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Hertha BSC Berlin Zarte Wiederbelebungsversuche

16.12.2009 ·  Schon abgeschrieben war nicht nur Hertha BSC, sondern auch der Kolumbianer Adrian Ramos. Nun trifft er und nährt die Hoffnung - zumindest in der Europa League. Dort reicht an diesem Mittwoch (19.00 Uhr) gegen Sporting Lissabon ein Punkt.

Von Michael Horeni, Berlin
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Das letzte Heimspiel des Jahres gegen Sporting Lissabon dürfte für Hertha BSC zu einer eher intimen Angelegenheit werden. Am Mittwoch (19.00 Uhr / FAZ.NET-Europa-League-Liveticker) ist in der Hauptstadt Europapokal, und bei dieser Gelegenheit lässt sich in dieser Saison recht gut die aktuelle Beliebtheit des Klubs bemessen. Denn in der Europa League gelten keine Dauerkarten, die sich die Berliner angesichts der Begeisterung in der Vorsaison zugelegt haben. In der Bundesliga füllen die Dauerkartenbesitzer aber das Olympiastadion immer noch recht anständig.

In der Europa League aber versammelt sich nur der harte Kern der Hertha-Fans - zur Premiere gegen Ventspils verloren sich 13.454 Zuschauer im Olympiastadion, gegen Heerenveen waren es 13.134. Um noch ein paar Zuschauer zu locken, haben am Wochenende die Hertha-Profis Arne Friedrich, Florian Kringe, Steve von Bergen und Raffael vor dem Hauptbahnhof Waffeln für einen guten Zweck gebacken und verkauft, Autogramme geschrieben und Freikarten für das Spiel gegen Lissabon verlost.

Immerhin hat der Europapokal auch andere Zahlen für die Hertha vorzuweisen, die weit erfreulicher sind als die aktuelle Bundesligabilanz der bisher schlechtesten Mannschaft seit Gründung 1964. In fünf Europapokalspielen haben es die Berliner zu zwei Siegen und sieben Punkten gebracht - das ist mehr, als sie in 16 Bundesligabegegnungen mit nur einem Sieg und sechs Punkten geschafft haben.

„Ramos ist schnell und läuferisch stark. Und er trifft“

Durch ein Unentschieden gegen den schon qualifizierten Tabellenführer Sporting Lissabon, der es am Dienstag erst im zweiten Versuch nach Berlin schaffte, weil die Maschine am Morgen wegen technischer Probleme umkehren musste und erst am Abend in Berlin landete, würde sich der abgeschlagene Bundesliga-Tabellenletzte sogar für die europäische K.o.-Runde im kommenden Jahr qualifizieren. Damit käme mindestens eine Million Euro in die Kasse, die der Klub bestens gebrauchen kann, um sich in der Winterpause zu verstärken. Der griechische Torjäger von Bayer Leverkusen, Theofanis Gekas, ist als erste Verstärkung auf Leihbasis im Gespräch, weitere sollen folgen.

Immerhin haben die Berliner in den vergangenen Wochen schon einen Torjäger entdeckt - im eigenen Kader: Adrian Ramos. Dabei galt der Kolumbianer eigentlich schon als Fehleinkauf in einer Saison, in der ohnehin fast alles schiefläuft. Doch nach seinen beiden Treffern am Freitag gegen Tabellenführer Bayer Leverkusen hat der 23 Jahre alte Stürmer nun schon vier Treffer in den letzten fünf Spielen erzielt. Erst traf er beim 1:1 in Stuttgart zur Hertha-Führung, dann beim 1:3 gegen Frankfurt - und so haben Trainer Friedhelm Funkel und seine Mannschaft mit den sporadischen Erfolgserlebnissen immerhin den Glauben gewonnen, im Angriff einen Spieler zu besitzen, auf den die Bezeichnung Torjäger zutrifft.

„Im Moment ist er unser Stürmer Nummer eins. Er ist schnell und läuferisch stark. Und er trifft“, sagt Funkel über die Qualitäten des Kolumbianers, die der Hertha zumindest noch eine winzig kleine Hoffnung auf ein Happyend im Mai machen. Gegen Sporting Lissabon setzt Funkel wieder auf Ramos, obwohl er zunächst darüber nachgedacht hatte, den Kolumbianer für das Bundesligafinale am Samstag beim FC Bayern (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) zu schonen.

„Es ist leider nur viel zu kalt. Aber das ist jetzt mein Beruf“

Ramos, der zu Saisonbeginn für 1,4 Millionen Euro von America Cali zur Hertha wechselte, steht für die ersten zarten Wiederbelebungsversuche beim Hauptstadtklub. Sie kommen aus dem Nichts. In den ersten sieben Einsätzen hatte Ramos überhaupt nicht getroffen - und trug damit neben Wichniarek und Domoschiyski seinen Teil zum Berliner Null-Tore-Sturm bei, der monatelang nur für Schlagzeilen in der Bundesliga sorgte, aber nicht für Gefahr. „Er hat in den letzten Wochen gut gearbeitet, und jetzt hat er auch das Quentchen Glück“, sagt Funkel. Er werde aber jetzt bestimmt keinen Druck auf den jungen Spieler ausüben.

Ramos selbst gibt sich ausgesprochen zurückhaltend, fast schüchtern. Er freue sich, wenn er der Mannschaft helfen könne, sagte er artig nach seinen zwei Toren, dem ersten „Doppelpack“, wie ihm die Kollegen erklärten. Aber Ramos lernt in seinem halben Jahr in Berlin ohnehin immer neue Dinge hinzu. Am Wochenende erlebte er nach seinen zwei Toren gleich die nächste Premiere: Schnee. „Sehr schön. Es ist leider nur viel zu kalt. Aber das ist jetzt mein Beruf.“ Die kalten Zahlen für Mittwoch, die Ramos gar nicht gefallen werden: Im Olympiastadion werden die Temperaturen, passend zur sportlichen Entwicklung, wieder deutlich unter den Gefrierpunkt sinken.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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