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Gewalt von Fußballfans „Die größte Chance haben die Vereine“

23.04.2010 ·  Politik, Fußball und Polizei diskutieren in Berlin über die zunehmende Gewalt rund um Fußballstadien. Der Fansozialarbeiter Michael Gabriel sitzt am Runden Tisch. Im FAZ.NET-Interview spricht er über die Verantwortung von Ultras, Polizei und Vereinen.

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Der Platzsturm von Hertha-Fans im Berliner Olympiastadion und weitere Vorfälle rund um deutsche Stadien sorgten zuletzt für Diskussionen über eine neue Gewaltwelle im deutschen Fußball. In Berlin treffen sich deshalb heute Vertreter aus dem Fußball mit Politikern und Polizeivertretern zu einem Runden Tisch. Mit dabei ist Michael Gabriel, der die Koordinierungsstelle für Fanprojekte leitet. Gabriel fordert mehr präventive Arbeit.

Herr Gabriel, welchen Anteil haben die so viel kritisierten Ultras an der Situation rund um die Stadien?

Zuerst einmal muss man sich in Erinnerung rufen, dass es die großartige Leistung der Ultras ist, mit ihrer Kreativität Stimmung in die Stadien gebracht zu haben. Dafür haben sie viel zu wenig Wertschätzung erfahren. Auf der anderen Seite herrscht eine Tendenz in ihren Gruppen, Gewalt von wenigen unter ihnen zu akzeptieren. Dadurch stellen sie ihre positiven Leistungen in den Schatten und machen es der Polizei einfach, sie als Gewalttäter zu brandmarken. Die Ultras müssen deshalb selbstkritischer in ihre Szene schauen.

Was erwarten Sie von den Vereinen?

Die größte Chance in der ganzen Diskussion liegt bei den Vereinen, den Spielern und Funktionären. Sie sind die Adressaten des Engagements, der Emotionen und gar der Liebe der Fans. Das müssen die Vereine verstehen und wertschätzen und darauf aufbauend in einen kontinuierlichen und ernst gemeinten Dialog mit der gesamten Fanszene einsteigen. Nur so ist auch ein ernst gemeinter Dialog mit den Ultras möglich und es besteht die Chance von Vereinsseite, sie in die Verantwortung zu nehmen.

Was erwarten Sie von der Polizei?

Auch die Polizei muss lernen, Fußballfankultur besser zu verstehen und ihre Einsatzstrategien darauf abzustimmen. Solange in der Polizei Fans vornehmlich als Risiko betrachtet werden, tendieren Einsatzleiter dazu Räume mit einer hohen Polizeipräsenz dicht zu machen. Je mehr Polizisten wir bei einem Spiel haben, umso mehr wird den ankommenden Auswärtsfans das Gefühl vermittelt, dass sie gefährlich sind. In Hannover wird das seit geraumer Zeit mit Erfolg anders praktiziert, nänmlich mit Kommunikation und viel weniger sichtbarer Polizei. Diese Strategie wurde auch bei den vergangenen Europameisterschaften und Weltmeisterschaften angewandt - mit großem Erfolg, was wissenschaftliche Begleitstudien bewiesen haben. Mich wundert es, dass das nicht vermehrt an anderen Standorten umgesetzt wird.

Fans sitzen heute nicht am Runden Tisch …

Über Fans und nicht mit Fans zu reden ist grundsätzlich ein Fehler. Elementar wird sein, dass nach dem Runden Tisch miteinander gesprochen wird, vor allem zwischen Fans und Vereinen.

Was erhoffen Sie sich vom Runden Tisch?

Je mehr Polizei rund um ein Stadion für Sicherheit sorgen soll und je höher die Zäune sind, umso eher müssen Fans doch den Eindruck haben, dass andere für die Sicherheit verantwortlich sind. Die präventive Arbeit der Fanprojekte trägt dazu bei, dass sich alle Fans verantwortlich fühlen und dass sie sich öffnen für den Dialog mit Vereinen und Polizei. Ich erwarte mir deshalb eine deutliche Stärkung dieser präventiven Arbeit (siehe auch: Position der Koordinierungsstelle Fanprojekte zur aktuellen Debatte um Fußballgewalt)

Das Gespräch führte Daniel Meuren.

Quelle: FAZ.NET
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