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Hamburger SV Erst die Stars, dann der Sportchef

03.07.2009 ·  Unruhige Zeiten beim HSV: Bruno Labbadia füllt derzeit in Personalunion die Rollen des Trainers und des Sportchefs aus und holt sich Informationen bei Dietmar Beiersdorfer. Bernd Hoffmann ist dennoch von Labbadia begeistert - und klingt wie einst bei Thomas Doll.

Von Frank Heike, Hamburg
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Ein Lauf gleich nach dem Aufstehen, ein Frühstück mit dem neuen Chef um 7.30 Uhr, dann unzählige Gespräche mit Spielern, eine lange Pressekonferenz und ein Fitnesstest – Bruno Labbadias erster Arbeitstag gab ihm schon einmal eine Vorstellung, wie der Alltag als Cheftrainer des Hamburger SV aussehen könnte. Sehr, sehr arbeitsreich. Nach dem erzwungenen Rücktritt von Sportchef Dietmar Beiersdorfer Ende Juni muss sich Labbadia an die ungewohnte Macht- und Aufgabenfülle erst noch gewöhnen.

„Ich muss sehr flexibel sein“, sagte der neue Coach am Freitagmittag, als er in Jeans und dunkelblauem Hemd skizzierte, wie die ersten „entscheidenden“ Wochen beim HSV aussehen werden: „Ich werde die Doppelfunktion so lange ausüben, wie es sein muss.“ Erst die Stars, dann der Sportchef, das ist das Motto bei den Hamburgern mit ihren unzähligen Baustellen – mit dem Münchner Zugang Zé Roberto ist ein Anfang gemacht, den Bielefelder Mittelfeldmann Robert Tesche verpflichtete der HSV am Freitag zudem.

Unruhige Zeiten

Doch bevor es Labbadia um neue Spieler ging, erzählte er noch überraschend offen und ausführlich, wie traurig er sei, dass aus der Kooperation mit seinem ehemaligen HSV-Profikollegen Beiersdorfer nun nichts wird. „Ich bedaure, dass er aufgehört hat“, sagte Labbadia, „unsere Zusammenarbeit in den beiden Wochen, als er noch da war, war sensationell. Ich hätte gern länger mit Didi gearbeitet.“ Doch im Machtkampf der HSV-Führung hat Beiersdorfer nun einmal den Kürzeren gegen Vorstandsboss Hoffmann gezogen (siehe: Beiersdorfer verlässt den HSV: Rückzug der Integrationsfigur: ), und so ist Labbadia nolens, volens aufgestiegen: „Ich übernehme den sportlichen Teil, Herr Hoffmann den wirtschaftlichen Teil.“ Er telefoniere regelmäßig mit Beiersdorfer und hole auch Informationen über Vertragsinhalte und Abmachungen mit potentiellen Zugängen bei ihm ein, verriet Labbadia. Ob Hoffmann diese Form der stillen Zusammenarbeit gefällt? Kurios ist sie allemal. Es könnte also gut sein, dass der HSV ohne Sportchef in die neue Saison startet.

Nachwuchsleiter Jens Todt und Mitarbeiter aus der Scouting-Abteilung haben den Verein verlassen, weil sie sich der Fraktion Beiersdorfer zugehörig fühlten und unter Hoffmann nicht arbeiten wollten. So sind plötzlich Männer der zweiten und dritten Führungsreihe nach vorn gespült worden wie Bernd Wehmeyer, der plötzlich Spieler sichtet, oder Marinus Bester, der Zé Roberto den Vertrag vorlegte. Unruhige Zeiten bei den Hamburgern, und Labbadia mittendrin. „Die Situation ist nicht ideal, keine Frage“, sagte er.

Visionen sind vielleicht zu viel verlangt

Seine Ausführungen waren zwar wortreich, aber vorsichtig. Sie verbreiteten nichts von dem frischen Wind, den Martin Jol vor einem Jahr mitgebracht hatte. Aber vielleicht ist es auch zu viel verlangt, Visionen aufzuzeigen, wenn man die Mannschaft kaum kennt. Aus dem Team gab es eher zurückhaltende Kommentare, zum „wichtigsten Mann in der Kabine“ (so hatte Hoffmann den neuen Coach eingeführt): „Wir brauchen einen engagierten Trainer, und das ist Labbadia“, sagte Nationalspieler Piotr Trochowski. Gleich im nächsten Satz schränkte er ein: „Aber ich kenne ihn nur vom Fernsehen, da macht er einen vernünftigen Eindruck.“ An Jol denke niemand mehr: „So ist der Fußball, ein Kommen und Gehen.“

Bevor an diesem Samstag die ersten beiden Trainingseinheiten mit Ball folgen, es am Sonntag mit zwei Übungsstunden weitergeht, und der HSV dann ins Trainingslager nach Österreich aufbricht, begann am Freitag ein Fitnesstest in den hochmodernen Räumen des Stadions. Labbadia sprach im Halbstundentakt mit seinen Profis, von denen nur 14 gekommen waren – einige sind noch im Urlaub; so werden die Nationalspieler Mathijsen, Demel und Pitroipa erst am Montag erwartet, Mitte Juli kommen die U 21-Europameister Boateng, Ben-Hatira und Aogo hinzu. Ein kleiner Kader, der manchen Profi schon Schlimmstes befürchten lässt: „Wir müssen uns unbedingt noch verstärken“, sagte Trochowski, „denn wir wollen konkurrenzfähig für oben sein. Wir haben ja in der letzten Saison gesehen, was passiert, wenn der Kader zu klein ist.“ 16 bis 18 Millionen können Hoffmann und Labbadia für Einkäufe ausgeben.

Hoffmann selbst wirkt im Übrigen gar nicht ängstlich oder sorgenvoll, was die neue Saison betrifft. Er ist vollkommen überzeugt vom neuen Coach: „Er legt unglaublich viel Engagement und viel Begeisterung an den Tag.“ Allerdings hatte Hoffmann das über die letzten HSV-Trainer Doll, Stevens und Jol auch gesagt. Bei Labbadia aber will der notorisch zuversichtliche Hoffmann das notwendige Quentchen mehr entdeckt haben: „Bruno Labbadia hat das Maß an Leidenschaft, das notwendig ist, um die entscheidenden fünf Prozent mehr zu geben und Großes zu erreichen.“ Ein Satz, der auch gut auf den frühen Thomas Doll gepasst hätte.

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