09.05.2010 · Noch einmal durchlebt Hannover 96 beim rettenden Auswärtssieg den emotionalen Ausnahmezustand: In die Freude über den Nichtabstieg mischen sich Tränen für Robert Enke. Absteiger Bochum zeigt sich in jeder Hinsicht zweitklassig.
Von Roland Zorn, BochumIn der roten Ecke ist das Glück zu Hause und die Erleichterung und die Traurigkeit. Denn in dem Moment, da Hannover 96 den Bundesliga-Verbleib erstklassig feiert, spielt in den Gedanken und Gefühlen der Mannschaft auf dem Rasen und der Gemeinschaft auf den Rängen ein zwölfter Mann mit: der frühere Kapitän Robert Enke. Und so entrollen die Spieler nach ihrem 3:0-Triumph am letzten Spieltag beim VfL Bochum ein schwarzes Plakat mit der Inschrift „Robert R.i.P“. Requiescat in pace, Rest in peace, ruhe in Frieden, lautet noch einmal die Botschaft. Sie gilt dem Torwart, der sich am 10. November 2009 das Leben nahm. Seitdem gibt es keinen richtigen Alltag mehr in dem Klub am Maschsee, seitdem sucht der Verein nach einer neuen Normalität.
„Robert Enke, du bist der beste Mann“, skandieren 12.000 zum „Abstiegsendspiel“ mitgereiste Fans in ihren roten Tageshemden mit der Aufschrift „Gemeinsam für die 1. Liga“, als die sportliche Mission erfüllt ist und alle beim Tabellen-Fünfzehnten mit dem Ausblick auf ein weiteres Jahr in der Erstklassigkeit aufatmen. Gerettet - die selige Freude, das Klassenziel erreicht zu haben, ist das eine; die Erinnerung an den toten Kapitän das andere. In Hannover vermischen sich an diesem Samstagnachmittag die Emotionen auf das heftigste. So weint Florian Fromlowitz hemmungslos in dem Augenblick, da der Berliner Schiedsrichter Manuel Gräfe die einseitige Partie abpfeift. Der Erbe von Enkes Job im 96-Tor sagt wenig später: „Wir haben für einen Mann gewonnen, der heißt Robert Enke und ist oben im Himmel.“
In der blauen Ecke ist die Enttäuschung daheim und der Frust und die Gewalt. Zweitklassig hat der VfL seine letzte Chance auf ein weiteres Fußballjahr in der ersten Liga verspielt, zweitklassig benehmen sich nun einige seiner unerwünschten Anhänger. Vermummte Randalierer versuchen, den Platz zu stürmen, Steine fliegen, Stühle, Toilettendeckel und andere Gegenstände. Der VfL-Profi Mavraj wird von einem Hooligan angerempelt und angerüpelt. Am Ende erweist sich die Menschenkette aus Polizei und Sicherheitskräften, die den Platz vor der Ostkurve des Bochumer Stadions besetzt halten, als fest genug. Die Auseinandersetzungen werden an anderen Brennpunkten rund um das Stadion fortgesetzt. Zu notieren sind schließlich 66 Verletzte und 20 Festnahmen. Zum unrühmlichen sechsten Abstieg aus der ersten Liga gesellt sich der Skandal beim Klub in den blau-weißen Farben.
Unfassbar ist das sportliche Ergebnis einer verkorksten Saison für niemand. Wer in den vergangenen zwölf Spielen nicht einmal gewonnen hat und in der Rückrunde mit 12 Punkten die schlechteste Bilanz aller 18 Klubs aufzuweisen hat, muss halt mal wieder gehen. Trainer Dariusz Wosz, der vierte Übungsleiter der Saison, hat in der Not nicht zaubern können. Auch wenn dem früheren VfL-Profi der Beiname „Zaubermaus“ anhängt. Wosz ist an diesem Samstag tieftraurig und bitter enttäuscht. „Das war Angsthasenfußball“, sagt er über den fehlenden Kampfesmut seiner Männer, „ich möchte mich bei allen Fans entschuldigen.“
Nun müssen sie versuchen, wenigstens eine Tradition dieses zwischen Dortmund und Schalke eingezwängten Klubs neu zu beleben: Der VfL ist bisher immer im Jahr nach dem Abstieg wieder aufgestiegen. Ob das wieder so sein wird? Torwart Philipp Heerwagen, der bei den Treffern von Bruggink (9. Minute), Hanke (23.) und Pinto (45.) keine Chance zum Eingreifen hatte, sagt: „Es kommen ganz schwere Zeiten auf uns zu.“
Positive Atmopshäre
In Hannover haben sie den Abend nach ihrem finalen Triumph beim Ligasiebzehnten im eigenen Stadion mit 10 000 Fans ausklingen lassen. Ob die zuletzt beeindruckenden Siege über Schalke 04 (4:2), Borussia Mönchengladbach (6:1) und in Bochum auf eine neue Kontinuität, gar ein sich abzeichnendes Hoch deuten, ist nicht ausgemacht. So bleibt die Beantwortung der Frage offen, ob Mirko Slomka, der vierte Trainer der „Roten“ binnen einer Saison, auch in Zukunft das sportliche Sagen haben wird. Der kalt lächelnde Mann gilt nicht als ein Vertrauter des mächtigen Klubpräsidenten Martin Kind. Während Slomka schon Pläne für die kommende Saison schmiedete und grundsätzlich feststellte, „ich bin ja nicht nur geholt worden, um den Abstieg abzuwenden, sondern auch um etwas aufzubauen“, hielt sich Kind bedeckt. „Jetzt“, sagte er, „genießen wir erst einmal dieses Ergebnis, und dann machen wir uns in aller Ruhe Gedanken über die kommende Saison.“
In Bochum wurde im Gegensatz zur zerstörerischen Untergangsstimmung beim VfL zumindest sichtbar, wie eng für den Augenblick der Schmerz über Enkes Tod die Anhänger des norddeutschen Traditionsvereins und die Spieler hat zusammenrücken lassen. Die „rote Wand“ auf den Rängen des mit knapp 31.000 Zuschauern ausverkauften Bochumer Stadions war am Samstag für die positive Atmosphäre alleinzuständig.
Wegen der Fans kaum Mitleid mit dem VfL
In Bochum dagegen ist die Zäsur unvermeidlich. Mögen auch die meisten Profis des VfL zu Zweitligakonditionen an den Klub an der Castroper Straße gebunden sein, so braucht der VfL doch dringend einen neuen Anfang mit erneuertem Personal. Wie der aussehen soll, wer der kommende Trainer - die Rede ist von Franco Foda, derzeit bei Sturm Graz - sein wird, ob Sportvorstand Thomas Ernst bleibt: bis auf den Abstieg ist nichts geklärt bei dem Verein, der fürs Erste einen krachenden Abstieg verarbeiten muss.
Für sein Comeback sind dem Klub auch Anhänger zu wünschen, die sich besser zu benehmen wissen als die Radaubrüder vom Samstag. Sie sorgten zusätzlich dafür, dass sich das Mitleid über den sechsten Abstieg des VfL Bochum in engen Grenzen hielt.
...
Frank Garbe (Frank_Garbe)
- 09.05.2010, 19:01 Uhr
........und der Lokführer?
Arnulf Haubold (statlerundwaldorf)
- 10.05.2010, 18:43 Uhr
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |