20.09.2011 · Rodolfo Esteban Cardoso springt beim Hamburger SV ein: Zumindest im Spiel in Stuttgart bestimmt der Argentinier die Geschicke beim Tabellenletzten. Er versucht es mit Lockerheit.
Von Frank Heike, HamburgEr hat für ein bisschen gute Stimmung gesorgt. Das ist auch sein Job bis Freitag und vielleicht noch ein paar Tage länger – spätestens zum nächsten Heimspiel am 2. Oktober gegen den FC Schalke 04 wird Rodolfo Esteban Cardoso die Bank wieder räumen und dem neuen Cheftrainer des Hamburger SV Platz machen. Das wäre dann der siebte seit Januar 2007, zählt man Zwischenlösungen wie Ricardo Moniz im Frühjahr 2010 oder jetzt Cardoso nicht mit.
Doch während der 42 Jahre alte Argentinier am Dienstagvormittag beim Training versuchte, den Hamburger Profis die Freude am Spiel zurückzugeben und sie einigermaßen aussichtsreich am Freitag in Stuttgart antreten zu lassen, glühten im Hintergrund die Drähte. Sportchef Frank Arnesen und der Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow fahnden nach Michael Oennings Nachfolger. Unter Hochdruck suchen sie einen, der deutsch spricht, etwas von Taktik versteht, vollen Einsatz zeigt und Respekt einflößt. So in etwa beschrieb Arnesen die erwarteten Qualitäten. Die Liste der Kandidaten ist schon etwas länger geworden: Horst Hrubesch, Huub Stevens, Marco van Basten, Marcel Koller, Morten Olsen, Michael Laudrup. Es ist ein echter Härtetest für Arnesen, jetzt abermals das Richtige zu tun, nachdem er am Montag das Richtige tat, als er Oenning feuerte. Es wird derjenige gesucht, der den HSV vor dem Abstieg bewahren soll. „Es wird sehr schwer, einen neuen Coach zu finden, es wird harte Arbeit“, sagte Arnesen am Dienstag.
Derjenige, der von Oenning übernahm, stand nie für harte Arbeit, sondern für die Freude am Spiel. Acht Jahre war Cardoso für die Hamburger im Einsatz, in einer oft nur mittelmäßigen Mannschaft sorgte er für Raffinesse. 2004 endete seine Zeit als Profi. Immer wieder am linken Knie verletzt, war Cardoso am Ende mehr im Behandlungsraum als auf dem Feld. Der HSV belohnte ihn mit dem Trainerposten bei der A-Jugend, 2009 stieg er zum Coach der zweiten Mannschaft auf. Weder hier noch dort fiel Cardoso besonders auf. Als Talentschmiede gilt der HSV wahrlich nicht. In dieser Saison aber läuft es gut für den Nachwuchs: Die Regionalliga-Mannschaft ist Tabellenführer. Auch deshalb hat Arnesen nicht gezögert, Cardoso den befristeten Chefauftrag zu erteilen. Rein faktisch müsste eigentlich Oennings Assistent Frank Heinemann das Sagen haben, denn im Gegensatz zu Cardoso besitzt Heinemann die für die Bundesliga notwendige Fußballlehrer-Lizenz. Cardoso hatte es im Frühjahr zum wiederholten Male versäumt, sich für den nächsten Lehrgang anzumelden. Heinemann wird Cardoso erst einmal assistieren.
Man kennt Cardoso als locker, fröhlich und entspannt, so coachte er auch den Hamburger Nachwuchs. Als Mann eiserner Disziplin und strategischer Spielvorbereitung gilt der frühere Mittelfeld-Lenker hingegen nicht. Aber bis auf Weiteres geht es ja auch nur darum, die Profis des Tabellenletzten bei Laune zu halten und ein Debakel in Stuttgart zu verhindern. Wenn das gelungen ist, wird der Neue übernehmen. fei.
Bitte mal richtig recherchieren
Gottfried Benn (Gobenn71)
- 20.09.2011, 20:11 Uhr