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Hamburger SV Europa League - oder das Tafelsilber ist weg

Wieder darf der Hamburger SV nicht am Europapokal teilnehmen. Das soll sich nun ändern. Der sechste Platz ist das Ziel in der Fußball-Bundesliga. Wird er zum fünften Mal nacheinander verfehlt, müssen die Stars verkauft werden.

© dpa Schicksalsgemeinschaft: Trainer Fink (links) und sein Star van der Vaart

Diese drei Testspiele zuletzt haben am frisch erworbenen Selbstvertrauen genagt. Es ist ja nicht weiter schlimm, gegen den FC Bayern und Borussia Dortmund zu verlieren, wie es dem Hamburger SV am vorvergangenen Wochenende passierte. Die hoffnungslose Unterlegenheit beim 0:4 gegen die Münchner wurde mit Hinweis auf die Klasse des Champions kassiert.

Zuvor hatte sich Trainer Thorsten Finks Mannschaft in zwei Trainingslagern und einigen Probespielen durchaus von einer guten Seite gezeigt. Am Dienstag folgte auch noch das 1:3 gegen West Ham United, und die erste Halbzeit, als Fink in weiten Teilen seiner Stammelf vertraute, gab den Kritikern Nahrung, die den HSV weit entfernt vom avisierten sechsten Rang in der Abschlusstabelle der Saison 2013/2014 einlaufen sehen. Am Samstag machte ein 1:1 gegen Inter Mailand immerhin wieder ein wenig Hoffnung, dass die vorherigen Tests nur ein Ausrutscher waren.

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Dieser sechste Platz - verbunden mit der Qualifikation für die Europa League - ist nämlich tatsächlich das Ziel der Hamburger. Und zwar „ohne Wenn und Aber“, wie Klub-Vorstand Carl-Edgar Jarchow sagt. Den durchaus mutigen Kurs einer insgesamt wenig veränderten Mannschaft geht Fink in seiner dritten Spielzeit als Cheftrainer des Bundesliga-Dinosauriers mit. „Als ich im Oktober 2011 kam, zählte nur der Klassenverbleib. Im zweiten Jahr sollte ein einstelliger Tabellenplatz her. Jetzt wollen wir in die Europa League“, sagt der 45 Jahre alte Trainer.

Zuletzt wurde es Platz sieben - in einer Saison mit beträchtlicher Unruhe. Man denke nur an den späten Van-der-Vaart-Transfer, ermöglicht durch die Millionen des umstrittenen Sponsors Klaus Michael Kühne. Dazu kam die Unzufriedenheit mit dem fürstlich entlohnten dänischen Sportchef Frank Arnesen. Von ihm trennte man sich im Frühling und vertraut nun Oliver Kreuzer.

„Wir mussten keine Leistungsträger verkaufen“

„Wir müssen wie viele andere Klubs auch den Spagat hinbekommen, Einsparungen zu erzielen, ohne allzu viel Substanz zu verlieren“, sagt der gute Freund von Fink. Mit einem Etat, dessen Personalkosten auf deutlich unter 40 Millionen Euro gesenkt worden sind, reiht sich der HSV hinter wenigstens fünf Teams ein (Bayern, Dortmund, Schalke, Leverkusen, Wolfsburg) - insofern ist Rang sechs ein realistisches Ziel. Jüngst hatte der HSV im dritten Geschäftsjahr nacheinander ein Minus gemacht.

Wer jammert, wie es Arnesen gern tat, stößt bei Jarchow auf taube Ohren. „Wir mussten keine Leistungsträger verkaufen“, sagt er. Das stimmt, wobei jeder wohl gern am besten Torschützen Heung-Min Son festgehalten hätte. Doch das 10-Millionen-Euro-Angebot aus Leverkusen musste der HSV annehmen. Wer die zwölf Tore schießen soll, die dem Südkoreaner 2012/2013 gelangen, bleibt ein Rätsel.

Fink und Kreuzer setzen auf Djourou

Der torgefährliche, aber spielschwache Lette Artjoms Rudnevs, der am Samstag gegen Inter zum 1:1 traf, passt nicht in Finks Spielsystem, der neue Kameruner Jacques Zoua vom FC Basel gehört in die Kategorie Hoffnungsträger. Fink hofft auf Eigengewächs Maximilian Beister als Son-Ersatz.

Auf einen anderen setzen Fink und Kreuzer von Beginn an. Der Schweizer Johan Djourou soll als Innenverteidiger neben Heiko Westermann für Stabilität und Passgenauigkeit bei der Spieleröffnung sorgen. Hamburg hat sich den Schweizer vom FC Arsenal ausgeliehen - wie zuletzt Hannover 96. Dort enttäuschte Djourou im vergangenen Halbjahr allerdings.

Vieles hängt von van der Vaart ab

Zum Saisonauftakt im Pokal am 4. August bei Schott Jena wird Djourou nach seiner Leistenoperation fehlen. Da auch Torwart René Adler nach seinem Kapselriss im Knie die Vorbereitung verpasste, konnte Fink nicht mit der Wunschelf üben. Das erinnert ans Vorjahr, als die Stammspieler van der Vaart, Badelj und auch Jiracek erst im Spätsommer zum Team stießen und zu den Rettern des HSV wurden.

Vieles hängt vom 30 Jahre alten van der Vaart ab. Der HSV ist auf seine Ideen und Tore angewiesen. Ein Sprinter wird der Niederländer nicht mehr und auch kein Marathonmann, deswegen sind Zweifel angebracht, ob der Kapitän in einer ansonsten biederen Mannschaft ausreichen wird, um den Unterschied zwischen unterem und oberem Tabellen-Mittelfeld auszumachen.

Der Verkauf des Tafelsilbers droht

Für den Fall, dass der HSV im Mai 2014 die europäischen Wettbewerbe aber zum fünften Mal nacheinander verpasst haben sollte, hat Klubboss Jarchow schon den Verkauf des Tafelsilbers angekündigt. Van der Vaart oder Adler könnte man sich dann nicht mehr leisten. Das freundschaftlich verbundene Führungsduo Fink/Kreuzer will genau das verhindern.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 29.07.2013, 17:56 Uhr