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Donnerstag, 23. Februar 2012
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Hannover-Kapitän Cherundolo im Gespräch „Wir haben vollstes Vertrauen in Trainer Slomka“

05.03.2011 ·  Hannover 96 klopft ans Tor zur Champions League. Gewinnt der Klub sein Heimspiel gegen die Bayern am Samstag (15.30 Uhr), beträgt der Vorsprung fünf Punkte. Großen Anteil am Höhenflug auf Rang drei hat Kapitän Steven Cherundolo.

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Der 31 Jahre alte Steven Cherundolo spielt seit Januar 1999 für Hannover 96. Der amerikanische Nationalspieler, WM-Teilnehmer 2006 und 2010, machte als Außenverteidiger alle Höhen und Tiefen des niedersächsischen Klubs mit. Seit Saisonbeginn ist der in Kalifornien aufgewachsene Fußballprofi Mannschaftskapitän, zu den Publikumslieblingen gehört er schon lange. Die Fans feuern den Sechsundneunziger manchmal sogar mit „USA“-Rufen an.

Durch seine positive Art macht er sich um die Ausländer-Integration in der Mannschaft und in seiner „zweiten Heimatstadt“ verdient. Cherundolo engagierte sich im Ausländerbeirat und wirbt jetzt für die Aktion Kinder-Herz und Organspenden.

Ist Hannover stark genug, am Samstag die angeschlagenen Bayern zu schlagen?

Nach Dortmund sind die Bayern immer noch das zweitbeste Team. Und es zeichnet sie aus, dass sie immer gewinnen, wenn sie gewinnen müssen. Das wollen wir diesmal verhindern. Wir wissen, dass wir zuhause schwer zu schlagen sind.

Hannover 96 in der Spitzengruppe der Bundesliga: Was lange als Momentaufnahme abgetan wurde, ist ein Phänomen, das nun sechs Monate währt. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Der Trainerstab leistet täglich hervorragende Arbeit. Und bei der Kaderzusammenstellung hat der Verein ein gutes Händchen gehabt. Wir hatten im Sommer einen großen Umbruch. Nun sind viele dabei, die nicht so negative Erfahrungen im letztjährigen Abstiegskampf gemacht haben. Sie gingen unbelastet an die Sache heran. Wir haben jetzt eine gelungene Mischung aus erfahrenen Leuten und jungen, hungrigen, schnellen und athletischen Spielern.

Und Sie als Mannschaftsführer, der seit zwölf Jahren im Verein ist, hat die Integration geleitet?

Nein. Ich bin nicht der alleinige Führungsspieler, das wollten wir verhindern, so etwas geht meist nicht gut aus. Auch andere wurden gefordert, Verantwortung zu übernehmen: Lala, Schulz, Pogatetz und Haggui. Mittlerweile gehört auch Schlaudraff dazu. Mein Job ist es, ein gutes Beispiel zu sein und jeden Tag Gas zu geben. Mir ist wichtig, dass jeder so spielt, dass die Mannschaft davon profitiert und nicht nur er selbst.

Bringt man es mit Teamgeist zur Spitzenmannschaft?

Wir besitzen ja nicht nur Teamgeist, wir haben richtig gute Fußballer in unseren Reihen wie Abdellaoue, Ya Konan und Schlaudraff.

Aber auch Trainer Slomka sagt, dass Hannover die Gegner nicht an die Wand spielen kann, sondern erst mal auf null spielt, um dann zu kontern.

Es ist schön, wenn der Trainer sagt, dass wir uns als Mannschaft gefunden haben. Es gehört zu seinen Aufgaben zu erkennen, welche Spieler habe ich und welche Taktik ist die beste für sie. Das haben wir sehr gut umgesetzt. Wir arbeiten sehr hart für unsere Punkte.

Das klingt, als wäre das in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen.

Schon, aber Slomka trainiert sehr spezialisiert unsere Spielweise, jeden Tag: Räume eng machen, Balleroberung, schnelles Umschalten. Was wir gut machen, wird dennoch weitertrainiert. Und es ist erfreulich zu sehen, wie es uns gelingt, das Trainierte an den Spieltagen umzusetzen. Wir glauben an das, was der Trainer uns sagt. Und die Ergebnisse helfen dabei.

Trainer Slomka hat in den heimischen Medien einige Sympathien verspielt wegen seiner zähen Verhandlungen bei der Vertragsverlängerung. Es wurde unterstellt, er würde auf ein Angebot von Wolfsburg warten. Wie ist das bei der Mannschaft angekommen?

Wir hatten null Probleme damit. Jeder von uns ist Profi und weiß, dass nicht jede Verhandlung reibungslos verläuft. Es geht die Mannschaft auch nichts an, das ist Sache zwischen Verein und Trainer. Wir haben vollstes Vertrauen in Slomka.

Enkes Selbstmord in der vergangenen Saison und dessen schwierige Aufarbeitung führte fast zum Abstieg. Glauben Sie, dass das Drama um ihn nun mit Verspätung positiv wirkt?

Wenn sich ein Team knapp rettet, rückt es dadurch immer enger zusammen, egal aus welchem Grund es in die Krise geraten ist. Mehr noch hat unser Aufschwung mit unserer täglichen Arbeit zu tun. Schon zu Saisonbeginn haben wir nicht mehr zurückgeblickt. Ohnehin sind viele Spieler neu hinzugekommen.

Seit zwölf Jahren spielen Sie für Hannover: Glück, Zufall, Treue?

Ich habe mir bei jeder Vertragsverlängerung immer dieselbe Frage gestellt: Kann ich mich hier noch verbessern und kann der Verein mit mir noch besser werden? Ich habe immer die Fragen mit ja beantworten können. Und solange es so bleibt, verlängere ich. Wieso sollte ich woanders bei null anfangen, nur weil es was Neues ist?

Und Sie haben viel gelernt in Hannover?

Klar, als ich mit 19 kam, hatte ich nicht die geringste Ahnung, wie der deutsche Fußball funktioniert. Als Amerikaner bin ich englisch geprägt. Da wird schneller, härter und mehr mit langen Bällen gespielt. Im Deutschen ist es viel taktischer. Ich musste lernen, wann man direkt spielt, wann mit zwei Kontakten, wann man Eins-zu-Eins-Situationen sucht. Durch meine Erfahrung schenke ich mir jetzt auch einige Laufwege. Früher bin ich 90 Minuten lang wie ein Verrückter nach jedem Ball gerannt.

Sie haben mal gesagt, in der Kabine von 96 fühlen Sie sich wie zuhause. Gilt das auch für die Stadt Hannover?

Ja, sicherlich. Ich fühle mich sauwohl. Hier habe ich meine Frau kennengelernt. Ich kann mir vorstellen, nach meiner Spielerkarriere hier zu bleiben.

Sie sind ein Vorbild an Integration, gehörten sogar dem städtischen Beirat für Ausländerintegration an.

Ja, aber ich musste den Posten aus Zeitgründen aufgeben. Aber wenn meine Hilfe gebraucht wird, stehe ich zur Verfügung. Meine ganze Freizeit investiere ich jetzt in die Aktion „Kinder-Herz“ (unterstützt Kinderherzklinik Hannover, die ich vor fünf, sechs Jahren mitgegründet habe).

Was können Deutsche und Amerikaner voneinander lernen?

Die Deutschen könnten lernen, wie man den Neidfaktor abstellt. Neid finde ich ziemlich hässlich und er bringt niemandem etwas. Und die Deutschen könnten etwas vom positiven Denken der Amerikaner übernehmen. Umgekehrt können sich die Amerikaner eine Scheibe von der Organisation der Deutschen abschneiden. Wie sie ein Ziel definieren und verfolgen, bis es erreicht ist, das ist schon gut.

Die Fragen stellte Peter Heß.

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