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Hamburger SV Die Pausenclowns der Fußball-Bundesliga

27.06.2009 ·  Noch vor gut zwei Monaten war der Hamburger SV in drei Wettbewerben aussichtsreich im Rennen. Nun gibt der Klub den Pausenclown des deutschen Fußballs: Kein Sportchef, kein neuer Spieler - dafür eine vergiftete Atmosphäre.

Von Christian Kamp
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Die besorgten Stimmen kamen von überall her. „Es ist eine kleine Katastrophe“, sagte zum Beispiel Ottmar Hitzfeld, „wenn der Sportdirektor zu Beginn der Saisonvorbereitung nicht mehr da ist.“ Der Schweizer Nationaltrainer weilte kürzlich zu einem Sponsorentermin in Hamburg und hatte für die Turbulenzen beim dortigen Sport-Verein ebenso wenig Verständnis wie Uli Hoeneß.

Der Manager des FC Bayern kritisierte aus dem Urlaub in Südfrankreich ziemlich unverblümt den HSV-Aufsichtsrat, der am Dienstagabend die Trennung von Sportchef Dietmar Beiersdorfer beschlossen hatte. „Da scheint es in Hamburg ein Problem zu geben“, sagte Hoeneß und fügte mit Blick auf das desolate Gesamtbild des Klubs hinzu: „Unfassbar, dass sich der HSV eine so gute Saison kaputtredet.“ Und womöglich die nächste gleich dazu. Denn nur gut zwei Monate nachdem die Hamburger noch in drei Wettbewerben aussichtsreich im Rennen waren, gibt der stolze Klub derzeit den Pausenclown des deutschen Fußballs: Kein Sportchef mehr, kein neuer Spieler verpflichtet, dafür eine vergiftete Atmosphäre im Verein.

Unruhe in Hamburg an der Basis

„Wut und Entsetzen“ seien an der Basis zu spüren, berichtet „Supporters“-Vorstand Ralf Bednarek, auch „erhebliche Sorgen um die Zukunft des Vereins“. Die „Supporters“ – die zahlenmäßig stärkste Abteilung im Klub – fordern deshalb eine außerordentliche Mitgliederversammlung, auf der die Verantwortlichen erklären sollen, wieso der beliebte Beiersdorfer gehen musste. Beunruhigt zeigt sich auch die Spitze. Der neue Trainer Bruno Labbadia brach, alarmiert von den Nachrichten aus der Heimat, seinen Urlaub ab.

Schließlich meldete sich auch das Gewissen des Klubs in Person von Uwe Seeler zu Wort. „Der HSV ist auch ein Verein, nicht nur Geschäft“, mahnte der frühere Präsident. Und: „Zu viel Macht ist nie etwas Gutes.“ Beides waren unmissverständliche Spitzen in Richtung von Bernd Hoffmann. Der kühl kalkulierende Vorstandschef gilt vielen im Umfeld der Klubs als Hauptschuldiger der aktuellen Misere. Schon Martin Jol wusste nichts Gutes über seinen Boss zu sagen, als er den HSV Hals über Kopf in Richtung Amsterdam verließ. „Er will alle Spieler verkaufen und trotzdem Titel holen“, sagte Jol – eine Anspielung auf die Verkäufe der wichtigen Spieler de Jong, van der Vaart und Kompany, die zwar etliche Millionen einbrachten, den Kader aber an zentralen Punkten nachhaltig schwächten.

Die zweite Führungskraft ergreift die Flucht

Weil für Jols Geschmack zu wenig Geld für Investitionen bereitlag, sah er unter Hoffmanns Bedingungen keine Möglichkeit mehr, das Team nach seinen Vorstellungen zu entwickeln. In Beiersdorfer ergriff nun die zweite sportliche Führungskraft die Flucht. Auch er wollte unter Hoffmanns Bedingungen nicht mehr arbeiten. Dessen stetige „Kompetenzüberschreitungen“, klagte er, hätten „zuletzt schon System“ gehabt.

Der Höhepunkt: Vor gut zwei Wochen bat Hoffmann Trainer Labbadia und Chefscout Schröder zum Planungsgespräch, als Beiersdorfer zur Spielerbeobachtung auf Reisen war. Der brüskierte Sportchef wandte sich mit der Bitte um Klärung der Kompetenzen an den Aufsichtsrat – Rückzugsdrohung inklusive. Dass das Hoffmann-treue Kontrollgremium sich jedoch nicht gegen den Klubchef stellen würde, wusste auch Beiersdorfer.

„Es ist meine Pflicht, eine Entwicklung zu fordern“

Jol weg, Beiersdorfer weg, vor einem Jahr suchte auch der alte „Supporters“-Vorstand Reichert nach einem Dauerclinch mit Hoffmann das Weite. „Versenkt Hoffmann den HSV?“, fragte „Bild“ in diesen Tagen. So einfach ist die Antwort nicht. Die Trennung von Jol etwa war unvermeidlich, weil der Holländer seinerseits unerfüllbare Kompetenzansprüche stellte. Die umstrittene Transferpolitik trug Beiersdorfer zumindest mit (und wurde dafür als „Dukaten-Didi“ gefeiert).

Und so unromantisch das auch klingen mag: Als Vorstandschef genießt Hoffmann qua Amt eine gewisse Richtlinienkompetenz, von der er auch künftig nicht abrücken möchte. „Es ist meine Pflicht, Fragen zu stellen, eine Entwicklung zu fordern“, sagte er. In den gut sechs Jahren seiner bisherigen Amtszeit jedenfalls hat er – gemeinsam mit Beiersdorfer – den Klub zu einer der besten Adressen im deutschen Fußball gemacht.

Ein tiefer liegendes Problems

In zentralen Punkten aber ist Hoffmanns HSV zuletzt konsequent unter Niveau geblieben: in der Kommunikationskultur und der nötigen Sensibilität im Umgang mit den (selbstgesteckten) Kompetenzgrenzen. Dazu passte auch, dass der Aufsichtsrat in Sachen Beiersdorfer mehr die Rolle des Akteurs als des Kontrolleurs übernahm.

So gesehen war der unlösbare Konflikt zwischen dem Macht- und Zahlenmenschen Hoffmann und dem Gemütsmenschen Beiersdorfer nur das Oberflächensymptom eines tiefer liegenden Problems beim HSV. Das in den Griff zu bekommen könnte bei alldem zerbrochenen Porzellan schwieriger werden, als einen neuen Sportchef zu finden.

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