21.02.2013 · Mike Büskens muss in Fürth gehen und einem Unbekannten weichen, weil Präsident Helmut Hack sein Lebenswerk bedroht sieht. Der historische Erfolg des Trainers zählt nicht mehr.
Von Christian KampRichtlinien für Lesermeinungen
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Entweder der Hack hat keinen Blick für die Realität oder die meisten der Fußballfans
Greuther Fürth hat einen schlechten Kader, zu schlecht für die erste Liga. Da hilft auch ein Heynkes nicht! Das Stadion ist viel zu klein für das Vorhaben "längerfristig in BL 1 spielen". Das bedeutet daß auch zu wenig Geld in die Kasse gespült wird. Greuther Fürth hätte einfach das Abenteuer BL 1 ganz locker angehen sollen mit dem Bewußtsein, daß es nur ein kurzer Abstecher sein wird. Parallel dann planen für die Liga 2 mit Zielrichtung zurück in BL1 in 2-3 Jahren. Erzwingen hilft nichts. Das ist das LOS der kleinen Vereine. Dennoch war es ein riesen Erfolg in die BL1 aufzusteigen, das sollten die Fans der GF und auch die Herren um Hack nie vergessen. Ich drücke dem Club die Daumen, daß die Zukunft irgendwann wieder diesen kleinen Club unter besseren Vorbedingungen in die BL1 spült.
Das ist eben leider das Los eines fast jeden Aufstiegstrainers, wenn er
mit einem kleinen
Verein aufsteigt. Eben nochgefeierter Held, dann mit einer
Trümmertruppe am Ende der
Erstligatabelle und schon arbeitslos. Für manche Trainer ist es
warscheinlich besser
10 x Tabellenvierter der 2. Liga zu werden als 1 x aufzusteigen.
Trümmertruppen steigen mit
welchem Trainer auch immer sowiso ab. Hoffendlich trainiert MB bald
S 04.
Bei aller Dankbarkeit: Schritt war notwendig!
Unabhängig von der desolaten Kaderplanung und den eigenwilligen
Personalentscheidungen rund um Hack:
In einer solchen Situation ist eine Trainerentlassung meiner Meinung
nach unausweichlich. Ich habe (trotz des Sieges gegen Schalke vor 3
Wochen) keine Entwicklung in Fürths Spiel erkennen können.
Auch nach Spieltag 22 würde ich sagen, dass sie in Liga 1 nicht
angekommen sind. Büskens wirkte zuletzt doch sehr resigniert und
ausgebrannt. Esprit und Leidenschaft habe ich da zumindest nicht
erkennen können. Kollege Meier macht es in Düsseldorf anders
vor, auch wenn das sicherlich nicht jedermanns Sache ist.
In diesem Moment gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man ergibt
sich dem Kampf und landet wieder mit Büskens in Liga 2 oder man
versucht den letzten Strohhalm zu greifen und mit neuen Impulsen die
Klasse doch noch zu halten. Wenn ich ehrlich bin, würde ich mich
auch für letzteres entscheiden. Nicht zuletzt dank gelungener
Beispiele, z.B. aus Freiburg.
...müssten in einem ordentlich geführten Verein die Pläne
für die nächste Saison schon ziemlich Kontur angenommen haben.
Natürlich kann noch einiges passieren in einer Rückrunde, aber
meistens geben Tabellenplatz, Punktestand und Torverhältnis nach
der Vorrunde keinen ganz schlechten Eindruck des Trends eines Vereins
wider. Damit kann man vorbehaltene Entschlüsse treffen - das
Klassische: "Was machen wir, wenn xy eintritt?"
Fürth versäumte das wohl in der Aufstiegssaison und vergeigte
das Ganze dann im Sommer noch restlos. Resultat: Fürth ist das neue
Tasmania. Letzte Saison waren es die roten Teufel, die auf der ganzen
Linie versagten, diesmal sind es die Kleeblätter. Das Einzige, was
Hertha wohl davor bewahren wird in deren Fusstapfen zu treten, ist
Luhukay. Möglicherweise die grösste Verschleuderung an
Trainer-Talent im bezahlten, deutschen Fussball.
Dass Hack und Büskens nach dem Abgang Azzousis keinen Plan mehr
hatten, zeugt nicht von der nötigen Weitsicht - Geld hin oder her.
Da hätte man noch zwei Spiele warten sollen...
Fürth hat, vielleicht noch zusammen mit dem FC Augsburg, die
nominell schwächste Mannschaft, dazu das mit Abstand kleinste
Stadion und den kleinsten Etat. Der Verein gehört von seiner
wirtschaftlichen Grundausstattung her (Fanbasis, Sponsorenappeal) in die
untere Hälfte der zweiten Liga und so etwas entwicklet sich nur
langsam. Man muss dem Präsidenten bei aller Kritik zubilligen, dass
er Fürth unter wechselnden Verantwortlichen stets sportlich am
oberen Rand des wirtschaftlich Möglichen gehalten hat. Aber
Fürth ist nun mal krasser Außenseiter und der Klassenerhalt
war von Anfang an schwer.
Für den Verein wäre es aber wohl besser gewesen, wenn man noch
gewartet hätte, bis der glücklose Jens Keller auf Schalke reif
ist. Wollte der dortige Manager Heldt ohne großen Schaden
durchkommen, wäre er um Fanliebling Büskens kaum
herumgekommen. Dann hätte Hack den "Aufstiegstrainer" mit
Krokodilstränen und tröstender Ablösezahlung ziehen
lassen können.