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Gestrandete Profis Sie jagen einem Traum nach

13.07.2007 ·  Auch das gibt es im Profifußball: 25 vereinslose Bundesligaspieler halten sich in einem Camp fit, um auf den letzten Drücker vielleicht doch noch eine Festanstellung in einer der oberen Spielklassen zu erhaschen.

Von Richard Leipold, Duisburg
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Auf den ersten Blick ist es ein ganz gewöhnlicher Trainingsstart. Ein Fußball-Lehrer trimmt eine Gruppe von Profis im Spiel mit und ohne Ball, um sie fit zu machen für die neue Saison. Ein wenig abseits beschäftigt einer der Assistenten die Torhüter. Mittendrin müht sich ein Kamerateam um die richtige Einstellung, und am Rande stehen ein paar Reporter. Alles wie immer und überall in der Vorbereitung.

„Ja, stark!“, ruft Stefan Brasas, einst Schlussmann in der Bundesliga, dem Mann mit der Nummer zwölf zu, der von einer Ecke in die andere hechtet. „Du hast ja Pattex an den Handschuhen.“ Als der Torwart nur noch die Kraft besitzt, „wie eine Bahnschranke“ zu fallen, ist der nächste an der Reihe. Die Nummer zwölf gehört Ronny Kockel. Er hat sich nicht durchsetzen können im Berufsfußball – weder in Deutschland bei Arminia Bielefeld noch auf Zypern bei Olympiakos Nikosia. 25 Regionalligaspiele für die zweite Mannschaft der Arminia und, ein paar Jahre zuvor, 19 für die Stuttgarter Kickers sind sein ganzer Erfahrungsschatz, aber er will es weiter versuchen. Biografien wie diese sind normal bei den Trainierenden auf Platz vier der Sportschule Wedau.

Es droht die Arbeitslosigkeit

Namen und Lebensläufe verraten: Es ist doch kein ganz normaler Start in die Saisonvorbereitung. Hier kicken Gestrandete des Profifußballs, die dagegen ankämpfen, als Gescheiterte aus ihrem Traum vom Glück zu erwachen. Bis zum Ende des nächsten Monats haben sie die Chance, irgendwo unterzukommen. Danach droht ihnen die Langzeitarbeitslosigkeit. „Wenn es bis zum 31. August nichts wird, muss ich wieder als Einzelhandelskaufmann arbeiten“, sagt Kockel.

Fußballprofi ist für viele ein Traumberuf, der Ruhm und Reichtum verheißt. Aber auch auf diesem exquisiten Spielfeld gibt es Arbeitslose. „Es sind etwa fünf Prozent“, schätzt Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VdV, die für das Trainingscamp in Duisburg für ihre Mitglieder finanziert und organisiert. Eine verlässliche Statistik über die Zahl der Beschäftigungslosen unter den Profis gibt es nicht. Zwar melden sich viele von ihnen bei der Bundesagentur für Arbeit, aber sie sind schwer zu definieren.

Vom Clown bis zum Orchestermusiker

In Deutschland gehen knapp tausend Profis ihrer Berufung als Lizenzspieler nach, hinzu kommen noch einmal so viele, die in der Regionalliga arbeiten. Bei der Bundesagentur fallen sie aber unter das Berufsbild der Künstler, das vom Clown bis zum Orchestermusiker reicht. Nicht jeder ist so qualifiziert wie die Teilnehmer des Duisburger VdV-Trainings, die alle schon mit dem Profifußball im weiteren Sinne in Berührung gekommen sind. „Bei einigen, die sich als arbeitslose Fußballspieler melden, ist oft der Wunsch Vater des Gedankens, weil es an einem anderen Berufsbild fehlt“, sagt Baranowsky.

Insofern geht es den Duisburger Teilnehmern noch gut; sie brauchen nicht zu flunkern, um als Arbeitslose mit Glamourfaktor durchzugehen. Wohl fühlen sie sich dennoch nicht bei dem Gedanken an ihre berufliche Situation. „Ich bin ja jetzt berufsunfähig“, sagt Gustav Policella – und berichtigt sich sofort selbst. „Äh, arbeitslos.“ Er hat mehr als 220 Spiele in der zweiten und dritten Liga bestritten und weiß das Training dennoch zu schätzen. „Es tut mir gut. Ich muss fit bleiben für den Fall, dass ich zu einem Probetraining eingeladen werde.“

„Schon gewisse Hemmungen“

Die Stimmung auf dem Platz ist besser als bei vielen Maßnahmen der staatlichen Arbeitslosenverwaltung. Vermutlich sind die Teilnehmer stärker motiviert; sie jagen einem Traum nach, nicht bloß einem Job. Aber auch mancher Fußballspieler kennt die dunklen Seiten. „Ich bin zum ersten Mal arbeitslos, das ist eine Scheißsituation für mich. Es gibt Angenehmeres, als hier zu trainieren“, sagt Policella. Bei der Anmeldung zum VdV-Training habe er „schon gewisse Hemmungen“ überwinden müssen. Mit anderen vereins- und vertragslosen Kicken zu trainieren sei aber auch eine Chance. „Das ist besser, als allein im Wald rumzulaufen, solche Bedingungen hast du zu Hause nicht.“

Wie die Spieler so der Trainer. Auch Karsten Baumann wartet auf seine Chance. Vor kurzem hat er die Ausbildung zum Fußball-Lehrer als Jahrgangsbester abgeschlossen. Jetzt trainiert er Arbeitslose und hofft auf eine feste Anstellung bei einem Verein. „Ich möchte unbedingt im Profifußball arbeiten“, sagt er. „Aber ich stehe nicht ganz so unter Druck wie die Jungs.“ Bei den Arbeitsuchenden ist Baumann der Star der Mannschaft. Für Köln und Dortmund hat er 261 Mal in der ersten Liga gespielt. Die Männer, die er auf seiner ersten Station trainiert, wären schon mit weniger zufrieden, mit viel weniger.

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