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Geschäftsführer vor dem Aus : Unruhe in Hoffenheim wegen Causa Flick

Er wirkte zuweilen wie ein Fremder bei der TSG: Hansi Flick. Bild: dpa

Hansi Flick soll sich mit TSG-Mäzen Dietmar Hopp überworfen haben. Aktuell weilt der Geschäftsführer Sport im Urlaub, was mitten in der Saison ungewöhnlich scheint. Ob es für ihn in Hoffenheim weitergeht, ist fraglich.

          Rein sportlich gesehen, spielt die TSG 1899 Hoffenheim derzeit eine eher unscheinbare Rolle in der Fußball-Bundesliga. Der Tabellen-Vierte der vorigen Saison ist wieder im Mittelmaß gelandet. Platz neun spiegelt den Ist-Zustand zwischen Hell und Dunkel in der Tabelle wider. Schlagzeilen hat es zuletzt dennoch genug gegeben. Ob Trainer Julian Nagelsmann bleiben müsse oder zur neuen Saison gehen dürfe, etwa zu Borussia Dortmund, war ein Thema. Ob der mit 31 Jahren jüngste Fußballlehrer der Liga an Bodenhaftung verloren habe und sein Verhältnis zu einigen seiner Spieler angespannt sei, ein anderes. Inzwischen gibt es allen Gerüchten zum Trotz eindeutige wechselseitige Bekenntnisse, dass das innerbetriebliche Klima nicht unter dem nachlassenden Erfolg – noch kein Sieg in der Rückrunde – gelitten habe.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Kaum war diese Geschichte fürs Erste ausgestanden, machte Hans-Dieter Flick, den, obwohl schon 52 Jahre alt, noch immer alle Hansi rufen, erstmals seit seiner Rückkehr zur TSG von sich reden. Nicht persönlich, da der in der kleinen Kraichgauer Gemeinde Bammental lebende Geschäftsführer Sport derzeit im Urlaub ist, was für sich genommen mitten in der Saison zumindest ungewöhnlich anmutet. Die „Bild“-Zeitung berichtete während dieser Woche von Streit zwischen Flick, seinem Geschäftsführerkollegen Peter Görlich (Marketing, Innovation), Alexander Rosen, dem Direktor Profifußball, und Christian Frommert, dem Direktor Kommunikation und Medien. Schlimmer noch soll es demnach auch zwischen dem Vereinsmäzen Dietmar Hopp und Flick gekracht haben, weil zwischen den beiden angeblich ein Dissens über die künftige Ausrichtung des Klubs bestehe. Das Fachmagazin „Kicker“ schrieb: „Es geht nur noch um die Modalitäten der Vertragsauflösung.“

          Als noch alles in Ordnung war: Dietmar Hopp (links) und Hansi Flick im Juni 2017.

          Dazu war von Vorschlägen die Rede, mit denen Flick strukturelle und personelle Änderungen im Hoffenheimer Leitungsorganigramm habe anstoßen wollen. Von solchen Plänen wissen diejenigen, die es angehen sollte, aber nichts. Mit anderen Worten: Es wurde ein Machtkampf insinuiert, dem am Ende Flick selbst zum Opfer fallen könnte. „Das entbehrt jeder Grundlage“, sagte Hopp zu den Spekulationen, dass der Haussegen bei der TSG schief hänge und Flick mit nicht näher umrissenen Reformplänen gegen Mauern gelaufen sei.

          „Wir wissen hier weder etwas von einer Auseinandersetzung noch von irgendwelchen Strukturvorschlägen, über die es Diskussionen gegeben haben könnte“, hob der Pressesprecher Holger Kliem in einer Verlautbarung des Klubs hervor. An diesem Donnerstag schon er nach: „Tatsächlich, es gab in der vergangenen Woche ein Treffen zwischen Hansi Flick und Dietmar Hopp. Das ist ganz normal, dass sich ein Gesellschafter und ein Geschäftsführer austauschen. Hansi Flick ist jetzt im Urlaub. Mehr ist nicht passiert.“

          Alles also nur ein Sturm im Wasserglas? Ganz so einfach liegen die Dinge nicht, was weniger mit Intrigen und Blockaden gegenüber Flick zu tun haben dürfte, sondern eher mit der Position des früheren Chefassistenten von Bundestrainer Joachim Löw und ehemaligen Sportdirektors des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Wie schon auf seinen früheren Stationen erschien der einstige Profi des FC Bayern München und Trainer der TSG (2000 bis 2005) als eher öffentlichkeitsscheu. Flick wandelte in Hoffenheim auf dem schmalen Grat zwischen Uneigennützigkeit und Unscheinbarkeit. Das hatte auch objektive Gründe, da die wichtigsten Posten im Klub durch Rosen als Manager in der Profiabteilung sowie die Geschäftsführer Görlich und Briel (Finanzen) sowie Dirk Mack als Direktor Nachwuchs und Leiter der Akademie in Zuzenhausen besetzt waren, als ihn Hopp zurückholte. Bei Flicks Vorstellung am 1. Juli des Vorjahrs pries ihn Hopp als „neues Gesicht des Klubs“ und .Hoffnungsträger“. Die Hoffnung der TSG formulierte Hopp so: „Wir erwarten eine Aufbruchstimmung, von der alle profitieren.“

          Von dieser Aufbruchstimmung aber war danach nie etwas zu spüren, wenn Flick sich überhaupt einmal zu Wort meldete. Hopp, der in ihm so etwas wie einen strategischen Planer gesehen hatte, spürte wohl auch früh, dass da nicht viel kam. Flick bestach zwar mit seiner Freundlichkeit und uneitlen Art, wirkte dabei aber inmitten des mittelständischen Fußball-Unternehmens stets wie ein Mann aus der zweiten Reihe. Profilschärfende Äußerungen, von ihm erzeugte Reibungen innerhalb der TSG, sachdienliche Anregungen, gar visionäre Ideen gehörten nicht zu Flicks Portfolio.

          Vielmehr mutete er in dem intern eingespielten Hoffenheimer Betrieb oft wie ein Fremder an, der einen Schreibtisch besetzt, aber keine konkreten Aufträge bekommt. Insider sagen, Flick sei „ein netter Kerl, der aber überhaupt nicht angekommen ist“. Auch in seinem Metier Fußball wurde er in die Allianz zwischen Nagelsmann und Rosen nur peripher eingebunden. So war er denn da, aber nicht wirklich präsent in den ersten neun Monaten seines neuen Berufs.

          Mag sein, dass er in seinem schon zweiten Urlaub dieses Jahres über sich und seine Möglichkeiten bei seiner alten Liebe Hoffenheim nachdenkt. Wie es um seine Perspektiven bestellt ist, wird vermutlich ein vertrauliches Gespräch mit dem Patron Hopp aufzeigen. Die oberste Instanz des Vereins hat Flick im Vorjahr mit einem Vertrag bis 2022 ausgestattet. Ob Flick ihn erfüllen darf, will oder kann, bleibt die spannende Frage.

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