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Greuther Fürth Es war einmal ein Held

Mike Büskens muss in Fürth gehen und einem Unbekannten weichen, weil Präsident Helmut Hack sein Lebenswerk bedroht sieht. Der historische Erfolg des Trainers zählt nicht mehr.

© dpa Vergrößern Abschied eines Aufstiegshelden: Mike Büskens muss Fürth verlassen

Vor drei Monaten war Ludwig Preis noch einer von knapp 100 mehr oder weniger unbekannten Regionalliga-Trainern. SC Eltersdorf, 200 Zuschauer (außer die Reserven der bayerischen Bundesligaklubs schauten vorbei), Perspektive: Abstiegskampf. An diesem Sonntag wird er die größtmögliche deutsche Fußballbühne betreten, wenn auch an deren kleinstem Spielort. Preis ist der Mann, der der Spielvereinigung Greuther Fürth nach der Trennung von Mike Büskens am Mittwoch frische Impulse geben soll.

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Eine Blitzkarriere, die allerdings nur für ein oder zwei Spiele währen wird. Als Dauerlösung kommt der Einundvierzigjährige schon deshalb nicht in Frage, weil er zwar den A-Schein, aber keine Fußballlehrer-Lizenz besitzt. Am Sonntag gegen Leverkusen, sagte er, gehe es darum, dass das Team „eine Nische erwischt, die man im Fußball nicht erklären kann“. Für ihn selbst sei es eine „Riesenerfahrung, die ich machen darf“.

Mitarbeiter in Hacks Unternehmen

Eine interessante Personalie ist es noch aus einem anderen Grund. Preis arbeitet abseits des Fußballs in jener Firma, deren Geschäfte Helmut Hack führt, der Fürther Präsident. Hack war es auch, der Preis im Winter aus Eltersdorf zur U 23 der Spielvereinigung gelotst hat - ein Deal, der manchem im Frankenland nicht ganz astrein vorkam.

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Personalpolitik ist in Fürth eben Chefsache. Und das ist nach Meinung vieler Beobachter auch Teil des Problems. Alles, was bei der Spielvereinigung von Belang ist, geht nicht nur über den Schreibtisch des Präsidenten, vieles nimmt von dort seinen Ausgang. Und beileibe nicht alles läuft so gut wie die Zusammenarbeit mit Büskens in dessen ersten zweieinhalb Fürther Jahren. Als im Sommer Manager Rachid Azzouzi den Klub Richtung St. Pauli verließ, hatte das auch damit zu tun, dass er neben dem allmächtigen Hack, der bei Transfers ein starkes Wörtchen mitreden wollte, kaum Raum zur Entfaltung bekam. Auf die Einstellung eines neuen Sportchefs wurde verzichtet. Hack erledigte den Job gleich mit - und lag bei einer entscheidenden Position ziemlich daneben.

Nachdem der Klub Olivier Occean, den besten Zweitliga-Schützen, nach Frankfurt hatte ziehen lassen, präsentierte Hack nach langer Suche den Senegalesen Djiby Fall. Wer ihn trainieren sah (im Spiel war er nur zwei Mal zu sehen), konnte daran zweifeln, dass er auch nur für die Zweite Liga tauglich sein könnte. Das allein erklärt die Fürther Misere mit nur zwölf Punkten aus 22 Spielen natürlich nicht.

Fürther Fehleinschätzungen

Auch andere Spieler wie Mikkelsen oder Sararer erfüllten die Erwartungen nicht, eine Portion Verletzungs- und Torschusspech (das man indes auch Unvermögen nennen könnte) kamen dazu. Und auch Büskens, dem Aufstiegshelden, wurde zuletzt das eine oder andere vorgeworfen: taktische Stagnation, die Nibelungentreue zu den früheren Schalkern Asamoah und Edu (zum Verdruss der Jüngeren), zuletzt sogar eine gewisse Resignation. Alles in allem aber ist die aktuelle Situation des Vereins nicht zuletzt das Ergebnis der grandiosen Fehleinschätzung auch des Präsidenten, die erste Liga ohne erstklassige Strukturen bewältigen zu können.

Training SpVgg Greuther Fürth © dpa Vergrößern Interimstrainer: Ludwig Preis soll die Wende einleiten

Im Fall Büskens war wie bei jedem anderen Trainer vor ihm klar, dass Hack über den Verbleib im Job bestimmen würde. Dass er am Mittwoch den Daumen senkte, mag manchem überraschend vorgekommen sein, der nur Büskens, dessen Ausstrahlung und vor allem seinen historischen Erfolg, den Aufstieg im vergangenen Jahr, vor Augen hatte.

Wer aber den Blick auf Hack richtete, der ahnte, dass dieser Mann zuletzt auch sehr zu leiden hatte. Die Spielvereinigung ist sein sportliches Lebenswerk, er war es, der 1996 die Fusion des TSV Vestenbergsgreuth, seines Heimatvereins, mit dem heruntergewirtschafteten Fürther „Kleeblatt“ auf den Weg brachte. Und Hack wollte, dass dieses Werk anerkannt wird - insbesondere wegen der beschränkten finanziellen Mittel. Dass sein Verein plötzlich nicht mehr der sympathische kleine Klub war, der das Beste aus seinen Möglichkeiten macht, sondern mit Tasmania Berlin in einem Atemzug genannt und damit praktisch zur Lachnummer wurde - das war zu viel.

Hoffnungsschimmer bewahren

Nach Ansicht der lokalen Medien lagen Team und Klub nach dem blutleeren 0:1 von Düsseldorf am Samstag im „Wachkoma“. Und für die Wiederbelebung sah Hack nur noch die Möglichkeit, sich von dem Mann zu trennen, der die Fürther Fußballseele einst wachgeküsst hatte. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leichtgemacht“, sagte Hack am Mittwochabend. „Mike Büskens hat alles an Leidenschaft und Engagement eingebracht, was einem Menschen möglich ist.“

Weil der Klubchef aber nach der Hoffenheimer Niederlage gegen Stuttgart noch den Hoffnungsschimmer in Form des Relegationsplatzes erkannte, wollte er nichts unversucht lassen - auch wenn er damit alle Beteuerungen, mit Büskens zur Not in die zweite Liga zu gehen, über den Haufen warf. „Wir haben das große, einmalige Glück, dass auch die anderen nicht punkten“, hatte Hack am Montag gesagt und davon gesprochen, dass der Verein sich nun „mit allen Optionen beschäftigen“ müsse. Da war das Urteil über Büskens gesprochen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 21.02.2013, 17:06 Uhr

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