimal.

          Im letzten Spiel des Jahres zeigte sich viel deutlicher als schon in den beiden vergangenen Partien gegen Wolfsburg und Mainz, die Leipzig nicht gewinnen konnte, was Trainer Hasenhüttl, in diesen Tagen schon öfter angesprochen hatte. Er müsse erst einmal beweisen, diese Saison mit den Belastungen aus Bundesliga und Europapokal in Leipzig erfolgreich zu Ende zu bringen, bevor er mit Vereinen wie dem FC Bayern in Verbindung gebracht werde. In der Winterpause will er sich nun zunächst mit seinem Klub wegen einer Vertragsverlängerung über 2019 hinaus zusammensetzen. Alles andere müsse warten. „Ich habe noch nicht die Erfahrung international. Ich hatte jetzt mein erstes Jahr in der Champions League. Ich finde es unabdingbar, dieses Wissen mitzubringen, wenn ich irgendwann Trainer eines Formats FC Bayern werden würde“, sagte Hasenhüttl angesichts der Turbulenzen auch auf dem Trainermarkt. Sein Blick wird dabei auch in der Rückrunde nicht mehr ganz nach oben gehen, jetzt, wo RB Leipzig seinen Platz hinter den Bayern und auch in der Champions League verloren hat. Zumindest über die Winterpause.

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