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Hamburger SV „Mit Schmerzen im Herzen“

14.08.2007 ·  Ungewöhnlich deutlich hat Rafael van der Vaart seine Wechselabsichten verkündet: „Ich will unbedingt zum FC Valencia - jetzt!“ Doch der HSV bleibt stur. Der Fußballstar muss bleiben und klagt: Der HSV hat mir einen Traum zerstört.

Von Frank Heike, Hamburg
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Gelassenheit in diesem Fall, der die ganze Stadt beschäftigt, ist eine schwierige, aber angemessene Haltung. Am Dienstagnachmittag bekräftigte Horst Becker, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, noch einmal die offizielle (und auch intern benutzte) Sprachregelung des Hamburger SV: „Rafael van der Vaart wird auf keinen Fall verkauft.“

Im Gegensatz zu gleich lautenden Behauptungen mit austauschbaren Namen im vergangenen Sommer (Khalid Boulahrouz, Daniel van Buyten) sind die Verantwortlichen des HSV in diesem Sommer wild entschlossen, sich ihre verheißungsvoll gestartete Mannschaft nicht auseinander reißen zu lassen. Sie haben aus Fehlern hoffentlich gelernt.

Viel Geld gibt es nur in diesem Sommer

Am Montag hatte Sportchef Dietmar Beiersdorfer ein Angebot des FC Valencia über 14 Millionen Euro für den 24 Jahre alten van der Vaart abgelehnt. Geht es nach Beiersdorfer, kann sich der spanische Verein, der am Dienstag sein Hinspiel zur Champions-League-Qualifikation gegen den schwedischen Meister IF Elfsborg Boras bestritt, weitere Faxe sparen: „Wir werden jedes mögliche Angebot auch in Zukunft ablehnen. Darüber besteht im Vorstand sowie zwischen den Gremien völlig Einigkeit.“ Gelassen sind Becker, Beiersdorfer und der derzeit urlaubende Vorsitzende Bernd Hoffmann vor allem deswegen, weil Rafael van der Vaart noch einen Vertrag beim HSV bis 2010 besitzt. 2009 könnte der holländische Spielmacher die Hamburger für die festgeschriebene Ablöse von 1,5 Millionen Euro verlassen. Im Sommer 2008 wäre also die letzte Gelegenheit für den HSV, richtig viel Geld für van der Vaart zu bekommen.

Und richtig viel – das sollte schon etwas mehr sein als 14 Millionen Euro. Der HSV hatte van der Vaart im Sommer 2005 für alle überraschend von Ajax Amsterdam losgeeist und 5,1 Millionen Euro bezahlt. Bei einer Ablöse über zehn Millionen Euro kassierte Amsterdam übrigens zu einem gewissen Prozentsatz mit.

Schmerzen beim HSV

Ungewöhnlich deutlich hatte van der Vaart seine Wechselabsichten am Montagnachmittag verkündet: „Ich will unbedingt zum FC Valencia – jetzt!“, sagte er. Als Gründe führte er seinen Traum vom Arbeitsleben unter spanischer Sonne an; van der Vaarts Mutter ist Spanierin, seine betagten Großeltern leben in der Nähe Valencias. „Spanien ist mein großer Traum und Valencia ein richtig großer Verein“, sagte van der Vaart und fügte bitter an: „Diesen Traum hat der HSV jetzt zerstört. Wenn ich in Hamburg bleiben müsste, hätte ich Schmerzen.“ Genauer gesagt war es Beiersdorfer, der van der Vaart in zwei Gesprächen verdeutlichte, dass es keine Chance für einen Wechsel noch in diesem August gebe. Den hatten der Spieler und sein Berater Sören Lerby dem Vernehmen nach seit vergangener Woche präferiert und gedanklich wohl schon vorbereitet. Lerby soll am Rande des HSV-Spiels bei Hannover 96 mit Verantwortlichen Valencias verhandelt haben.

Zwei Tage vor dem Spiel in der letzten Qualifikationsrunde zum Uefa-Pokal bei Honved Budapest hat der HSV nun genau die Diskussion um seinen einzigen Star europäischen Formats, die seit einiger Zeit unvermeidbar schien. Denn je stärker er spielte, desto schwieriger war es, Angebote europäischer Topklubs zu verhindern, die dem Star den Kopf verdrehen. Im Grunde ist ja seit dem Transfer-Coup klar, dass Rafael van der Vaart sich beim HSV ins Schaufenster stellt, um größere Klubs anzulocken – was gar nicht bös gemeint ist, denn der Kapitän der Hamburger hat stets vollen Einsatz für seinen Klub gezeigt und ihn zurück in die bunten Blätter und Magazine geführt: in einer Stadt, die nach Glamour lechzt, sind van der Vaart und seine Frau Sylvie zum Lieblingspaar Hamburgs geworden.

Ein Star zum Anfassen

Die beiden haben den HSV gesellschaftsfähig gemacht, bewegen sich wie selbstverständlich auf jedem Parkett und sind in ihrer Werbung unbezahlbar – die herausragenden wirtschaftlichen Kennzahlen, die Hoffmann gern präsentiert, hängen neben dem allgemein gestiegenen Fußball-Interesse eng mit den van der Vaarts zusammen. Der junge Holländer selbst ist ein Star zum Anfassen: keine Wohltätigkeits-Veranstaltung, keine Autogrammstunde in Schulen ist ihm zu viel. Seit seine Frau Sylvie das Cover des millionenfach ausgelieferten „Otto“-Katalogs ziert, ist sie zu den bekanntesten Models hierzulande aufgestiegen.

Gern hat man ihnen die einmal zu oft behauptete Liebe zur Hansestadt abgenommen, die jetzt aber – und genau so ist der Fußball nun einmal – auf kurz oder lang in eine Liebe zu Valencia umschlagen dürfte. Der einstige Traumverein HSV in der Traumstadt Hamburg hat nun fürs Erste den Traum von Valencia zerstört. So schnell kann das gehen, wenn ein Verein woanders mehr bietet als die geschätzten zwei Millionen Euro, die van der Vaart beim HSV bekommt und die man bei einer Vertragsverlängerung gern auf 3,5 Millionen aufgestockt hätte. Doch weder van der Vaart noch Lerby wollten über einen prolongierten Kontrakt reden. Sie wussten, warum.

Sollte er noch beim HSV bleiben (und so sieht es derzeit aus), hat van der Vaart versprochen, 100 Prozent Leistung zu bringen. Um dann fast poetisch anzufügen: „Aber immer mit Schmerzen im Herzen.“ Einen Nachmieter für das mehr als 200 Quadratmeter große Refugium der van der Vaarts in einem ehemaligen Straßenbahn-Depot in Eppendorf kann der Makler schon mal suchen, Mietbeginn: Juni 2008.

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