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Hamburger SV Heung-Min Son: Nur die Liebe fehlt

 ·  Heung-Min Son ist dem HSV lieb und teuer geworden: Als Torjäger und als Marketing-Instrument für Asien. Am Samstag soll er seine Qualitäten als Stürmer auch gegen Greuther Fürth (15.30 Uhr) unter Beweis stellen.

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© dpa Strahlendes Gesicht des HSV: Heung-Min Son hat einen rasanten Aufstieg hinter sich

Kürzlich meldete eine südkoreanische Zeitung, der Hamburger SV und Heung-Min Son hätten sich geeinigt. Son verlängere seinen 2014 auslaufenden Vertrag bis 2015. Beim HSV verdiene er von der neuen Saison an 3,9 Millionen Euro. Alle Beteiligten wunderten sich - vor allem über dieses astronomische Gehalt. Sons Berater und Bezugsperson Thies Bliemeister klärte dann auf: Er habe mit einer südkoreanischen Zeitung gesprochen. Am Telefon. Der Reporter habe wohl einiges durcheinandergebracht.

Als Fakt bleibt eigentlich nur, dass es tatsächlich Gespräche zwischen dem Hamburger Sportchef Frank Arnesen und Berater Bliemeister gegeben hat. In entspannter Atmosphäre, hört man. Als Tatsache bleibt auch, dass es in Sons Heimat eine ziemliche Hysterie gibt, wenn es um ihn geht. Die Zeitungen spekulieren wild drauf los. Und die südkoreanischen Anhänger schicken ihm Briefe und Pakete: Fast täglich liefert der Postbote etwas in Sons großer Eppendorfer Wohnung ab, die er zusammen mit seinem fünf Jahre älteren Bruder und seinem Vater und Förderer Wong-Jun bewohnt, wenn der in Hamburg weilt. „Es sind viele Liebesbriefe dabei“, erzählte der schüchterne Kerl vor ein paar Tagen grinsend.

Beim HSV haben sie natürlich längst gemerkt, dass der 20 Jahre alte Südkoreaner mehr ist als ein begabter Stürmer und ein sympathischer Youngster. Er ist eine Wertanlage, ein Türöffner für den asiatischen Markt. Marketingvorstand Joachim Hilke sagt: „Heung-Min ist einer der populärsten Sportler Südkoreas. Er hilft uns dort ungemein.“ Vor allem wegen Son spielte der HSV im Juli 2012 beim sogenannten Peace-Cup in Suwon vor und erhielt 600.000 Euro Antrittsgage.

Erst das südkoreanische Gesicht im Trikot der Hanseaten hatte zuvor Werbeverträge mit Kumho Tyres und Hanwha Solar möglich gemacht; die Einnahmen aus dem Deal werden auf 1,5 Millionen Euro im Jahr geschätzt. Hilke sucht gerade nach einem dritten Groß-Sponsor aus Südkorea.

Von der sportlichen Qualität und dem wirtschaftlichen Wert südkoreanischer Kicker ist man beim HSV längst überzeugt. Im Oktober 2012 flog der ehemalige Profi Soner Uysal in Sons Heimatstadt Chuncheon. Dort arbeitet auch Sons Vater als Trainer. Zwei Autostunden östlich Seouls spielten 100 Talente der Region vor. Die Hamburger Hoffnung: beim Casting einen neuen Son zu finden.

Wertanlagen aus Fernost

In der Bundesliga weiß man seit dem Dortmunder Shinji Kagawa, welch gute Wertanlage ein Spieler aus Fernost sein kann. Und bei Sons Werdegang fühlt sich mancher Bundesliga-Begleiter an Bum-Kun Cha erinnert - er zeigte Fußball-Deutschland zwischen 1978 und 1989 im Trikot von Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt, wie zuverlässig Wertarbeit made in South Korea sein kann: 98 Tore in 307 Bundesligaspielen.

Von solchen Wegmarken ist Heung-Min Son noch ein gutes Stück entfernt. Immerhin neun Treffer für den HSV sind es vor dem Spiel gegen Greuther Fürth an diesem Samstag (15.30 Uhr live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET). Doch verglichen mit Bum-Kun Cha kommt bei Son noch ein anderes Argument hinzu, das ihn attraktiv macht im Millionenspiel Profifußball. Es ist das Paket Son, das längst ausländische Großklubs interessiert: treffsicherer, charakterfester Stürmer mit hochinteressantem Marktumfeld. Wenn schon der HSV beträchtliche Summen dank südkoreanischer Sponsoren erlöst, wie sollte es dann erst Branchenriesen wie Manchester United oder dem FC Chelsea ergehen? Beide sollen inzwischen um Son mitbieten, nachdem der FC Liverpool Ende vergangenen Jahres ein Angebot in Höhe von 10,5 Millionen Euro für ihn beim HSV hinterlegt hatte.

Vorstandsvorsitzender Carl Jarchow sagt zwar: „Uns liegt aktuell keine Anfrage für Son vor.“ Doch mit Treffern wie dem 2:1 in Dortmund vor zwei Wochen wird der Poker um das Hamburger Juwel heißer. Auch der HSV macht sich Hoffnungen. Aus finanziellen Gründen wird der Klub ein Top-Angebot für seinen werthaltigsten Spieler kaum ausschlagen - wenn es denn kommt. Doch Trainer Thorsten Fink, Sportchef Arnesen und Vorstand Jarchow planen, seinen Vertrag erst einmal bis 2016 zu verlängern. Mit dann 23 Jahren wäre Son immer noch im besten Alter zum Sprung auf die Insel, werben sie. Und hier beim HSV habe Son die Möglichkeit, sich spielend für die nächste Weltmeisterschaft zu empfehlen, erzählen sie ihm.

Schneller Aufstieg

Son wirkt undurchschaubar und unentschlossen gleichermaßen, wenn er etwas zu seiner Zukunft sagen soll. „Ich fühle mich wohl hier. Ich muss noch viel lernen“, behauptet er dann lächelnd. Das kann er in Hamburg. Nach jedem Training übt er mit dem Assistenten Frank Heinemann Torschüsse. Er hat sich inzwischen eine erstaunliche Genauigkeit angeeignet. Und mit dem Athletik-Coach Nikola Vidovic arbeitet er an seinem Körper. Son will kräftiger werden, ohne die Gewandtheit zu verlieren.

Intern hat Heung-Min Son einen schnellen Aufstieg hinter sich. Vom unbedarften Talent, das sich im Sommer 2010 selbst wunderte, plötzlich neben Ruud van Nistelrooy zu spielen, zum gesetzten Profi, von dem schon ein bisschen mehr erwartet wird als vom Rest. Heung-Min Son kann mit seiner Schusstechnik in engen Spielen den Unterschied ausmachen - allerdings geht er noch mit der gesamten Mannschaft unter wie beim 1:5 in Hannover vor sieben Tagen. Da fehlt es dem pflegeleichten Strahlemann an Widerstandskraft, an den nötigen Signalen, dass er sich solch eine Demütigung nicht gefallen lässt. Auf der anderen Seite bringt Son eine hohe Professionalität mit. Extraschichten sind normal für ihn, und dass er auf die Olympischen Spiele 2012 mit Südkorea verzichtete, um beim HSV zum Stammspieler zu werden, rechneten sie ihm in Hamburg hoch an.

Wenn man Son reden hört, klingt stets eine gewisse Dankbarkeit dem HSV gegenüber an. Hier ging er fern der Heimat aufs Jugendinternat, hier hielt ihn der ehemalige Trainer Armin Veh fest, weil er von seinem Talent überzeugt war. Und dessen Nachfolger Fink ließ ihn nicht fallen, obwohl zwischen Herbst 2010 und Frühjahr 2012 in Petric/Guerrero erfahrene Stürmer gesetzt waren und Son meist nur von der Bank kam. Ein wichtiges Argument für den Verbleib in Hamburg wäre wohl, wenn der gut gelaunte Twen nicht mehr auf Solopfaden wandelte. Son sagt: „Leider habe ich keine Freundin. Keine Ahnung warum. Die deutschen Frauen gefallen mir sogar sehr gut!“ Nur die Liebe fehlt: Dieses Problem muss Heung-Min Son ganz allein lösen. Sein Berater und sein Vater dürften da ausnahmsweise keine große Hilfe sein.

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